Papst sollte Oberhaupt aller Christen werden

Ehemaliger Professor für ökumenische Theologie wünscht Führungsrolle ohne hierarchische Durchsetzung

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BERLIN, 18. August 2011 (ZENIT.org/Der Tagesspiegel). - Der evangelische Theologe Reinhard Frieling hat gefordert, den Papst als Ehrenoberhaupt aller Christen anzuerkennen. Benedikt XVI. sei das sogar schon.

„Der Traum von der Gemeinschaft aller Christen kann Wirklichkeit werden, wenn Protestanten und Orthodoxe dem Papst die Rolle eines Ehrenoberhaupts der Christenheit antragen", schreibt er in einem Beitrag für die Zeit-Beilage „Christ & Welt" anlässlich des bevorstehenden Deutschland-Besuches von Benedikt XVI. im September.

„Der Papst kann und sollte bei dieser Vision eine charismatische Führungsrolle einnehmen", forderte der frühere Religionsprofessor. In außergewöhnlichen Situationen könne der Papst dann „im Namen der ganzen Christenheit" sprechen.

Dies sei mitnichten eine Zumutung für protestantische Christen. „Das Christentum verträte seine Botschaft glaubwürdiger als eine in Tausende Kirchen gespaltene Religion", so Frieling. Das 500. Jubiläum der Reformation im Jahre 2017 sei der richtige Anlass, um diese Vision zu verwirklichen.

Laut Frieling ist Papst Benedikt wegen seines ökumenischen Engagements schon jetzt ein „Sprecher aller Christen". Allerdings müsste das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche auch Kompromisse machen: „Zugunsten einer neuen Führungsrolle müsste der Papst häufig auf eine hierarchische Durchsetzung seines gesetzgeberischen Anspruchs verzichten, wie Hans Küng schon 1974 vorschlug." Zugleich forderte Frieling die reformatorischen Kirchen auf, ihre „Selbstgenügsamkeit“ aufzugeben und „mutig ökumenische Konsequenzen“ zu ziehen.

Reinhard Frieling war langjähriger Leiter des Konfessionskundlichen Instituts der evangelischen Kirche, ist emeritierter Professor für ökumenische Theologie in Marburg und Moderator der „Charta Oecumenica".