Papst: Nein zum Ungehorsam gegenüber Rom

Deutliche Absage an ein falsches Verständnis von Reform

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Von Jan Bentz

VATIKANSTADT, 5. April 2012 (ZENIT.org). – Mit deutlichen Worten hat Papst Benedikt XVI. in seiner Predigt bei der Chrisam-Messe in Rom allen Aufrufen zum Ungehorsam gegenüber der Lehre der Kirche und damit gegenüber dem Nachfolger Petri in Rom eine Absage erteilt. Ungehorsam könne niemals Probleme lösen, und seien sie noch so dringlich. Ganz offensichtlich auch auf die „österreichische Pfarrerinitiative“ gemünzt, bekräftigte der Papst nochmals, dass bereits sein Vorgänger als Beispiel unwiderruflich die Frauenordination ausgeschlossen habe, da die Kirche dazu keine Vollmacht besitze. Christus selber habe den unbedingten Gehorsam vorgelebt: „Nicht mein, sondern dein Wille“. Dies sei das Wort, das den Sohn, seine Demut und seine Göttlichkeit zugleich zeige und uns den Weg weise.

Erneuerung durch Ungehorsam erreichen zu wollen, entspringe dies nicht „eher nur dem verzweifelten Drang, etwas zu machen, die Kirche nach unseren Wünschen und Vorstellungen umzuwandeln?“, fragte er. Christus habe menschliche Traditionen, die das Wort und den Willen Gottes zu überwuchern drohten, korrigiert, um den „Gehorsam zum wirklichen Willen Gottes, zu seinem immer gültigen Wort neu zu wecken… Es ging ihm gerade um den wahren Gehorsam, gegen die Eigenwilligkeit des Menschen“. Er habe seinen Auftrag mit seinem eigenen Gehorsam und seiner Demut bis ans Kreuz hin konkretisiert und so seine Sendung beglaubigt.

Auf die Frage: „ Wird mit solchen Erwägungen nicht doch die Unbeweglichkeit, die Erstarrung der Traditionen verteidigt?“ sei mit einem klaren Nein zu antworten. In der nachkonziliaren Entwicklung lasse sich die Dynamik der wahren Erneuerung erkennen, „die in lebendigen Bewegungen oft unerwartete Gestalten angenommen hat und die unerschöpfliche Lebendigkeit der heiligen Kirche, die Anwesenheit und die Wirksamkeit des Heiligen Geistes geradezu greifbar werden lässt.“

Nur die immer weiter fortschreitende Gleichgestaltung des Priesters mit Christus sei der Weg einer wahren Reform. Es gehe dabei um Verzicht auf das bloß Eigene, „auf die viel beschworene Selbstverwirklichung.“ Es gehe eben gerade darum, sein Leben nicht für sich selbst zu beanspruchen, „sondern es einem anderen – Christus – zur Verfügung zu stellen.“

„Dass ich nicht frage: Was habe ich davon, sondern frage: Was kann ich für ihn und so für die anderen geben? Oder noch konkreter: Wie muss diese Gleichgestaltung mit Christus aussehen, der nicht herrscht, sondern dient, der nicht nimmt, sondern gibt?“, so der Papst.

Als Vorbild und Wegweiser nannte der Heilige Vater einmal mehr den hl. Pfarrer von Ars, aber auch Polykarp von Smyrna und Ignatius von Antiochien, „die großen Seelsorger Ambrosius, Augustinus und Gregor dem Großen bis hin zu Ignatius von Loyola, Karl Borromäus ..und die Priestermärtyrer des 20. Jahrhunderts und schließlich Papst Johannes Paul II., der im Tun und Leiden die Gleichgestaltung mit Christus uns als ‚Gabe und Geheimnis‘ vorgelebt hat.“

„Liebe Freunde, es bleibt dabei: Die Gleichgestaltung mit Christus ist Voraussetzung und Grund aller Erneuerung“, bekräftigte Benedikt XVI.

Zwei Aspekte seien in diesem Zusammenhang als Aufgabe der Seelsorger besonders wichtig: die Beseitigung des religiösen Analphabetismus und der Seeleneifer. Der verbreiteten Unwissenheit über Glaubensinhalte, die „früher jedes Kind wusste“, sei durch Kenntnis der Heiligen Schrift, aber besonders auch ihrer Auslegung durch das kirchliche Lehramt und den Katechismus entgegenzuwirken: „Die Texte des II. Vaticanums und der Katechismus der Katholischen Kirche sind die wesentlichen Instrumente, die uns unverfälscht zeigen, was die Kirche vom Wort Gottes her glaubt. Und natürlich gehört der ganze, noch längst nicht ausgeschöpfte Schatz der Dokumente dazu, die uns Papst Johannes Paul II. geschenkt hat.“

Deswegen habe er das „Jahr des Glaubens“ ausgerufen, das „ein Anlass sein soll, mit neuem Eifer und neuer Freude die Botschaft des Glaubens zu verkündigen.“

Aber alle Verkündigung müsse Maß nehmen an dem Wort Jesu Christi: „Meine Lehre ist nicht meine Lehre“ (Joh 7, 16). „Wir verkündigen nicht private Theorien und Meinungen, sondern den Glauben der Kirche, deren Diener wir sind.. Ich werbe nicht für mich selbst, sondern ich gebe mich selbst.“ Wer inwendig eins geworden sei mit Christus, dessen Verkündigung und Predigt werde glaubhaft, wie es der hl. Johannes Vianney gezeigt habe, der die Gläubigen ins „Herz getroffen hat, weil er selbst ins Herz getroffen war.“

Der zweite Aspekt sei der Seeleneifer, ein altmodisches Wort, das in manchen Kreisen sogar ein fast verbotenes Wort sei, da es angeblich einen falschen Dualismus zwischen Leib und Seele hervorbringe. „Aber“, so der Papst, „das kann doch nicht bedeuten, dass wir nun keine Seele mehr hätten, kein konstitutives Prinzip, das die Einheit des Menschen in seinem Leben und über seinen irdischen Tod hinaus gewährleistet.. Und natürlich sorgen wir uns als Priester um den ganzen Menschen, gerade auch um dessen leibliche Nöte – um die Hungernden, um die Kranken, um die Obdachlosen. Aber wir sorgen uns nicht nur um den Leib, sondern gerade auch um die seelischen Nöte des Menschen.“

Die seelischen Nöte des Menschen seien Leiden wegen der Zerstörung des Rechts oder der Liebe, das Wahrheitsdunkel und die Abwesenheit von Wahrheit und Liebe.

Als Priester Christi sorge man sich um das Heil der Menschen an Leib und Seele. Der Papst rief dazu auf, dies mit wahrem Eifer zu tun. Die Menschen dürften nie das Gefühl haben, dass man seine Pflichtstunden gewissenhaft ableiste, aber zuvor und danach nur sich selbst gehöre.

„Ein Priester gehört nie sich selbst“, schloss der Papst seine Predigt.

Die Chrisam-Messe, die der Papst mit den Kardinälen, Bischöfen und ungefähr 1.600 Diözesan-und Ordenspriestern feierte, bringt besonders die Verbundenheit mit dem Stuhl Petri zum Ausdruck. Während der Eucharistiefeier erneuern die Anwesenden einschließlich des Papstes auf die Frage:„Wollt ihr dem Herrn Jesus Christus enger verbunden und gleichgestaltet werden, auf euch selbst verzichten und die Versprechen erneuern, eure heiligen Pflichten, die ihr am Weihetag mit Freude übernommen habt?" ihre Weiheversprechen. Anschließend werden die heiligen Öle geweiht.