Papst Pius XII. in Berlin: Ausstellung im Schloss Charlottenburg

„OPUS JUSTITIAE PAX – Das Werk der Gerechtigkeit ist der Frieden"

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Von Armin Schwibach

ROM, 20. Januar 2009 (ZENIT.org).- Vom 23. Januar bis 7. März 2009 wird im Berliner Schloss Charlottenburg eine Ausstellung über Papst Pius XII. (2. März 1876 - 9. Oktober 1958) zu sehen sein. Es handelt sich dabei um die Ausstellung, die in den vergangenen Monaten im „Braccio di Carlomagno" auf dem Petersplatz zu besichtigen war und vom Päpstlichen Komitee für Geschichtswissenschaften unter ausdrücklicher Befürwortung Papst Benedikts XVI. organisiert worden ist. In Rom stand die Schau unter dem Titel „Pius XII. - der Mensch und der Pontifikat (1876-1958)". Sie informiert über einzigartige und teilweise noch nicht der Öffentlichkeit zugänglich gemachte Exponate hinweg auch über die frühen Lebensstationen des Pacelli-Papstes und will dem Besucher die Möglichkeit geben, über die gesamte Zeit des Lebens und Wirkens Eugenio Pacellis die historische Dimension seiner Persönlichkeit und seines Amtes zu erfassen.

OPUS JUSTITIAE PAX, der Titel der für Deutschland neu organisierten Ausstellung, die nach Berlin auch in München zu besichtigen sein wird (17. März bis 3. Mai 2009) und anschließen in die Vereinigten Staaten wandert, war der Wahlspruch Eugenio Pacellis, den er bei seiner Bischofsweihe am 13. Mai 1917 gewählt und als Papst beibehalten hatte.

Der 50. Todestag Pius' XII. bot dem Päpstlichen Komitee für Geschichtswissenschaften die Gelegenheit, die Gestalt eines großen Mannes und eines großen Papste zu würdigen. Die Absicht der Ausstellung ist es, dem Besucher neben den bekannteren Aspekten der Persönlichkeit Pius' XII. auch die weniger bekannten zu bieten; aus diesem Grund wurden verschiedene Institutionen und Personen einbezogen, die zur Verwirklichung der Initiative ihren wertvollen Beitrag geleistet haben.

Der zur Ausstellung besorgte Katalog erklärt im Vorwort des wissenschaftlichen Koordinierungskomitees die Ausstellungskriterien: „Trotz dieser Entscheidung und insofern dem Publikum nur ein kleiner Teil der beachtlichen Menge von Zeugnissen zum Leben Eugenio Pacellis angeboten werden konnte, kam es zur Anwendung verschiedener Auswahlkriterien. Was die Bilder betrifft, wurde versucht, die bekannteren mit den unveröffentlichten zu verbinden, in deren Mittelpunkt hauptsächlich Pacelli steht. Denn bekannt ist das Hieratische seiner offiziellen Posen und Haltungen, die dessen tiefes Bewusstsein für die Pflicht und die Höhe seiner Sendung offenbaren. Neben diesen jedoch stehen jene, in denen er im Kontakt mit dem Nächsten abgebildet wird und die sein herzliches und zuneigungsvolles Gemüt zeigen, das den geistlichen und materiellen Bedürfnissen aller gegenüber aufgeschlossen war."

„Für die Dokumentation wurden die Schriften gewählt, die für einen gewissen Aspekt, nämlich dafür, dass er sich immer persönlich um die ihn anvertrauten Angelegenheiten kümmerte, am bedeutsamsten erschienen. Dem schließen sich die persönlich verfassten Ansprachen an, die er auf Latein und Italienisch, aber auch Englisch, Französisch und Deutsch schrieb. Dazu kommen die Maschinenabschriften mit seinen Korrekturen und Anmerkungen; die Blätter der Audienzen, die Briefumschläge oder das Schreibpapier für Notizen, auf dem Pacelli zusammenfassende Aufzeichnungen über die Abwicklung der amtlichen Angelegenheiten festhielt."

„Es wurden auch Dokumente aus der Zeit ausgewählt, die der Periode des Pontifikats vorausging, aus denen der Stil der päpstlichen Kurie hervorgeht, wo es aber nicht an Anmerkungen, Überlegungen, Stellungnahmen und Ratschlägen für die Lösung delikater Fragestellungen mangelt, die den Oberen zur Verfügung gestellt worden sind. Gleiches gilt für die Korrespondenz mit den Familienangehörigen, aus der sich noch mehr die Gefühle Eugenio Pacellis und das Staunen über die normalen und übernatürlichen Dinge herauslesen lässt. Den Abschluss bilden die persönlichen Alltagsgegenstände, die diesen Beitrag an Bildern und Dokumenten umrahmen und ebenso für das Verständnis seines Charakters und der großen Mannigfaltigkeit seiner Interessen nützlich sind."

Jenseits aller historisch oder pseudohistorisch geführten Polemik möchte die Ausstellung auf der Grundlage von Dokumenten einen wichtigen Beitrag zur sachlichen Aufklärung über eine Person beitragen, die aufgrund der dramatischen Umstände der Zeit ihres diplomatischen Wirkens (zwischen den zwei Weltkriegen als hoher diplomatischer Repräsentant und während des II. Weltkrieges und der Zeit der perversen Ausformung der Judenverfolgung in Europa als Papst) von den Medien gern plakativ als „umstritten" bezeichnet wird. Gleichzeitig soll ein Bild vermittelt werden, das die Menschlichkeit des Papstes in ihrem eigenen Wesen hervortreten lässt.

Als Pius XII. am 9. Oktober 1958 starb, hat die freie Welt ihn als großen Papst gewürdigt. Auch die damalige jüdische Welt erkannte sein segensreiches Wirken vorbehaltlos an. Die damalige Außenministerin Israels, Golda Meir, würdigte ihn als wichtigen Freund des jüdischen Volkes. Denn Pius XII. hat zum Holocaust nicht geschwiegen. Er hat auf vielfältige Weise gesprochen. In der Berliner Ausstellung wird dieses Sprechen des Papstes erstmals seit über sechs Jahrzehnten wieder in einem eigenen Raum unter dem Titel „Hier hören Sie das Schweigen des Papstes" zu vernehmen sein.

„Pius XII. war ein mutiger Papst, der viele Juden rettete." Mit diesem Satz fasste Garry L. Krupp, der Präsident der jüdischen Stiftung „Pave the Way", im September 2008 das Ergebnis langjähriger historischer Forschungen seiner Stiftung zusammen. Krupp erklärte, dass er in der Meinung aufgewachsen sei, Pius XII. sei ein Kollaborateur der Nationalsozialisten und Antisemit gewesen. Es sei für ihn ein Schock gewesen, als er durch Dokumentationen und aus dem Mund von Überlebenden erfuhr, dass die Wirklichkeit eine völlig andere war.

Die Berliner Schau will Eugenio Pacellis gesamte Lebenszeit vorstellen. Es geht somit um einen Mann, er am 2. März 1876 in Rom geboren und 1899 zum Priester geweiht wurde - der Doktor der Theologie und Jurisprudenz und Professor für Kanonisches Recht und kirchliche Diplomatie war, der im Juni 1917 als Friedensbotschafter Papst Benedikts XV. im Großen Hauptquartier des deutschen Kaisers Wilhelm II. vergeblich für das sofortige Ende des Ersten Weltkrieg eintrat, als Apostolischer Nuntius in München und Berlin Kaisersturz, Räteterror und Weimarer Republik aus nächster Nähe erlebte - der 1929 zum Kardinal ernannt, bald darauf im Vatikan das Amt des Kardinalstaatssekretärs übernahm - der als das Oberhaupt der päpstlichen Diplomatie und Regierung nach Jahren des Ringens mit Faschismus, Kommunismus und Nationalsozialismus schließlich 1939 zum Papst gewählt wurde und das Petrusamt so ausübte, dass ihn Millionen Gläubige und große Teile der nichtchristlichen Welt bis zu seinem Tod am 9. Oktober 1958 für die ideale Verkörperung eines Papstes hielten.

Die Ausstellung im Neuen Flügel vom Schloss Charlottenburg zeigt das unverzerrte Bild Eugenio Pacellis, der eng mit Berlin verbunden war. Einen besonderen Höhepunkt der Schau bildet neben wertvollen Pontifikalgewändern die Tiara, die dreifache päpstliche Krone, die zum ersten Mal nördlich der Alpen zu sehen ist.

Im Rahmen der Ausstellung werden zwei von der katholischen Zeitung Die Tagespost organisierte Matineen angeboten (01. und 08. Februar 2009, jeweils 11.30 Uhr). Der Eintritt zu beiden Matineen ist frei.

Der 1. Februar steht unter dem Thema: „Verfälschte Geschichte. Pius XII und Rolf Hochhuth. Ein Rückblick". Die Inhalte der Matinee sind vom Berliner Filmemacher, Publizisten und Journalisten Ingo Langner zusammengestellt. Den Gegenstand der Matinee hat Langner in einem Zitat Walter Adolphs zusammengefasst (1963): „In der öffentlichen Diskussion, die seit dem Erscheinen von Hochhuths „Stellvertreter" entbrannt ist, entzünden sich die Gegensätze der Auffassungen nicht primär an der Frage der historischen Wahrheit, sondern an der Frage nach dem moralischen Versagen und der moralischen Schuld. Die Kraft des Geschichtlichen wird dabei entleert und Geschichte als reiner Fall der Moralkasuistik angesehen, wobei nur geprüft wird, ob das Verhalten eines Menschen bestehen oder nicht bestehen kann, ohne dass dieser Mensch aus seiner ganzen geschichtsgebundenen Situation heraus gerecht gewürdigt wird. Zu welchen Fehlurteilen ein solches Richten führen muss, das bei der sittlichen Wertung des Verhaltens eines Menschen die Geschichte nicht voll als Geschichte berücksichtigt, ist einleuchtend. Dieses Fehlurteil muss sich aber noch ins Groteske steigern, wenn verfälschte Geschichte als Grundlage der Verdammung genommen wird."

Am 8. Februar wird das Thema beleuchtet: „Hitlers Papst? - Ein Dialog über Pius XII". Die Historiker Thomas Brechenmacher und Karl-Joseph Hummel werden sich mit der geschichtlichen Debatte um den Pacelli-Papst und dessen Verhältnis zum nationalsozialistischen Regime auseinandersetzen. Der Eintritt zu beiden Matineen ist frei.

Der Katalog zur Schau bietet neben dem Bildteil mit einer eingehenden Beschreibung der Ausstellungsgegenstände sowie einer umfangreichen bibliographischen Dokumentation sechs wissenschaftliche Aufsätze von namhaften Persönlichkeiten aus Forschung, Lehre und der Welt der Kommunikation. Dabei werden verschiedene Aspekte aus dem Leben des Papstes beleuchtet, die jenseits der bekannten Pfade einen interessanten Beitrag zum Gesamtbild Pius' XII. eröffnen: - Pius XII. und die Stadt Rom / - Pius XII. und seine Welten / - Der Nuntius, die Deutschen und der Papst. Zum Stand der Debatte um Eugenio Pacelli/Pius XII. nach der Öffnung der Archive / - Pius XII. und Berlin / - Pius XII. und die Künste: vom Schutz des italienischen Kunsterbes zum Einzug der zeitgenössischen Kunst in die Vatikanischen Museen / - Papst Pius XII. in der Medaillenkunst. Absicht des Katalogs ist es, auch als ein vertiefendes Arbeitsinstrument für künftige Auseinandersetzungen dienlich zu sein.


Öffnungszeiten/Eintritt:

Schloss Charlottenburg, Neuer Flügel (Säulenportal)
Spandauer Damm 10-22 | D-14059 Berlin
Tel: +49 (0)30-32 09 11
Mi - Mo von 10 bis 17 Uhr | Di geschlossen
Eintritt 5 €, ermäßigt 3 €
Besucher mit der Eintrittskarte der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg erhalten den ermäßigten Preis.

Katalog zur Ausstellung:

OPIUS JUSTITIAE PAX. EUGENIO PACELLI - PAPST PIUS XII. (1876 - 1958), SCHNELL + STEINER, Regensburg 2009, Koproduktion mit der Libreria Editrice Vaticana. Mit sechs Essays und einem ausführlich kommentierten Bildtafelteil 1. Auflage 2009, 232 Seiten, ca. 175 Farb- und 160 s/w-Abbildungen, 19 x 26 cm, Klappenbroschur, fadengeheftet
ISBN 978-3-7954-2197-7
24,90 € [D]/44,90 SFr