Papst: Tauftag ist das wichtigere Jubiläum

Bayerische Delegation im Vatikan

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Von Jan Bentz

ROM, 16. April 2012 (ZENIT.org). – Zehn Jahre älter als ein dreiviertel Jahrhundert wird Papst Benedikt XVI. am heutigen 16. April, dem Tag, der neben seinem Geburtstag auch sein Tauftag ist. Der Anlass des Tauftages sei der überaus wichtigere, der eigentliche Beginn des neuen Lebens, wie der Papst in seiner Predigt bei der Eucharistiefeier mit seinen Gästen betonte. Obwohl er bereits öfter eingestanden hatte, dass er sich eigentlich das unterstützende Gebet besonders zum 7. Jahrestag seiner Papstwahl am kommenden Donnerstag wünsche und der biologische Geburtstag für ihn eher marginal sei, zeigte sich der Heilige Vater dennoch erfreut über den Besuch der bayerischen Delegation, bestehend aus dem Münchener Erzbischof Kardinal Marx, den Bischöfen der bayerischen Diözesen, Gruppen von Gläubigen, Kindern und Musikern sowie den Vertretern der Landesregierung unter Ministerpräsident Horst Seehofer, die anlässlich seines Geburtstages in den Vatikan gekommen waren.

In der Predigt bei der Heiligen Messe, die Benedikt XVI. für die versammelten Bischöfe und Kardinäle sowie für die Delegation zelebrierte, erklärte er zunächst, wie die Liturgie an diesem Tag drei strahlende Wegweiser bereit halte: das Gedächtnis der hl. Bernadette Soubirous, der Seherin von Lourdes, des „seltsamen“ Heiligen Benedikt Joseph Labre und die noch andauernde Osterzeit, in der das Geheimnis von Kreuz, Tod und Auferstehung ganz besonders nahe sei.

Die hl. Bernadette sei ein herausragendes Beispiel in der heutigen „aufgeklärten“ Welt, wie ein Mädchen mit nichts weiter als einem einfachen, im Katechismus erworbenen Schulwissen und einem reinen Herzen in der Lage gewesen sei, der Muttergottes zu begegnen und ihre Botschaft in die Welt zu tragen. Die Bedeutung der reinen Quelle, die wir Lourdes verdankten, könne nicht hoch genug eingeschätzt werden: Sie sei ein Bild für die unverstellte, unverfälschte und unbefleckte Wahrheit des Glaubens, derer wir bedürften, um leben zu können.

Der fromme Bettelpilger und Heilige des 18. Jahrhunderts, Benedikt Labre, stehe für eine totale Absage an den Konsumgedanken, habe nach langem Suchen und einem selbstgenügsamen Leben die Berufung gefunden, nichts behaltend außer dem, was er direkt brauchte, zu allen großen Heiligtümern Europas zu pilgern, von Spanien bis Polen, von Deutschland bis Sizilien. Er sei damit ein wahrhaft europäischer Heiliger gewesen, der nur noch einen Mittelpunkt im Leben hatte: Gott.

Zum Anlass seines Geburtstages erläuterte der Papst dann, ein Geburtstag erinnere vor allem an das irdische Leben, das aber ohne Sinn und Tiefe wäre, hätte Gott nicht eine Verheißung mitgegeben, die stärker sei als jegliches drohende Unheil. Daraus entstehe die Kraft zu begreifen, dass es gut sei, Mensch zu sein, was immer die Zukunft bringen möge. Er selber habe aus dieser Gewissheit leben dürfen, aus dieser Wiedergeburt aus Wasser und Geist, die die Taufe sei.

Ohne die ständige Erneuerung des Taufversprechens reduziere sich das Leben auf eine biologische Gabe ohne tieferen Sinn.

Der Papst schloss mit den Worten: „Ich stehe vor der letzten Wegstrecke meines Lebens und weiß nicht, was mir verhängt sein wird, aber ich weiß, dass das Licht Gottes da ist, dass er auferstanden ist und dass sein Licht stärker ist als alles Dunkel, dass Gottes Güte stärker ist als alles Böse dieser Welt. Das lässt mich in Gewissheit weitergehen, das lässt uns alle weitergehen. Allen, die dieses Ja Gottes immer wieder durch ihren Glauben auch mir immer wieder gewiss machen, danke ich in dieser Stunde von ganzen Herzen.“

Nach der Eucharistiefeier empfing Papst Benedikt XVI. die Gäste, zu denen auch Mitglieder des bayerischen Kabinetts und Vertreter der Landtagsfraktionen gehörten, in der Sala Clementina des Apostolischen Palastes. Auch sein Bruder Georg Ratzinger und Erzbischof Dr. Robert Zollitsch waren nach Rom gekommen.

In seinem Grußwort an Ministerpräsident Horst Seehofer dankte er für das Kommen der vielen Landsleute aus Bayern, damit sei die lebendige Kirche seines Landes gegenwärtig. Dafür dankte er auch den bayerischen Bischöfen. Erfreut zeigte sich der Heilige Vater über die Anwesenheit des evangelischen Landesbischofs Heinrich Bedford-Strohm, wodurch die ökumenische Dimension präsent sei. Dieser hatte hervorgehoben, wie wichtig die Stimme des Papstes in Politik und Zivilgesellschaft sei. Dies gelte trotz der bestehenden Differenzen über das Verständnis des Papstamtes.

Der Papst erinnerte an dieser Stelle an seine Freundschaft mit Bischof Hansemann und seinen Besuch in der jüdischen Kultusgemeinde. In getrennter Audienz empfing er die Bischöfe der sieben bayerischen Diözesen sowie Reinhard Kardinal Marx.

Papst Benedikt richtete auch an die anwesenden Medienvertreter das Wort und dankte ihnen für ihre Arbeit, auch wenn man sich die Inhalte manchmal „etwas zurecht denken“ müsse. Er schloss seine Ansprache mit einem herzlichen „Vergelt’s Gott“ an alle.

Die Begegnung wurde von Volkstänzen der Kinder und Musikeinlagen der angereisten bayerischen Gruppen begleitet.

Aus aller Welt erreichten den Papst Glückwünsche aus Politik und Kirchenvertretern. Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano wünschte dem Papst eine „fruchtbare Fortführung dieses hohen ethischen und geistlichen Amtes". Ministerpräsident Mario Monti dankte Benedikt XVI. für seinen „unermüdlichen Einsatz" für das Gemeinwohl.

Mehrere Pfarrer aus der Diözese Rom betonten am Montag gegenüber Radio Vatikan, dass der Papst aus Deutschland ein „Bischof des römischen Volkes" sei, auch wenn er dessen Dialekt nicht spreche.

Bischof Javier Echevarría sandte Grüße „kindlicher Zuneigung" für einen vorbildhaften Vater. Der Papst versehe sein Petrusamt mit der Gelassenheit eines Menschen, der sich Gott ganz überlassen habe. Dabei stütze er sich auf die Feier der Eucharistie und auf das Gebet, weil ihm bewusst sei, dass die Kirche ihre Aufgabe nur mit der Gnade Christi verwirklichen könne. Der unermüdliche Dienst, den der Heilige Vater an der Kirche leiste, bewege alle im Gemüt, aber auch in dem Sinn, dass er die Entschlossenheit fördere, Benedikt XVI. noch treuer zu folgen.

Aus seinem Heimatland kamen Grußbotschaften u.a. vom Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch (ZENIT berichtete) und dem Mainzer Kardinal Karl Lehmann.

Kardinal Meisner zelebrierte zu Ehren des Papstes ein Pontifikalamt im Kölner Dom. Dabei würdigte er besonders dessen „Gebetsverbundenheit“ und „Gebetsversunkenheit“. „Die Schwelkraft seines Lebens verlagert sich im Gebet in die Hände Gottes“, so der Kardinal in seiner Predigt. Hier liege auch der Grund für seine Zeugniskraft auf die Menschen.

Ebenso gratulierten dem Papst die Evangelische Kirche Deutschlands (EKD) sowie Maria Böhmer, Staatsministerin und ZdK-Mitglied.

Kardinal Reinhard Marx plant darüber hinaus zusammen mit dem bayerischen Pilgerbüro eine Romreise im August. 800 Mitglieder der bayerischen Gebirgsschützenvereine und Trachtenvereine werden bei diesem Anlass dem Papst mit Volksmusik, Volkstanz, Jodeln und Schuhplatteln persönlich gratulieren.