Papst Pius X. und die Olympischen Spiele

Neues Buch über Pius X. und Sport als Werkzeug der Evangelisierung

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VATIKANSTADT, 30. Juli 2012 (ZENIT.org).- Man schrieb das Jahr 1908. Vor dem Hintergrund einer ernsthaften Wirtschaftskrise verzichtete Rom darauf, die Gastgeberstadt der Olympischen Spiele zu werden, die deshalb in London ausgetragen wurden. Im selben Jahr wandte sich Pierre de Coubertin, Gründer der Olympischen Spiele der Neuzeit, auf der Such nach Unterstützung für die Spiele an den Vatikan. Papst Pius X. persönlich bot ihm Hilfe an.

Mehr als 100 Jahre später finden die Olympischen Spiele nun zum dritten Mal in der britischen Hauptstadt statt. Die Eröffnungsfeier war am vergangenen Freitag.

Jene Episode vom Anfang des 20. Jahrhunderts wird nun in einem Buch mit dem Titel „Pio X: Le Olimpiadi e lo Sport“ (Pius X.: Olympische Spiele und Sport), von Antonella Stelitano, beschrieben. Damals praktizierte nur etwa ein Prozent der Bevölkerung irgendeine Sportart. „Sport war entweder eine Art militärisches Training oder ein Zeitvertreib für die oberen Gesellschaftsklassen“, erklärte die Autorin in einem Interview für Radio Vatikan.

Aber „Pius X. war sich des erzieherischen Potentials von Sport bewusst“. Er sah im Sport einen Weg, um „junge Menschen zusammenzuführen und ihnen beizubringen, sich an Regeln zu halten und ihre Gegner zu achten.“

Ein Beispiel dafür findet sich in einer Ansprache von Pius X. an die Jugend (8. Oktober 1905): „Ich bewundere und segne von ganzem Herzen alle Spiele und Freizeittätigkeiten, Gymnastik, Radfahren, Bergsteigen, Rudern […] und alle Wettspiele, denen ihr euch widmet. Die Bewegung des Körpers beeinflusst aufs Beste die Beweglichkeit des Geistes. Da diese Tätigkeiten Mühe kosten, besiegt ihr durch sie die Trägheit, welche die Mutter aller Laster ist. Diese freundschaftlichen Wettstreite werden für euch ein Vorbild zur Ausübung der Tugenden sein“, sagte der Papst damals.

„Ich glaube“, so die Autorin des Buches, „er wusste, dass es möglich war, die Menschen auf einfache Weise zusammenzuführen, ohne Probleme mit Rassen- und Religionsangehörigkeit oder unterschiedlichen politischen Vorstellungen.“

Zu diesem geschichtlichen Zeitpunkt hätten viele Menschen die Bedeutung körperlichen Trainings nicht eingesehen, erklärte Stelitano. Die Autorin beendete ihr Interview mit einer Anekdote: Pius X. soll einst zu einem seiner Kardinäle gesagt haben: „Also gut, wenn die Menschen nicht verstehen, dass man es tun kann, dann werde ich eben in aller Öffentlichkeit Turnübungen ausführen, damit sie sehen: Wenn der Papst es kann, kann es jeder.“

[Übersetzung des englischen Originals von Alexander Wagensommer]