Papst gratuliert zu neuen deutschen Seligen

Drei Priester Märtyrer des Nationalsozialismus in Lübeck

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ROM, Montag, 27. Juni, 2011 (ZENIT.org). - Vom Fenster des apostolischen Palastes aus hat sich Papst Benedikt XVI. gestern vor dem sonntäglichen Angelusgebet mit der Seligsprechung dreier durch das NS-Regime hingerichteter Lübecker Priester verbunden.

Die drei katholischen Geistlichen Johannes Prassek, Eduard Müller und Hermann Lange wurden wegen ihrer Opposition gegen den Nationalsozialismus zusammen mit dem protestantischen Pfarrer Karl Friedrich Stellbrink aus Lübeck im Jahre 1943 hingerichtet.

Der Papst zeigte seine Freude über diese Seligsprechungen sowie über die Heiligsprechung von drei Mailändern am Ende des Angelus-Gebetes, indem er ausrief: „Preisen wir den Herrn für diese leuchtenden Zeugen des Evangeliums!“

Danach wies der heilige Vater in seinen Grüßen an die Gläubigen der Erzdiözese Hamburg  auf dem Petersplatz auf die Tragweite dieses Martyriums hin.

Das Leiden der drei katholischen Geistlichen und des protestantischen Pastors Stellbrink im Gefängnis bis zu ihrer Hinrichtung stelle „ein großes ökumenisches Zeugnis der Menschlichkeit und Hoffnung“ dar, betonte der Papst.

Er erinnerte an die Abschiedsworte von Johannes Prassek, die er in seiner Zelle geschrieben hatte: „Wie gut ist Gott, dass er mir alle Furcht nimmt und mir Freude und Sehnsucht schenkt.“ Es sei „beeindruckend“, unterstrich der Papst, „wie er aus seiner Zelle auf den Himmel verwies“, und forderte die Anwesenden auf, sich von dieser Freude „anstecken zu lassen.“

Die Seligsprechung fand gestern in Lübeck unter dem Vorsitz von Kardinal Angelo Amato, dem Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen, statt. Die Predigt wurde von Kardinal Walter Kasper gehalten, wie Radio Vatikan berichtet.

Kardinal Kasper, ehemaliger Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, hob besonders die Haltung der drei neuen Seligen während ihrer Gefangennahme hervor: Sie „erlitten alles, aber sie hatten keine Angst zu sterben“, so Kasper.

Mit ergreifenden Worten wies der Kardinal auf die letzten Momente der vier Männer hin und zitierte ihre letzten Worte vor der Hinrichtung, darunter die des protestantischen Pfarrers Stellbrink an seine Frau: „Wahrlich, es ist nicht schwer zu sterben und sich in Gottes Hand zu geben.“

„Diese vier Männer sagen uns, was es heißt, ein Christ zu sein: stehen, wo Jesus Christus steht, mit ihm leben und mit ihm sterben“, so Kasper.

Die Märtyrer von Lübeck zeigten uns, dass es „damals nicht nur verblendete Nachläufer und feige Mitläufer gab, es gab auch das andere Deutschland; es gab mutige Christen, die ihr Haupt nicht gebeugt haben und sich nicht verbiegen ließen.“

Der Kardinal fügte hinzu: „Solche Männer und Frauen brauchen wir auch heute. Denn heute sind die Christen die weltweit am meisten verfolgte Gruppe.“

An Orten wie dem Westen bestehe die Verfolgung darin, dass ein Christ „ertragen muss, dass über ihn die Nase gerümpft wird, dass er als Außenseiter gilt oder dass Spott und Häme über Christen und die Kirche ausgegossen wird.

Allerdings brauche man auch heute „aufrechte Männer und Frauen, die sich nicht anpassen, die in christlicher Freiheit für ihren Glauben einstehen, die anders denken, anders reden und anders leben.“

Die Abschiedsbriefe der Lübecker Märtyrer an ihre Familien kamen niemals bei ihren Adressaten an, da sie von dem Volksgerichtshof, der die Kapläne verurteilt hatte, beschlagnahmt worden waren. Aufgrund des Bekenntnisses der Zuversicht und der Freude der Geistlichen vor ihrem Tode waren die Briefe als „gefährlich“ eingestuft worden. Jahrzehntelang galten sie als verschollen. Bei der Öffnung der Archive der DDR nach der Wiedervereinigung waren sie wieder aufgetaucht.

Weitere Informationen hier.

[Übersetzung aus dem Spanischen von Iria Staat]