Papst-Interview in italienischer Tageszeitung

Einheit der Christen hat Priorität

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 363 klicks

Gestern erschien in der Turiner Tageszeitung „La Stampa“ ein Interview mit Papst Franziskus, in dem er sagte, er sehe die Einheit der Christen als eine Priorität seines Amtes. Die „Ökumene des Blutes“, wie er sich ausdrückte, sei bei der Suche nach Einheit mehr zu berücksichtigen. In dem Interview sagte er: „In einigen Ländern bringt man Christen um, weil sie ein Kreuz tragen oder eine Bibel haben, und bevor siegebracht werden, wird nicht gefragt, ob sie anglikanisch, lutherisch, katholisch oder orthodox sind. Für die, die sie umbringen, sind wir Christen. Vereint im Blut, auch wenn wir unter uns nicht imstande sind, die nötigen Schritte zur Einheit zu setzen, und vielleicht auch die Zeit noch nicht reif ist.“ Um zu veranschaulichen, was er unter der „Ökumene des Blutes“ verstehe, erzählte er von einer Begebenheit von einem ihm bekannten Pfarrer in Hamburg, der die Seligsprechung eines katholischen Priesters und Märtyrers der Nazizeit vorangebracht habe. Unter den Hinzurichtenden habe auch ein protestantischer Pastor gestanden, der so wie der Priester von den Nazis exekutiert worden sei, weil er Religionsunterricht erteilt habe. Der Hamburger Pfarrer sei zu einem Bischof gegangen und habe zu diesem gesagt, er arbeite weiter an dem Verfahren, aber für beide, nicht nur für den katholischen Priester, dies sei die „Ökumene des Blutes“.

Besonders die Begegnungen mit verschiedenen orthodoxen Patriarchen habe ihn vieles gelehrt, so der Papst weiter: „Ich habe mich als ihr Bruder gefühlt. Sie stehen in apostolischer Nachfolge; ich habe sie als Brüder im Bischofsamt empfangen. Es ist schmerzvoll, nicht die Eucharistie miteinander feiern zu können, aber Freundschaft ist vorhanden.“ Die Freundschaft sei der Weg für eine gemeinsame Arbeit im Gebet für die Einheit.

Bezüglich der wiederverheirateten Geschiedenen sagte Papst Franziskus, ihr Ausschluss von der Kommunion dürfe nicht als Strafe wahrgenommen werden. Entsprechende Passagen seines Lehrschreibens „Evangelii gaudium“ seien in eine bestimmte Richtung interpretiert worden, jedoch habe er das Thema nicht explizit behandelt. Das Thema und die Sakramentenpastoral für wiederverheiratete Geschiedene werde im Februar im Rahmen der Versammlung der acht Kardinäle behandelt, ebenso werde man sich in den beiden kommenden Bischofssynoden 2014 und 2015 mit dem Thema auseinandersetzen.

Papst Franziskus nutzte das Interview, um sich ausdrücklich gegen Vorwürfe zu äußern, er vertrete in seiner Wirtschaftsethik „marxistische“ Theorien. Diesbezüglich sagte er: „Die marxistische Ideologie ist falsch. Aber in meinem Leben habe ich viele menschlich gute Marxisten getroffen, und deshalb fühle ich mich nicht angegriffen.“ Seine Äußerungen in „Evangelii gaudium“ würden alle mit der katholischen Soziallehre übereinstimmen. Er habe allein ein einziges Zitat benutzt, das besage, die kapitalistische Wirtschaftstheorie verspreche, die Armen würden davon profitieren, wenn ein Glas so voll sei, dass es überfließe. Hierzu sagte der Pontifex: „Doch wenn das Glas voll ist, dann vergrößert es sich jedes Mal auf wundersame Weise, und so kommt für die Armen nie etwas heraus.“

Bezüglich der oft auch an anderer Stelle formulierte Frage, ob es Frauen im Kardinalamt geben werde, sagte Papst Franziskus wiederholt, man müsse die Frauen in der Kirche wertschätzen, aber nicht „klerikalisieren“. Er sagte wörtlich: „Wer an Kardinälinnen denkt, leidet ein wenig an Klerikalismus.“

Zurückhaltend äußerte sich Papst Franziskus über die Zukunft des vatikanischen Geldinstituts IOR, das als päpstliche Güterverwaltung entstanden sei, um die Werke der Religionen, Missionen und der Kirche in armen Ländern zu helfen. Erst später sei es zu der Institution geworden, die es heute sei, die Bank des Vatikans.