Papst in San Marino: Festliche Jubelstimmung

Hl. Messe im Stadion Serravalle mit fast 25.000 Marinesern

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Von Jan Bentz

SAN MARINO, 19. Juni 2011 (ZENIT.org). – Nur wenige der 32.000 Einwohner der ältesten Republik der Welt (seit 301 n. Chr.) waren beim 5. Besuch eines Papstes in der Geschichte ihres Landes zu Hause geblieben. Die überwältigende Mehrheit war am Vormittag des Dreifaltigkeitssonntags im Stadion Serravalle zusammengeströmt, um bei strahlendem Wetter mit ihrem hohen Gast Papst Benedikt XVI. die Hl. Messe zu feiern.

„Te lodiamo Trinita“ (Dich Dreifaltigkeit preisen wir), den italienischen Dreifaltigkeitshymnus nach der in Deutschland als Te Deum (Großer Gott, wir loben dich) bekannten Melodie, schmetterten Chor und Orchester mit Pauken und Trompeten zum Beginn der Zelebration.

„Viva il Papa, Benvenuto“ war auf den Fähnchen zu lesen, die tausendfach zum immer wieder aufbrausenden Jubel der versammelten Gläubigen geschwungen wurden. Weiß-gelb prägte auch das Farbbild der Menge, deren Sonnenhüte in den Vatikanfarben vor den Strahlen der Junisonne schützen sollten.

Nach einem Lautsprecherhinweis vor dem Beginn der Messfeier, auf Applaus zu verzichten, vollzog sich dann vor der großartigen Kulisse des Berges Monte Titano die Eucharistiefeier in gesammelter Atmosphäre.

Zur Begrüßung des Papstes beim Einzug der langen Prozession von Kardinälen, Bischöfen und Priestern in die mit den festlichen Farben weiß-gold schlicht, aber kostbar ausgeschmückte Altarinsel ertönte das traditionelle „Tu es Petrus“.

Mit Papst Benedikt konzelebrierten unter anderem Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone und der Bischof der Diözese San Marino-Montefeltro, Luigi Negri. Dieser versprach sich im Vorfeld des Besuchs (ZENIT berichtete) durch Papst Benedikt eine Stärkung im Glauben seiner Diözese.

Glanzvolle Musik wie das „Laudate Dominum“ zum Offertorium, und eine Orchestermesse von W. A. Mozart unterstrich den überaus festlichen Charakter dieses Dreifaltigkeitssonntags. Eine Schola Cantorum sang die gregorianischen Propriumsgesänge, beginnend mit dem Introitus „Benedicta sit sancta Trinitas“.

In seiner Predigt betonte der Papst, das Evangelium von heute spreche nicht über das Geheimnis der Dreifaltigkeit, sondern über deren Substanz, die Liebe. Nach dem ersten Bund mit seinem Volk habe dieses sich einen sichtbaren Gott schaffen wollen, ein Idol, das goldene Kalb. Gott habe aber Mose nicht sein Antlitz gezeigt, sondern er habe sein Wesen offenbart, das die barmherzige Liebe sei, Liebe, die die Sünde besiege.

„Wir haben einen Gott, der davon ablässt, die Sünder zu vernichten. In der Welt gibt es das Böse, Gott könnte kommen und es vernichten. Aber er schenkt seinen Sohn…Am Kreuz erreicht die barmherzige Liebe ihren Höhepunkt…Im Geheimnis des Kreuzes sind alle drei Personen der Dreifaltigkeit präsent“, so der Papst.

Dann ging er kurz auf die Geschichte des Landes ein und wies darauf hin, dass mit den Heiligen Marinus und Leo der christliche Glaube eine neue Kultur eingeführt habe. Der Mensch als Ebenbild Gottes sei in Ethik, Sozialgefüge, Politik und Kultur in den Mittelpunkt gestellt worden.

Der überlieferte Glaube sei der wahre Reichtum und damit auch der Reichtum dieses Landes, auf den die Einwohner mit Recht stolz und dankbar sein dürften. „Der Glaube hat eure Kultur geschaffen!“, so der Papst. Dieses Erbe müsse gewahrt und gepflegt werden. Eine heutige Gefahr sei der Hedonismus, der Mensch dürfe nicht in Versuchung fallen, seine Fähigkeiten, seinen Verstand sein Können in den Mittelpunkt zu stellen, sondern der Glaube sei als Ursache dieser Reichtümer zu hüten und zu bewahren.

Besondere Sorge müsse auch der Familie gelten, deren Krise von einer psychischen und geistigen Schwäche  der Menschen verschlimmert werde. Die Erzieher hätten die heute besonders schwierige Aufgabe, eine kontinuierliche Bildung der Heranwachsenden zu gewährleisten.

Der Papst rief die Priester dazu auf, ihren diözesanen Hirten, den Bischöfen, gehorsam zu sein. Die Ordensleute ermunterte er, ein gutes Beispiel des gottgeweihten Lebens zu geben und auf den Ruf des Herrn zu antworten. Die Laien sollten sich in Gesellschaft, Politik und Kultur für ihren Glauben einsetzen.

Alles Wirken müsse in absoluter Treue zum Bischof von Rom erfolgen.

Die ab dem „Sursum Corda“ vor der Präfation auf Lateinisch zelebrierte Eucharistiefeier führte die Gläubigen in eine tiefe Sammlung und Konzentration auf das Geschehen. Nach dem Empfang der hl. Kommunion flossen bei vielen Tränen der Ergriffenheit.

Unter den Klängen des Marienhymnus „O Sanctissima“ verließ der Papst, von den Gläubigen mit den bekannten Benedetto-Rufen umjubelt, im Papamobil das Stadion zur zweiten Station seines Besuchs, dem Mittagessen bei den Franziskanern in der „Casa San Giuseppe“.  

Danach wird er die Organisatoren des Besuches und die Mitglieder der internationalen Stiftung „Johannes Paul II.“ für die Soziallehre der Kirche begrüßen.

Um 16.00 Uhr wird er auf der „Piazza della Libertà“ mit offiziellen Vertretern der Regierung zusammentreffen.