Papst trifft Universitätsdozenten

„Gerade die Kirche hat Einrichtungen von Universitäten gefördert“

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MADRID, 19. August 2011 (ZENIT.org). - Um 12.00 Uhr traf sich heute der Heilige Vater Benedikt XVI. in der in der Laurentius-Basilika von El Escoria mit einer großen Gruppe junger Dozenten spanischer Universitäten und anderer Nationen, die ebenfalls an den WJT teilnehmen. Anwesend waren auch einige Gäste des Weltkongresses katholischer Universitäten, der vom 12.-14. August unter dem Motto „Identität und Mission der katholischen Universität“ in Avila stattfand. Dieser wurde begleitet vom Bischof von Avila, S.E. Mons. Jesús García Burillo.

Nach einer kurzen musikalischen Darbietung, einem Grußwort durch Kardinal Antonio Maria Rouco Varela und dem Grußwort eines jungen Universitätsprofessors begrüßte der Papst die Dozenten und Professoren, den Kardinalerzbischofs von Madrid, die Bischöfe, Augustinerpatres und alle Teilnehmer und betonte in seiner Ansprache den bedeutenden Beitrag der Anwesenden bei der Verbreitung der Wahrheit.

Der Papst erinnerte an seine eigenen Jahre als Professor und die damalige Situation für Lehrende und Studenten. „Obwohl damals noch die Wunden des Krieges sichtbar waren und viele materielle Entbehrungen herrschten, wurde all das durch die erwartungsvolle Hoffnung auf eine mitreißende Tätigkeit, durch den Austausch mit den Kollegen der verschiedenen Fächer und durch den Wunsch, auf die letzten und fundamentalen Fragen der Studenten zu antworten, überwunden.“ Diese erlebte „universitas“ war geprägt von der Wahrheitssuche in allen Wissensbereichen.

Das Miteinander von Lehrern und Studenten mit dem Willen und dem Verstand, das Wissen zu lernen, erhelle den Sinn und auch die Bestimmung der Universität, beschrieb der Heilige Vater den Auftrag der Universitäten.

„In Christus verwurzelt und auf ihn gegründet, fest im Glauben" (vgl. Kol 2,7), so lautet das Motto des Weltjugendtages. Es könne damit ein solides Fundament für das eigene Leben gefunden werden, betonte der Heilige Vater.

Wo finden Jugendliche in einer zerbrechlichen und instabilen Gesellschaft eine Orientierung, fragte Benedikt XVI. Die Aufgabe eines Universitätsprofessors scheine heutzutage von einer utilitaristischen Auffassung der Bildung, der Ausbildung von kompetenten Fachleuten für den Arbeitsmarkt, geprägt zu sein. „Trotzdem verspüren Sie … zweifellos den Wunsch nach etwas Höherem, das allen Dimensionen entspricht, die den Menschen ausmachen“, bemerkte der Heilige Vater und führte weiter aus: „Wenn nur die Nützlichkeit und der unmittelbare Pragmatismus zum Hauptkriterium erhoben werden, können die Verluste dramatisch sein – von den Missbräuchen einer Wissenschaft, die keine Grenzen über sich anerkennt, bis zum politischen Totalitarismus, der leicht von neuem auflebt, wenn aus Machtkalkül jeder höhere Bezug beseitigt wird.“

Demgegenüber solle es die echte Idee der Universität sein, diese verkürzte und verzerrte Sicht vom Menschen zurückzuweisen. Sie sei schon immer der Ort gewesen, wo die eigentliche Wahrheit über den Menschen gesucht würde. Es ist daher kein Zufall, dass es gerade die Kirche war, die die Einrichtung der Universität gefördert hat, denn der christliche Glaube spricht zu uns von Christus als dem Logos, dem Wort, durch das alles geworden ist (vgl. Joh 1,3), und von dem nach dem Abbild Gottes und Gott ähnlich geschaffenen Menschen. Diese frohe Botschaft enthüllt eine Vernünftigkeit in allem Geschaffenen und sieht den Menschen als ein Geschöpf, das an dieser Vernünftigkeit teilhat und zur Erkenntnis dieser Rationalität gelangen kann“, führte der Papst aus. Die Universität verkörpere daher ein Ideal, das weder durch Ideologien zersetzt werden dürfe, die für den Dialog der Vernunft blind seien, noch durch die utilitaristische Logik eines Marktes, der den Menschen nur als Konsumenten sehe.

Der Heilige Vater bestärkte die Anwesenden in ihrem Auftrag, dieses Ideal der Universität weiterzugeben, „ ein Ideal, das Sie von Ihren Vorgängern empfangen haben, von denen viele demütige Anhänger des Evangeliums gewesen sind und als solche zu Geistesgrößen geworden sind“, führte Benedikt XVI.aus. Die wesentlichen Fragen des Menschen sollten die Aufmerksamkeit einfordern und vorantreiben. Dem menschlichen Verstand müsse der Glaube vorgelegt und zur Anerkennung gebracht werden. „Die Art und Weise, das zu tun, besteht nicht nur darin, den Glauben zu lehren, sondern ihn zu leben, ihn zu verkörpern, wie auch der Logos Fleisch geworden ist, um unter uns zu wohnen. In diesem Sinn brauchen die jungen Menschen glaubwürdige Lehrer; Personen, die für die ganze Wahrheit in den verschiedenen Wissensbereichen offen sind, zuhören können und in ihrem Inneren diesen interdisziplinären Dialog leben; Personen, die vor allem von der menschlichen Fähigkeit überzeugt sind, auf dem Weg zur Wahrheit voranzukommen“, ermutigte der Heilige Vater.

Die Jugend sei das bevorzugte Alter für die Suche nach Wahrheit und der Begegnung mit ihr. Dies habe bereits Platon gewusst: „Suche die Wahrheit, solange du jung bist, denn wenn du das nicht tust, wird sie dir dann zwischen den Händen zerrinnen" (Parmenides, 135 d). Daher ermutigte der Papst die Anwesenden, selber diese Sensibilität für und die Sehnsucht nach der Wahrheit nicht zu verlieren und darin Ansporn für junge Menschen zu sein.

Der Weg zur vollkommenen Wahrheit müsse den Menschen als Ganzen einbeziehen: „Es ist ein Weg des Verstandes und der Liebe, der Vernunft und des Glaubens. Wir können in keiner Erkenntnis vorankommen, wenn uns nicht die Liebe bewegt; ebenso wenig können wir etwas lieben, in dem wir keine Vernünftigkeit sehen“, führte er Papst aus. Aus dieser Einheit leite sich der Zusammenhang von Leben und Denken her.

Des Weiteren hob der Heilige Vater hervor, „dass die Wahrheit selbst immer über unsere Reichweite hinausgeht. Wir können sie suchen und an sie herankommen, wir können sie jedoch nicht ganz besitzen: Vielmehr ist sie es, die uns besitzt und uns motiviert.“ Bedeutsam für die Lehrtätigkeit sei daher die Tugend der Demut, die vor Eitelkeit schützt, die wiederum den Zugang zur Wahrheit versperren würde, so der Papst.

Es folgte seine Einladung, den Blick immer auf Christus gerichtet zu halten, „auf dessen Antlitz die Wahrheit erstrahlt, die uns erleuchtet; der aber auch der Weg ist, der zur bleibenden Fülle führt, da er unser Weggefährte ist und uns mit seiner Liebe stärkt.“ In ihm verwurzelt und unter dem Schutz der Muttergottes, dem Sitz der Weisheit, wünschte der Heilige Vater den Dozenten und Professoren ein sinnerfülltes Leben und den Studenten reiche Früchte der Erkenntnis und des Glaubens. [mr]