Papst: Mauern, die den Wogen der Gott und menschenfeindlichen Ideologien eines Jahrtausends standgehalten haben

Grußworte zum 1000-jährigen Domjubiläum in Bamberg

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Von Jan Bentz

ROM, 7. Mai 2012 (ZENIT.org). - „Im hochragenden Bau des Bamberger Doms vereinigen sich Macht und Schönheit zu einem beeindruckenden Zeugnis jenes Glaubens, aus dessen Geist und Kraft dieses erhabene Gotteshaus einst erbaut wurde“, heißt es in einem Grußwort des Heiligen Vaters anlässlich des 1000-jährigen Jubiläums des Bamberger Doms. An dem Festgottesdienst am gestrigen Sonntag mit Erzbischof Ludwig Schick nahmen 20 katholische Bischöfe und Äbte aus neun Nationen teil.

„Es sind Mauern, die den Stürmen eines Jahrtausend standgehalten haben“, so der Papst weiter. „An ihnen haben sich auch die Wogen der Gott- und menschenfeindlichen Ideologien des vergangenen Jahrhunderts gebrochen. Das Haus, es war und bleibt aus Fels gebaut.“

Erzbischof Ludwig Schick ging in seiner Predigt auf das Thema „Kirche aus lebendigen Steinen“ ein. Diese Kirche aus lebendigen Steinen seien wir, wenn der Friede Christi uns verbinde, alle Gläubigen mit den Priestern, dem Bischof und dem Papst. Diesen Frieden solle die Kirche dann in die Gesellschaft bringen, damit Friede zwischen den Generationen, Einheimischen und Ausländern herrsche, so Schick.

Die vier Domtürme zeigten auf Gott, der den Menschen Gerechtigkeit und Frieden schenke. Der Dom solle Gläubige und Ungläubige, Christen und Nichtchristen, Pilger und Touristen auf Gott hinweisen und die Herzen der Menschen dem Himmel entgegen ziehen, um an einer Kultur der Liebe mit zubauen:„Wir wollen am Gemeinwohl mitwirken durch unsere Kindergärten, Schulen, Sozialstationen und Altenheime, durch unsere Pfarreien und Seelsorgestellen.“

Unter den Gästen war auch der bayerische Ministerpräsidenten Horst Seehofer. „Demut stellt sich automatisch ein, wenn man den Dom betritt“, erklärte er. Er habe ein sehr würdiges Pontifikalamt mitfeiern dürfen.

Das Domjubiläum steht unter dem Motto „Dem Himmel entgegen“. Am vergangenen Donnerstag hatte das Festwochenende zum 1000. Jahrestag der Domweihe mit der Eröffnung der Sonderausstellung „Dem Himmel entgegen“ begonnen. Auf rund 1000 Quadratmetern Ausstellungsflächen sind rund 200 Exponate zur Geschichte des Bamberger Doms zu betrachten.

Das ganze Wochenende über fanden zahlreiche spirituelle Angebote statt, so beispielsweise eine Jugendvesper oder eine Gebetsnacht. Gefeiert wurde auch mit mittelalterlicher Musik von Musikern aus Prag und Bamberg.

Der Beauftragte für das Domjubiläum, Domkapitular Norbert Jung, zeigte sich sehr zufrieden über die Teilnahme von Tausenden von Menschen, die während des Festwochenendes zum Dom hinaufgezogen waren; zum Beten, um an einer der vielen spirituellen Veranstaltungen teilzunehmen oder einfach nur, um die Kathedrale zu bestaunen.

Die Stifter des ersten Domes an dieser Stelle war das heilige Kaiserpaar Heinrich und Kunigunde, des einzigen heiliggesprochenen Kaiserpaares des Heiligen Römischen Reiches. Die Grundsteinlegung erfolgte im Jahr 1004 durch Kaiser Heinrich II. Der erste Dom Heinrichs war eine dreischiffige Säulenbasilika mit Querhaus und Hauptchor. An der Ostseite flankierten ihn zwei niedrige Türme. Den Abschluss bildete eine halbkreisförmige Apsis. Von diesem Dom ist nur noch die unterirdische Grablege der Bischöfe erhalten.

Im Jahr 1081 wütete in dem Gebäude ein Großfeuer, dem ein provisorischer Wiederaufbau im Jahr 1087 folgte. Nach einem weiteren Feuer einhundert Jahre später wurde das Bauwerk abgerissen, die Neuerrichtung wurde im Jahr 1237 vollendet. Auf dieser Grundlage fand 1989 die 750-Jahr-Feier des heutigen Doms statt. Im Jahr 1611 begann man mit einer barockisierenden Umgestaltung, die nach dem Dreißigjährigen Krieg fortgeführt wurde. Im Jahr 1678 waren alle 30 Altäre barockisiert. Unter Ludwig I. begann 1829 eine umfassende Purifizierung (Stilbereinigung), man wollte das Gebäude nach dem Wunsch des Königs wieder in einen ursprünglichen romanischen Stil zurückversetzen lassen, wobei die historisch gewachsenen Veränderungen der nachfolgenden Stilepochen unberücksichtigt bleiben sollten. Wände, Gewölbe, Kapitelle, Skulpturen wurden abgewaschen und schadhafte Stellen ausgebessert. Die Arbeiten endeten am 25. August 1837, dem Geburtstag König Ludwigs I., mit einer feierlichen Einweihung und stießen auf gemischte Reaktionen bis hin zur Ablehnung.

Im Jahr 1803 fiel der Dom der Auflösung des Kirchenbesitzes, der Säkularisierung, zum Opfer.

In seinem Inneren befindet sich der Bamberger Reiter sowie das einzige Papstgrab in Deutschland, des zweiten Bamberger Bischofs „Suidger“, des späteren Papstes Clemens II. An der so genannten Adamspforte finden sich die Standbilder von Kunigunde und Heinrich II. Im Jahr 1146 wurde dieser für die Christianisierung der Westslawen und für die Gründung des Bistums Bamberg von Papst Eugen III. heiliggesprochen. In der Heiligsprechungsbulle des Papstes heißt es: „Jetzt aber haben wir vieles […] erfahren über seine Keuschheit, über die Gründung der Bamberger Kirche und vieler anderer, auch über die Wiederherstellung bischöflicher Sitze und die vielfältige Freigebigkeit seiner Spenden, über die Bekehrung König Stephans und ganz Ungarns, von ihm herbeigeführt durch Gottes Hilfe, über seinen glorreichen Tod und über mehrere Wunder nach seinem Tod, geschehen in Gegenwart seines Leibes. Darunter halten wir besonders bemerkenswert, dass er nach Empfang von Krone und Zepter des Reiches nicht kaiserlich, sondern geistlich lebte..“

Kaiserin Kunigunde wurde im Jahr 1200 kanonisiert. Sie war nach dem Tod ihres Gatten sechs Wochen lang alleinige Regentin des Heiligen Römischen Reiches. Anschließend zog sie sich in das Benediktinerinnenkloster Kaufungen zurück, wo sie sich der Krankenpflege widmete.

Der hl. Georg, neben dem hl. Petrus Patron des Doms, war ein Märtyrer, der der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian zum Opfer fiel. Er gehört vor allem in den Ostkirchen mit zu den beliebtesten Heiligen des Christentums. Besonders verbreitet ist die Darstellung als Drachentöter.

Die beiden östlichen Türme beherbergen insgesamt zehn Glocken, wobei sich die beiden Kaiserglocken im Nordostturm, dem Heinrichsturm, befinden. Die Kunigundenglocke stammt ungefähr aus dem Jahr 1185 und ist die größte noch existierende „Bienenkorbglocke“.

Im Jahr 1993 wurde die Kathedrale zusammen mit der Altstadt von Bamberg zum Weltkulturerbe erklärt.