Papst Paul VI. half mit: Franco Zeffirelli über seinen Film „Jesus von Nazareth“

Vorlesung an der Päpstlichen Lateranuniversität in Rom

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ROM, 9. November 2007 (ZENIT.org).- Als die TV-Miniserie „Jesus von Nazareth“ vor 30 Jahren das erste Mal ausgestrahlt wurde, habe Papst Paul VI. dem Filmregisseur persönlich für dieses Werk gedankt. Das offenbarte Franco Zeffirelli vor zwei Wochen zum Auftakt des neuen akademischen Jahres an der Päpstlichen Lateranuniversität. Im Rahmen einer Vorlesung gewährte der große Regisseur Einblick hinter die Kulissen des bekannten, über sechs Stunden langen Jesusfilms. Außerdem bekräftigte er, dass der Erfolg dieser Serie allein der Hilfe des damaligen Papstes zu verdanken sei.



In seiner Jugend studierte Zeffirelli am Dominikanerkloster des heiligen Markus in Florenz, wo er Papst Paul VI., damals Kardinal Giovanni Montini, persönlich kennen lernte: Der Kardinal war damals Erzbischof von Mailand und besuchte immer wieder eine Gruppe von christlichen Jugendlichen, die in der Katholischen Aktion aktiv waren. Kardinal Montini verbrachte in der Gesellschaft dieser jungen Menschen, wie er selbst gesagt haben soll, „die glücklichsten Stunden seines Tages“.

Der 84 Jahre alte Zeffirelli erzählte davon, dass der Kardinal mit ihm gescherzt habe, als er von seinem Wunsch, ans Theater zu gehen, hörte: „Zu einer anderen Zeit wärst du nicht in geweihtem Boden begraben worden, aber jetzt hat sich die Kirche so sehr verändert, dass wir dich als Werkzeug zur Verbreitung guter Ideen und guter Hoffnungen herzlich willkommen heißen.“

In diesem Zusammenhang hob der Regisseur hervor, dass es der damalige Heilige Vater gewesen sei, der diskret seinen Einfluss gelten gemacht und so geholfen habe, einige Hindernisse für den Film „Jesus von Nazareth“ aus dem Weg zu räumen. Letzten Endes habe es dann geheißen: „Zeffirelli oder keiner“.

Schon zu Beginn seiner Karriere sei dem italienischen Regisseur die Macht der Medien bewusst gewesen. Ich erkannte – so berichtete er –, was für eine mächtige „Waffe ich in meinen Händen hielt, und dass sie für das Leben von Tausenden von Menschen entscheidend sein könnte – zum Guten wie zum Bösen. Wenn man die Möglichkeit hat, Menschen, die leiden, zu ermutigen und ihre Horizonte der Hoffnung zu erweitern, dann wird man sich einer Verantwortung bewusst, die den armen Menschen, der man selbst ist, bei weitem übersteigt“.

„Jesus von Nazareth“ ist eine von 22 Filmproduktionen, bei denen Zeffirelli Regie geführt hat. Seit der Uraufführung dieses Films mit Starbesetzung (unter anderem Anne Bancroft, Claudia Cardinale, Laurence Olivier, Anthony Quinn, Rod Steiger, Peter Ustinov, Ian Holm usw.) habe er ununterbrochen Briefe voller Warmherzigkeit und Dankbarkeit erhalten. Es habe darunter auch persönliche Zeugnisse gegeben, Berichte von Personen, die sich aufgrund des Films dazu ermutigt gefühlt hätten, zur Berufung zum Gott geweihten Leben tatsächlich Ja zu sagen. „Ich habe lediglich getan, was ich als der Christ, der ich in der Tiefe meines Geistes bin, vermochte“, erklärte Zeffirelli zu diesen Briefen.

Die Dreharbeiten zu „Jesus von Nazareth“ seien so schnell vorangeschritten, als hätten sie „Wind in den Segeln“ gehabt, fuhr der Altmeister fort.

Ursprünglich habe Elizabeth Taylor die Rolle der Maria Magdalena übernehmen sollen. Als sie aber erkrankte, sei Anne Bancroft eingesprungen. Sie habe sich mit einer geringeren Bezahlung einverstanden erklärt, als sie es gewöhnt gewesen sei, was der Produktion erhebliche Ersparnisse eingebracht habe.

Der Regisseur gedachte in seinem Vortrag auch des Bischofs Pietro Rossano, dem ehemaligen Rektor der Päpstlichen Lateranuniversität, der bei der Vorbereitung und den Dreharbeiten in Marokko als Berater zur Seite gestanden war.

Zeffirellis eigener Glaube sei durch den Film gestärkt worden. Er stellte dabei besonders einen Moment heraus: „Während der Szene des Letzten Abendmahls verbreitete sich eine Stimmung der vollkommenen Stille und tiefen Geistlichkeit im Raum, während draußen ein Sandsturm tobte. Diese Atmosphäre wurde durch das Weinen meiner Mitarbeiter unterbrochen. Ich denke, dass es da eine Energie außerhalb von uns gab, die angerufen wurde, um diesen erhabenen Moment zu schaffen. Und tatsächlich handelt es sich um einen der schönsten und ergreifendsten Augenblicke des Films.“

Das gesamte Team habe bei den Dreharbeitern das Gefühl gehabt, von einer „höheren Macht“ geleitet zu werden. Deshalb habe jeder gewusst, dass das, was man tue, etwas sehr Bedeutendes sei.

Papst Paul VI. habe Zeffirelli für den Jesus-Film seinen Dank ausgesprochen: „Als Papst Paul VI. mich zu einer Privataudienz empfing, nachdem er den Film 1977 gesehen hatte, danke er mir und fragte mich, was die Kirche für mich tun könne. Ich antwortete: ‚Ich würde dieses Werk gern auch nach Russland bringen.‘ Er schaute mich an und entgegnete mir prophetisch: ‚Hab Vertrauen. Bald wird anstelle der roten Flagge die Flagge Unserer Lieben Frau über dem Kreml wehen.“

Zeffirelli: „Am 8. Dezember 1991, dem Fest der Unbefleckten Empfängnis, wurde die rote Flagge mit dem Hammer und der Sichel, die jahrzehntelang über dem Kreml geweht hatte, durch die Flagge der Russischen Föderation ersetzt.“