"Papst Pius XII. rettete Hunderttausenden von Juden das Leben": Internationaler Kongress der "Raoul-Wallenberg-Stiftung"

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BUENOS AIRES, 1. September 2006 (ZENIT.org).- Auf Einladung der Internationalen Raoul-Wallenberg-Stiftung haben sich Vertreter verschiedener Konfessionen kürzlich in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires mit dem Lebenswerk Papst Pius XII. (1876-1958) beschäftigt.



Die Stiftung hatte den Kongress in Zusammenarbeit mit den Nicht-Regierungsorganisationen "Casa Argentina en Jerusalem", "Interfe Internacional", "International Institute Angelo Roncalli" und "Souza Dantas" organisiert, um in Übereinstimmung mit dem Stiftungsauftrag jener Menschen zu gedenken, die sich in der Zeit des Nationalsozialismus für Gerechtigkeit und die Freiheit der Juden eingesetzt hatten.

Der Gründer der Stiftung, Baruch Tenembaum, beleuchtete in seinem Vortrag die Rolle Pius XII. in der Judenfrage. Der renommierte Professor für Bibelstudien und Hebräisch stützte sich dabei auf neue wissenschaftliche Erkenntnisse, die in den vergangenen Jahren publiziert worden sind.

Der Geisteswissenschaftler, der im vergangen Jahr von Bundespräsident Rau empfangen worden war (in Berlin sind eine Realschule und eine Straße nach Raoul Wallenberg benannt), erinnerte seine Zuhörer einführend an die Hintergründe der Polemik um Pius XII., unter anderem an die Wirkungsgeschichte des Theaterstücks "Der Stellvertreter" von Rolf Hochhut aus dem Jahr 1963, das Eugenio Pacelli, der 1939 unter dem Namen Pius XII Papst. geworden war, in ein zwielichtiges Licht gerückt hatte. Tenembaum forderte die Kongressteilnehmer deshalb eindringlich dazu auf, sich mit den Erkenntnissen des Rabbiners und Historikers David G. Dalin auseinanderzusetzen.

David G. Dalin ist Professor für Geschichte und Politikwissenschaften an der "Ave Maria University" im US-Bundesstaat Florida und vertritt die Auffassung, dass Pius XII. den jüdischen Ehrentitel "Gerechter unter den Völkern" erhalten sollte, weil er Hunderttausenden von Juden vor dem Tod im Konzentrationslager gerettet habe. Das erklärt er in seinem Buch "The Myth of Hitler's Pope" ("Das Märchen vom Hitler-Papst"), das im August 2005 im amerikanischen Verlag "Regnery" veröffentlicht wurde (vgl. ZENIT vom 19. Januar).

Wie Tenembaum erklärte, zitiert Dalin in seinem Werk auch das Dankesschreiben der langjährigen israelischen Außenministerin und späteren Premierministerin Golda Meir (1898-1978) anlässlich des Todes von Pius XII. im Jahr 1958. Dort heißt es: "Wir trauern. Wir haben einen Diener des Friedens verloren. Die Stimme des Papstes war während der Nazizeit klar, und sie verteidigte die Opfer."

Dalin analysiert und dokumentiert auch die Deportation der römischen Juden nach Auschwitz im Jahr 1943. Unter dem umfangreichen Quellenmaterial, das er anführt, befindet sich auch das Zeugnis der katholische Prinzessin Enza Aragona Cortes. Sie und andere bezeugen, dass der damalige Papst seinen Staatssekretär, Kardinal Luigi Maglione, angewiesen habe, beim deutschen Botschafter im Vatikan, Ernst von Weizsäcker, Beschwerde einzulegen. Nach Worten Tenembaums habe der Kardinal diesem Auftrag Folge geleistet und dem Botschafter aufgefordert: "Versuchen Sie, die Unschuldigen zu retten, die darunter leiden, einer bestimmten Rasse anzugehören." Auf diese Bitte hin habe der deutsche Botschafter Befehl gegeben, die Deportation zu stoppen. Pius XII. habe daraufhin seinerseits die Anweisung gegeben, die Pforten des Vatikans zu öffnen, um den Juden Roms Unterschlupf zu gewähren.

Papst Pius XII. sei es zu verdanken, dass in Rom im Vergleich zu anderen Gebieten, die die Nazis besetzt hielten, prozentuell gesehen die meisten Juden am Leben blieben, so Tenembaum: Von den 5.715 Juden in Rom, die die Nationalsozialisten registriert hatten, seien 4.715 in 150 katholischen Einrichtungen untergebracht worden. Dies sei unter anderem vom damaligen britischen Botschafter beim Heiligen Stuhl bestätigt worden.

Auf Betreiben Pius XII. habe der Apostolische Nuntius in Ungarn, Erzbischof Angelo Rotta, eine entscheidende Rolle bei der Rettung von 5.000 Juden gespielt. Und auch in anderen Teilen der Welt, etwa in Bulgarien (dank des damaligen Erzbischofs Angelo Roncalli, des späteren Papst Johannes XXIII.), sei auf Veranlassung des Papstes unzähligen Juden geholfen worden.