Papst: Ihr seid Hirten, keine Funktionäre

Erste Priesterweihe im Petersdom durch Papst Franziskus

Rom, (ZENIT.org) Jan Bentz | 514 klicks

Am Vormittag des vierten Sonntags in der Osterzeit hat Papst Franziskus in einer hl. Messe im Petersdom in der ersten Priesterweihe seines Pontifikats zehn Diakone aus römischen Diözesanseminaren zu Priestern geweiht. Konzelebranten waren Agostino Kardinal Vallini, der Generalvikar seiner Heiligkeit für die Diözese Rom; der Vizeregens Filippo Iannone; die Weihbischöfe und die Oberen der jeweiligen Seminare (Päpstliches Römisches Hauptseminar, Seminar der Oblaten, Söhne der Madonna der göttlichen Liebe und das Diözesankolleg „Redemptoris Mater“, wie auch die Pfarrer der Weihekandidaten. Aus dem Päpstlichen Priesterseminar kommen vier Diakone, darunter auch ein Argentinier. Zwei Diakone der „Söhne der Madonna der göttlichen Liebe“ stammen aus Indien. Die vier weiteren Diakone, unter ihnen auch ein Kroate, kommen aus dem Diözesankolleg „Redemptoris Mater“. Die meisten Diakone sind Italiener, der älteste ist 44, der jüngste 26 Jahre alt.

Die Predigt während der Messe der Priesterweihe hat Papst Franziskus auf der Grundlage der im „Pontificale Romanum“ für die Priesterweihe Vorgesehenen gehalten, ergänzt durch einige persönliche Zusätze.

Zunächst erinnerte er die anwesenden Eltern und Familienmitglieder an den Rang, in den die Neugeweihten mit der vollzogenen Weihe in der Kirche aufstiegen. Das ganze Volk Gottes sei zwar in das königliche Priestertum Christi miteinbezogen, aber Jesus selber habe einige seiner Apostel ausgewählt, um im Namen aller das priesterliche Amt zu leben. So wie er vom Vater gesandt worden sei, habe er die Apostel in die Welt hinausgesandt, damit er selber durch seine Nachfolger sein Amt als Lehrer, Priester und Hirte am Gottesvolk ausüben könne.

Nach reifen Überlegungen und Gebet träten die Kandidaten in den Priesterstand ein und würden am Aufbau des mystischen Leibes Christi mitwirken. In Christus als ewigem Hohepriester umgestaltet, sollten sie wahre Priester des Neuen Testamentes werden, dieser Titel eine sie mit ihren Bischöfen, und als Prediger, als Hirten des Gottesvolkes, vollzögen sie die Kulthandlungen besonders in der Feier des Messopfers.

Er sprach zu seinen „Brüdern und Söhnen“ davon, dass sie geweiht würden, um das heilige Amt der Lehre im Namen Christi auszuführen:

„Was nun euch betrifft, liebe Brüder und Söhne, die ihr in den Presbyterstand erhoben werdet, seid euch dessen bewusst, dass ihr in der Ausübung des Amtes der Heiligen Lehre an der Mission Christi, des einzigen Lehrmeisters, teilhaben werdet. Verkündet allen dieses Wort Gottes, das ihr selbst mit Freude erhalten habt. Erinnert euch an eure Mütter, eure Großmütter, eure Katecheten, die euch das Wort Gottes und dieses Geschenk des Glaubens übergeben haben.“

Der Papst legte den Weihekandidaten nahe, mit Freude das weiterzugeben, was sie empfangen hätten. Sie sollten die Worte des Herrn intensiv meditieren und lesen, um dann das zu glauben, was sie gelesen hätten, das zu lehren, was sie glaubten, und das zu praktizieren, was sie lehrten.

„Denkt auch daran, dass das Wort Gottes nicht euer Eigentum ist, sondern das Eigentum Gottes. Und die Kirche ist die Hüterin dieses Wortes Gottes“, mahnte der Papst.

Das priesterliche Leben solle ein „Wohlgeruch für die Gläubigen“ sein, damit sie nach ihrem Beispiel das Haus Gottes bauen, das die Kirchesei. Das priesterliches Amt bestehe darin, das heiligende Werk Christi weiterzuführen.

„Durch euren Dienst wird das geistliche Opfer der Gläubigen vervollkommnet, vereint mit dem Opfer Christi, das durch eure Hände auf unblutige Weise auf dem Altar dargebracht wird, und in der Feier der Sakramente.“

Die Neugeweihten sollten wirklich verstehen, was sie täten, und nachahmen, was sie zelebrierten, weil sie damit am Dienst des Todes und der Auferstehung des Herrn teilnähmen, so Franziskus.

Durch die Spendung der Sakramente wie der Taufe und des Bußsakraments würden sie neue Mitglieder des Gottesvolkes gewinnen und im Namen Christi und der Kirche Sünden vergeben.

„Und heute bitte ich euch im Namen Christi und der Kirche: Werdet nicht müde, barmherzig zu sein. Mit dem Heiligen Öl werdet ihr die Kranken und auch die Alten stärken: Habt keine Scheu, Zärtlichkeit gegenüber den Alten zu zeigen. Mit der Feier der heiligen Riten und indem ihr zu bestimmten Stunden des Tages euch im Gebet mit Lobpreis und Bitten zu Gott erhebt, werdet ihr zur Stimme Gottes und der gesamten Menschheit. In der Gewissheit, unter den Menschen auserwählt worden zu sein und zu ihrem Wohl auf die Belange Gottes zu achten, sollt ihr mit Frohsinn und ehrlicher Nächstenliebe das priesterliche Werk Christi weiterführen mit dem einzigen Ziel, Gott zu gefallen und nicht euch selbst. Seid Hirten, keine Funktionäre. Seid Vermittler, keine Mittelsmänner.‘“

Zum Schluss bat er die Weihekandidaten darum, die Gläubigen Gottes zu einer Familie zusammenzuführen, um sie durch Christus und im Heiligen Geist zu Gottvater zu leiten:

„Schließlich bemüht euch durch die Teilnahme an der Sendung Christi, des Hauptes und Hirten, in kindlicher Gemeinschaft mit eurem Bischof die Gläubigen in einer Familie zu vereinen, um sie zum Vater durch Christus im Heiligen Geist zu führen.“

Der Gute Hirte sei nicht gekommen, „um bedient zu werden, sondern um zu dienen und um zu retten, was verloren war“, schloss der Papst.