Papst: Ökumenische Bewegung ist ein wichtiges Element im Leben der Kirche

„Nur Gott kann der Kirche die Einheit schenken“

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ROM, 20. Januar 2010 (ZENIT.org).- „Nur Gott kann der Kirche die Einheit schenken“. Mit diesen Worten beschloss Papst Benedikt XVI. seine Katechese der heutigen Generalaudienz, die ganz der diesjährigen Gebetswoche für die Einheit der Christen (17. bis 25. Januar 2010) gewidmet war. Die Gebetsoktav wird jährlich vom Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen und der ÖRK-Kommission für Glauben und Kirchenverfassung gemeinsam vorbereitet (ZENIT berichtete).

Der Einsatz für die Ökumene, so der Papst, umfasse die „Dimension unserer Verantwortung“. Daraus ergibt sich für den Bischof von Rom die Notwendigkeit, alles Mögliche zu tun, um wirklich zur Einheit zu gelangen. Neben der Verantwortung des Menschen jedoch gebe es jedoch auch das Wirken Gottes, das allein der Kirche die Einheit geben könne. „Wir sehnen uns nach einer Kirche Gottes, die von Gott gemacht ist“, so der Papst in freier Rede. „Gott wird die Einheit schaffen, wenn wir vorbereitet sein werden“.

Der Papst erinnerte des weiteren an die vielen wirklichen Fortschritte, die die Zusammenarbeit und Brüderlichkeit unter allen Christen in den letzten 50 Jahren erreicht habe. „Wir müssen jedoch wissen, dass die Arbeit für die Ökumene kein linearer Prozess ist“, so Benedikt XVI. weiter, dass die alten Probleme ihr Gewicht verlören und neue entstünden.

Die Christen müssten für einen „Prozess der Reinigung“ bereit sein, innerhalb dessen Gott sie zur Demut fähig mache. Der Papst lud die Gläubigen dazu ein, für ein neues gemeinsames Zeugnis der Treue zu Christus vor dieser Welt zu beten.

Die ökumenische Bewegung ist für Benedikt XVI. ein wichtiges Element im Leben der Kirche. Sie habe das Problem der Einheit der Christen in Erinnerung gerufen und auch das Wachstum der Gemeinschaft gestützt. Die ökumenische Bewegung begünstige nicht nur die brüderlichen Beziehungen, sondern stimuliere auch die theologische Forschung und betreffe das konkrete Leben der Kirchen mit Thematiken, die sich mit der Pastoral und dem sakramentalen Leben befassen.

In der Furche eines derartigen ökumenischen Geistes hätten sich die Kontakte auch auf die Pfingstbewegungen, die evangelikalen und charismatischen Gruppen erweitert, um zu einem gemeinsamen Zeugnis in einer Zeit der Säkularisierung zu gelangen.

Seit dem II. Vatikanischen Konzil habe die katholische Kirche brüderliche Beziehungen mit den Ostkirchen und den kirchlichen Gemeinschaften des Westens aufgenommen und bilaterale theologische Dialoge aufgenommen, die zu einer Konvergenz oder Übereinstimmung in verschiedenen Punkten geführt hätten.

Die Spaltung unter den Christen widerspreche nicht nur dem Willen Jesu, sondern stelle auch „einen Skandal in der Welt“ dar und schade der Verkündigung des Evangeliums. Benedikt XVI. ermahnte so die Christen, bestehende Divergenzen zu überwinden und auf dem Weg zur vollen Einheit voranzugehen. Es bedürfe hierzu des einmütigen und vertrauensvollen Gebets zum Herrn.

Die Konferenz von Edimburgh (1910) zur Einführung der Gebetswoche bleibt für den Papst „ein Fixpunkt des modernen Ökumenismus“ und der Glaubwürdigkeit der Christen. „Wenn sich die Christen vor einer Welt, die den Herrn nicht kennt, die sich von ihm entfernt hat oder sich dem Evangelium gegenüber gleichgültig zeigt, nicht vereint oder sogar im Gegensatz zueinander präsentieren, könne die Verkündigung nicht glaubwürdig sein.

Die Beziehung zwischen Einheit und Mission habe seit jener Konferenz eine wesentliche Dimension des gesamten ökumenischen Handelns dargestellt, was dann das II. Vatikanische Konzil kraftvoll neu betont habe.

Benedikt XVI. betonte, dass die Kenntnis Christi ein eine intellektuelle Dimension einschließe, jedoch einen existentiellen Prozess darstelle, der Zeugnis werde. In Christus werde der ferne Gott zu einem nahen Gott, der die Menschheit eint und deren Zukunft, das ewige Leben, offenbart.

Die personale Begegnung mit Christus ermögliche die Begegnung mit dem wahren Leben. „Der Glaube wird Zeugnis, und wir können so einen Beitrag zur Neuheit der Welt, zum ewigen Leben leisten.“