Papst reist in ein afrikanisches Land mit wechselvoller Geschichte

40 Prozent Christen

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ROM, 16. November 2011 (ZENIT.org). - Am Freitag wird Papst Benedikt XVI. bei seiner zweiten Afrika-Reise in Benin eintreffen. Seine erste Afrikareise hatte ihn im März 2009 nach Kamerun und Angola geführt.

Der Papst besucht damit ein westafrikanisches Land mit rund 9,3 Millionen Einwohnern, in dem zwar Friede herrscht, das aber vor großen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen steht.

Benin hatte in diesem Jahr international für Schlagzeilen gesorgt, weil im Frühjahr die Präsidentschaftswahlen zweimal verschoben werden mussten. Die Gründe waren unter anderem eine schlechte Vorbereitung, bei der mehr als 100.000 Wähler nicht rechtzeitig ins Wählerregister eingetragen worden waren. Bei der Wahl wurde Amtsinhaber Yayi Boni wiedergewählt und verfügt seitdem mit dem Parteienzusammenschluss „Force Cauris pour un Benin Emergent" (FCBE) über eine Mehrheit im Parlament. Zu seinen Regierungsplänen gehören die Überarbeitung der Verfassung, die Einführung eines neuen Zollregimes und ein neues Gesetz gegen Korruption.

Benin ist ein Land mit wechselvoller Geschichte. Die katholische Mission in Benin reicht ins 17. Jahrhundert zurück, als die Portugiesen hier Elfenbein- und Sklavenhandelsstützpunkte unterhielten. Der Aufbau der kirchlichen Strukturen erfolgte durch die Ankunft der Ordensgemeinschaft „Société des Missions Africaines" (SMA) im Jahr 1861.Bis ins 19. Jahrhundert war das Land ein Zentrum des Sklavenhandels, woran heute am Strand von Ouidah das Denkmal „Tor ohne Wiederkehr" erinnert. Später wurde es französische Kolonie, die unter dem Namen „Dahomey“ 1960 ihre Unabhängigkeit erlangte. 1975 erhielt das Land unter dem Kommunismus als marxistisch-leninistischer Einparteienstaat den Namen Benin. Nach dem Zusammenbruch der früheren Sowjetunion wurde 1991 schließlich ein Mehrparteiensystem eingeführt.

Mehr als 40 Prozent der Bevölkerung sind Christen, die Mehrzahl davon katholisch; das päpstliche Jahrbuch verzeichnet rund 3 Millionen Katholiken. Die hierarchische Struktur besteht aus zwei Erzdiözesen und acht Diözesen. 28 Prozent der Einwohner bekennen sich zum Islam, offiziell rund 23 Prozent zu Naturreligionen. Wie in keinem anderen Land Westafrikas wird hier der Voodoo-Kult praktiziert, der am 11. Januar einen eigenen staatlichen Feiertag hat.

Das Land hängt heute von seinen landwirtschaftlichen Produkten, vor allem der Baumwolle, ab. Weitere Staatseinnahmen stammen aus dem Hafen von Cotonou, über den viele Güter für die Nachbarländer eingeführt werden. Nach Schätzungen des Kinderhilfswerks UNICEF lag das Pro-Kopf-Einkommen 2009 bei 750 US-Dollar. Rund 41 Prozent aller Menschen über 15 Jahren können lesen und schreiben.

Es handelt sich um den dritten Besuch eines Papstes in diesem Land nach den zweimaligen Besuchen seines Vorgängers, des seligen Papstes Johannes Pauls II., nach dem eine der wichtigsten Straßen in Cotonou benannt worden ist, die „Avenue Jean Paul II“. Im Vorfeld der Reise hatte Erzbischof Giuseppe Bertello, langjähriger päpstlicher Botschafter im Land, den maßgeblichen Beitrag dieses Papstes zur Demokratisierung des westafrikanischen Staates gewürdigt. Johannes Paul II. habe dem damaligen Erzbischof von Cotonou, Isidore de Souza, Anfang der 1990er Jahre auf Bitten des aus Benin stammenden Kardinals Bernardin Gantin (1922-2008) erlaubt, vorübergehend die „Nationale Konferenz", zu führen. Dieses Gremium leitete die Demokratisierung des bis dahin marxistisch-leninistischen Einparteienstaates ein.

Der Papst folgt mit der Reise einer Einladung von Staatspräsident Yayi Boni und seiner Regierung sowie der Bischofskonferenz von Benin. Höhepunkte des Besuchs werden die feierliche Unterzeichnung des Abschlusspapiers zur Afrika-Synode „Exhortatio Apostolica Postsynodalis" mit dem Titel „Africae munus“ am Samstag, dem 19. November, in der Kathedrale von Ouidah und eine große Abschlussmesse mit den afrikanischen Bischöfen am Christkönigssonntag im Stadion von Cotonou sein.

[jb]