Papst: Stille des Kartäuserlebens als Geschenk für die heutige Zeit

Abschluss der Kalabrienreise von Benedikt XVI. im Kartäuserkloster San Bruno

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ROM, 10. Oktober 2011 (ZENIT.org). -Mit dem technischen Fortschritt der Kommunikationsmittel drohe das virtuelle Leben die Realität zu überlagern, so Papst Benedikt XVI. am Sonntagabend in dem Kartäuserkloster San Bruno in Kalabrien. Jugendliche, die in diese Situation hineingeboren worden seien, schienen mit Musik und Bildern jeden stillen Moment füllen zu wollen, als hätten sie Angst vor der Leere.

Unter diesem Aspekt stelle die Zelle der Kartäusermit ihrer Stille und Abgeschiedenheit ein wertvolles Geschenk für die Kirche und die Welt dar, so Benedikt XVI. Denn in der Stille setze sich der Mensch der Realität und der Leere radikal aus, um die Fülle der Anwesenheit Gottes zu erfahren. Zwar sei jedes Kloster eine „Oase", die Klausen der Kartäuser seien jedoch ganz besondere Oasen. Die Radikalität ihres Ordenslebens könne den Menschen von heute helfen, die Stille und Einsamkeit wiederzuentdecken.

Der heilige Bruno von Köln gründete im Jahr 1091 im heutigen Serra San Bruno eine Einsiedelei, wo er bis zu seinem Tod 1101 lebte. Er gilt als der geistige Vater des Kartäuserordens. Der letzte Besuch eines Papstes war der von Johannes Paul II. im Oktober 1984.

Papst Benedikt betonte vor den 15 Ordensleuten, die Mission dieses Ordens sei noch nie so „aktuell und bedeutsam“ in der Welt gewesen wie heute. Es genüge jedoch nicht, sich einmal für das Leben als Mönch zu entscheiden. So wie sich das Eheleben nach der Hochzeit im Alltag bewähren müsse, brauche auch gerade das Ordensleben Zeit, Übung und Geduld, um Gott Raum zu geben, damit er wirken könne.

Papst Benedikt hat gemeinsam mit den Mönchen einen Vespergottesdienst gebetet und anschließend die Krankenstation des Klosters besucht.

Mit dem Besuch bei den Mönchen beendete der Papst seine 25. Italienreise, die erste nach Kalabrien. Nach der Begrüßung durch den Bürgermeister wandte sich Benedikt XVI. in seiner kurzen Ansprache auf dem Stephansplatz beim Kartäuserkloster an die Bevölkerung von Serre San Bruno und betonte die wichtige und unverzichtbare Funktion eines Klosters für die Welt und das Privileg, das denen zu teil werde, die in seiner Nähe lebten.

Weiterhin kritisiert er ein Gesellschaftsklima, das zuweilen durch eine von Wirtschaftsinteressen dominierte Mentalität verschmutzt sei. In einem solchen Klima werde nicht nur Gott an die Seite gedrängt, sondern auch der nächste.

Die Präsenz der Kartause, die auf den heiligen Bruno zurückgehe, bilde eine ständige Mahnung Gottes, „eine Öffnung zum Himmel und eine Einladung, uns daran zu erinnern, dass wir Brüder in Christus sind“.

Am Sonntagvormittag hatte er eine Messe mit mehr als 50.000 Gläubigen im Industriegebiet der Stadt Lamezia Terme gefeiert. Dabei ermutigte er die Kalabrier, trotz sozialer Nöte, hoher Jugendarbeitslosigkeit und der „oft grausamen Kriminalität" nicht zu verzagen.