Papst übergibt Preis der Vatikanischen Joseph Ratzinger- Benedikt XVI. Stiftung

Theologischer Nobelpreis an französischen Spezialisten für Islam und Judentum und US-amerikanischen Jesuiten

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ROM, 12. Oktober 2012 (ZENIT.org). – Am Samstagvormittag wurde in der „Sala Clementina“ des Apostolischen Palastes in Anwesenheit der Synodenväter vom Heiligen Vater der „Ratzinger Preis 2012“ an Prof. Rémi Brague und an P. Prof. Brian E. Daley verliehen. Brague ist ein französischer Laienprofessor und Gelehrter der Religionsphilosophie; Daley ist ein Jesuitenpater aus den USA und Historiker in patristischen Theologie.

Nach einer Begrüßung durch Msgr. Giuseppe Antonio Scotti, Präsident der „Vatikanischen Joseph Ratzinger – Benedikt XVI. Stiftung“, wurden den zu Ehrenden von Kardinal Camillo Ruini, dem Präsidenten des Wissenschaftsausschusses der Stiftung, der Preis überreicht. Papst Benedikt XVI. hielt eine Ansprache, in der er seine Freude über die wissenschaftlichen Errungenschaften der beiden Preisträger ausdrückte.

Als einen Denkanstoß erwähnte Benedikt XVI. den interreligiösen Dialog. P. Daley, der Spezialist der Kirchenväter sei, habe sich mit seinen Studien in die beste Schule begeben, um die Kirche besser zu kennen und zu lieben, vor allem ihren Reichtum der verschiedenen Traditionen. Dies sei besonders in Bezug mit den orthodoxen Kirchen von großer Bedeutung.

Prof. Brague sei ein Spezialist des Judentums und des Islams im Mittelalter. 50 Jahre nach dem Konzil seien vor allem zwei Texte zum Studium heranzuziehen, die Erklärung „Nostra aetate“ über die Religionen und das Dekret „Unitatis redintegratio“ über den Ökumenismus. Auch das Dokument „Dignitatis humanae“ sei ein wertvoller Beitrag zu diesem Thema, da es den Begriff der Religionsfreiheit erläutere.

Benedikt hob die Tatsache hervor, dass die Studien der beiden Gelehrten in mehreren Sprachen zugänglich und damit die Früchte ihrer Forschungen einer breiten Masse zur Verfügung gestellt seien. Die Stiftung „Joseph Ratzinger – Benedikt XVI.“ sei daran interessiert, vor allem auf universitärem Niveau Themen zu diskutieren, darum sei die Lehrtätigkeit der beiden Preisträger von Vorteil für eine solche Arbeit. „Im Weinberg des Herrn zu arbeiten bedeutet, den Menschen die ‚Lebenskunst‘ näherzubringen, die der Herr uns gelehrt hat, was auch ein Grundtenor des Zweiten Vatikanischen Konzils war“, ergänzte der Papst, „ein wichtiger Schritt auf dem Weg der Neuevangelisierung“.

Der Preis ist mit 50.000 Euro datiert und gilt als „Theologischer Nobelpreis“.  

Remi Brague wurde in Paris geboren und ist seit 1990 Professor für Mittelalterliche und Arabische Philosophie an der Universität Sorbonne in Paris. Er hat seit 2002 auch den Lehrstuhl „Romano Guardini“ für Philosophie und Religionen an der Ludwig-Maximilians-Universität München inne.

P. Brian Daley lehrt Patristik an der katholischen Universität der Jesuiten „Notre Dame“ in den USA. Er trat 194 dem Jesuitenorden bei und studierte unter anderem auch an der Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt. Er war Assistent des Dogmatikers Alois Grillmeier (1910-1998). [jb]