Papst ruft Kardinäle zur Einheit

Er selber verspricht bedingungslose Ehrerbietung und bedingungslosen Gehorsam gegenüber seinen Nachfolger

Vatikanstadt, (ZENIT.org) Jan Bentz | 1042 klicks

Am heutigen Vormittag, seinem letzten Amtstag, ist Papst Benedikt XVI. zum Abschied mit allen in Rom anwesenden Kardinälen und Kurienerzbischöfen in der vatikanischen Sala Clementina zusammengekommen. Insgesamt konnten 144 Kardinäle mit dem Papst ein paar persönliche Worte wechseln.

In einer kurzen Ansprache dankte er zunächst Kardinaldekan Angelo Sodano für seine herzlichen Abschiedsworte. In ihnen, zitierte er Kardinal Newmans „cor ad cor loquitur", spreche das Herz zum Herzen. Der scheidende Pontifex drückte den Anwesenden dann seine tiefe Dankbarkeit für die fast achtjährige Zusammenarbeit und das gemeinsame Zusammenwachsen in dieser Zeit aus. Die Nähe und der Rat der Versammelten sei ihm während seines Pontifikats eine große Hilfe gewesen. Er erinnerte an die „wunderschönen und lichten Momente“, die sie gemeinsam erlebt, aber auch an die Wolken, die sich am Himmel gezeigt hätten.

Man habe gemeinsam versucht, Christus und seiner Kirche mit totaler und tiefer Liebe zu dienen, einer Liebe, die allein die ihnen aufgetragenen Ämter belebe. Man habe Hoffnung geschenkt, die allein von Christus komme und die Wege erleuchten könne.

Benedikt XVI. beschwor das Kardinalskollegium, weiter in Einheit zu wachsen, um wie ein Orchester zu werden, „in dem die unterschiedlichen Ausdrucksformen der Weltkirche immer in eine höhere und einstimmige Harmonie einstimmen. Bleiben wir vereint, liebe Brüder, in diesem Geheimnis, im Gebet, besonders in der täglichen Eucharistie. So dienen wir der Kirche und der gesamten Menschheit. Das ist unsere Freude, die niemand uns wegnehmen kann.“

Einen einfachen Gedanken von Romano Guardini aus einer persönlichen Widmung an ihn, der ihm deshalb besonders teuer sei, wünschte der Papst gewissermaßen als Testament zu hinterlassen: „Die Kirche ist keine erfundene Institution, die am Tisch erschaffen wurde, sondern eine lebendige Realität. Sie lebt entlang dem Lauf der Zeit auf die Zukunft gerichtet, wie jedes Lebewesen, und verändert sich. Und doch bleibt sie immer dieselbe, ihr Herz ist Christus. Die Erfahrung von gestern auf dem Petersplatz hat mir gezeigt, dass die Kirche ein lebendiger Leib ist, der vom Heiligen Geist inspiriert ist und der wirklich von der Kraft Gottes lebt. Sie ist in der Welt, aber nicht von der Welt. Sie ist von Gott, vom Geist.“

Auch eine andere Formulierung von Guardini, die Kirche erwache in den Seelen, sei wahr. Es gelte, wie die Jungfrau Maria, Gott sein eigenes Fleisch anzubieten, das Wort Gottes aufzunehmen und es als Werk des Heiligen Geistes zu verstehen. Solche Seelen seien gerade in der eigenen Demut und Armut dazu fähig, „Christus heute in der Welt zu zeugen.“

Benedikt XVI. versicherte allen für die kommenden Tage seine Nähe im Gebet: „ Möge der Herr euch zeigen, was er von euch will.“

Er schloss seine Ansprache, indem er dem neuen Papst bedingungslose Ehrerbietung und bedingungslosen Gehorsam versprach.

[Wir dokumentieren die Ansprache des Papstes in einer Arbeitsübersetzung von Radio Vatikan:]

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Verehrte Brüder!

Mit großer Freude empfange ich euch und grüße jeden von euch ganz herzlich. Ich danke Kardinal Angelo Sodano, der wie immer die richtigen Worte für das gesamte Kardinalskollegium findet, Cor ad cor loquitur. Ein herzliches Dankeschön, Eminenz!

Ich möchte euch sagen, und ich beziehe mich dabei auf die Emmaus-Jünger, dass es auch für mich eine Freude war, mit euch in diesen Jahren im Lichte der Gegenwart des Auferstanden Herrn zu gehen. Wie ich gestern vor den tausenden Pilgern gesagt habe, die den Petersplatz füllten, waren mir eure Nähe und euer Rat eine große Hilfe in meinem Amt. In diesen acht Jahren haben wir mit Glauben wunderschöne und lichte Momente in der Kirche erlebt, zusammen mit einigen Momenten, in denen sich einige Wolken am Himmel zeigten. Wir haben versucht, Christus und seiner Kirche zu dienen mit tiefer und totaler Liebe, die unser Amt belebt. Wir haben Hoffnung geschenkt, die von Christus kommt, Hoffnung, die allen den Weg erleuchten kann. Zusammen können wir dem Herrn danken, der uns in der Gemeinschaft hat wachsen lassen, und ihn zusammen bitten, uns zu helfen, weiter in dieser tiefen Einheit zu wachsen, damit das Kardinalskollegium wie ein Orchester ist, in dem die unterschiedlichen Ausdrucksformen der Weltkirche immer in eine höhere und einstimmige Harmonie einstimmen.

Ich möchte euch einen einfachen Gedanken hinterlassen, der mir sehr am Herzen liegt, einen Gedanken über die Kirche und ihr Amt, der für uns alle – so kann man sagen – die Vernunft und die Leidenschaft des Lebens bedeutet. Ich lasse mir von einer Beobachtung von Romano Guardini helfen, die er im Jahr schrieb, als das Zweite Vatikanische Konzil die Konstitution Lumen Gentium billigte. Es ist eine persönliche Widmung am Ende seines letzten Buches, auch an mich – deshalb sind mir diese Worte besonders teuer. Guardini sagt: „Die Kirche ist keine erfundene Institution, die am Tisch erschaffen wurde, sondern eine lebendige Realität. Sie lebt entlang dem Lauf der Zeit auf die Zukunft gerichtet, wie jedes Lebewesen, und verändert sich. Und doch bleibt sie immer dieselbe, ihr Herz ist Christus. Die Erfahrung von gestern auf dem Petersplatz hat mir gezeigt, dass die Kirche ein lebendiger Körper ist, der vom Heiligen Geist inspiriert ist und der wirklich von der Kraft Gottes lebt. Sie ist in der Welt, aber nicht von der Welt. Sie ist von Gott, vom Geist.

Deshalb ist auch die andere Formulierung von Guardini wahr und redlich: „Die Kirche erwacht in den Seelen.“ Die Kirche lebt, wächst, erwacht in den Seelen, die wie die Jungfrau Maria das Wort Gottes aufnehmen und es als Werk des Heiligen Geistes verstehen, die Gott ihr eigenes Fleisch anbieten und die gerade in der eigenen Armut und Demut dazu fähig werden, Christus heute in der Welt zu zeugen. Durch die Arbeit der Kirche bleibt das Geheimnis der Fleischwerdung für immer. Christus geht weiter durch alle Zeiten und Orte.

Bevor ich euch persönlich grüße, möchte ich euch sagen, dass ich euch weiter mit dem Gebet nahe sein werde, vor allem in den nächsten Tagen, bis ihr den Heiligen Geist bei der Wahl des neuen Papstes spürt. Möge der Herr euch zeigen, was er von euch will. Schon heute verspreche ich dem neuen Papst meine bedingungslose Ehrerbietung und meinen bedingungslosen Gehorsam.

Deshalb erteile ich euch von Herzen meinen Apostolischen Segen.