Papst: Ich tat es in voller Freiheit zum Wohl der Kirche

Eure Liebe trägt mich!

Rom, (ZENIT.org) Jan Bentz | 1263 klicks

Vor der Katechese während der Generalaudienz, der vorletzten dieses Ponifikats, dem Thema „Die Versuchungen Jesu und die Umkehr zum Reich des Himmels“ gewidmet, erläuterte Papst Benedikt XVI. in einer Stegreif-Rede den Gläubigen nochmals seine historischen Entscheidung, auf das päpstliche Amt zu verzichten:

„Liebe Brüder und Schwestern, wie ihr wisst, habe ich beschlossen, vom Dienst, den der Herr mir am 19. April 2005 anvertraut hatte, zurückzutreten. Ich tat dies in voller Freiheit für das Wohl der Kirche, nach langem Gebet und langer Gewissensprüfung vor Gott und im Bewusstsein der Schwere dieses Aktes, aber auch im Bewusstsein darüber, dass ich nicht mehr in der Lage bin, das Petrusamt mit der Kraft auszufüllen, die es benötigt.

Ich habe fast körperlich, in diesen Tagen nicht leicht für mich, die Liebe gespürt, mit der ihr mich tragt. Betet weiter für mich, für die Kirche, für den zukünftigen Papst; der Herr wird uns leiten. Mich stützt und erleuchtet die Gewissheit, dass der Kirche Christi seine Führung und seine Obhut niemals fehlen wird. Ich danke euch allen für eure Liebe und für euer Gebet, mit dem ihr mich begleitet habt.“

Unterbrochen von jubelndem Applaus dankte Benedikt XVI. sichtlich bewegt den Gläubigen für ihre Zuneigung und schloss seine Katechese bei der Generalaudienz mit den Worten: „Sich zu erneuern bedeutet nicht, sich im eigenen Erfolg, im eigenen Prestige, in der eigenen Position einzuschließen, sondern dafür zu sorgen, dass an jedem Tag in den kleinen Dingen die Wahrheit, der Glaube an Gott und die Liebe das Wichtigste werden. Danke.“

Coelestin V. als Vorbild: furchtlos, in der Wahrheit, gehorsam nur gegenüber Gott

Nach einem Treffen mit Jugendlichen im italienischen Sulmona (Kirchenprovinz L’Aquila) hatte Papst Benedikt XVI. im Juli 2010 vor den Reliquien des hl. Coelestin V. gebetet. Dieser gehört zu den Päpsten, die vor ihm zurückgetreten waren. Er legte sein Amt 1294 nieder und wurde bereits 19 Jahre später heilig gesprochen.

Der Heilige Vater hatte zuvor das einsame Leben dieses Papstes –er gilt als einziger Eremit im Papstamt ‑ gewürdigt und dessen Missachtung materieller Dinge hervorgehoben, eine wichtige Botschaft in der heutigen Konsum- und genussversessenen Zeit. Er habe in der Stille Gottes Stimme hören und seine Hilfe finden können und damit gewusst, was es bedeute, nach der Stimme seines Gewissens zu handeln: im Gehorsam gegenüber Gott. Seine Entscheidungen habe er somit völlig furchtlos und mit großem Mut getroffen. Sein kurzes Pontifikat sei von der Wahrheit geprägt gewesen, so würdigte Benedikt XVI. seinen Vorgänger.

Im Rückblick scheint dies ein prophetischer Augenblick gewesen zu sein.

Die Katechese des Papstes stand im Zeichen der heute beginnenden Fastenzeit. Der Heilige Vater ging auf die Versuchungen Jesu in der Wüste durch den Teufel ein. Die Wüste sei ein Ort der Stille und der Armut, der Einsamkeit und des Todes. Der Teufel rede Jesus ein, er solle Steine in Brot verwandeln, er verspreche ihm Macht auf Erden und schlage ihm vor, durch ein Wunder die Menschen zum Staunen zu bringen. Der Kern dieser Versuchungen sei eine Instrumentalisierung Gottes für die Interessen des Menschen, der sich letztlich selbst an die Stelle Gottes setzen wolle.

Jesus habe diese Versuchungen auf sich genommen, „um so das Böse zu besiegen und den Weg zu Gott hin zu öffnen“, so der Papst. Dieser Weg sei ein „Weg der Umkehr“. Umkehr bedeute, Gott den rechten, nämlich den ersten Platz einzuräumen und damit die richtige Ordnung herzustellen.

„Diese innere Bekehrung, diese Hinkehr zu Gott verlangt unsere ganze Entschiedenheit, gerade in unserer Zeit, in der so vieles den Werten des Glaubens entgegensteht. Und erst in dieser Hinwendung zu Gott wird unser Leben recht und finden wir unseren Frieden“, so der Papst.