Papst vertraut in Loreto der Muttergottes das Jahr des Glaubens und die kommende Bischofssynode an

10.000 Menschen bei der Eucharistiefeier

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ROM, 5. Oktober 2012 (ZENIT.org). – Mit 10.000 Gläubigen bei einer Einwohnerzahl von 15.000 feierte Papst Benedikt XVI. gestern bei strahlendem Sonnenschein unter freiem Himmel im italienischen Marienwallfahrtsort Loreto die hl. Messe.

Dabei vertraute er, in die Spuren seines Vorgängers Johannes XXIII. tretend, der hier vor genau 50 Jahren um Fürsprache Marias für das Zweite Vatikanische Konzil gebeten hatte, der Muttergottes wiederum kirchliche Großereignisse an: Das Jahr des Glaubens und die kommende Bischofssynode.

Bereits seit den frühen Morgenstunden hatten Tausende von Pilgern auf den Heiligen Vater gewartet, der zunächst im Heiligtum zum privaten Gebet verweilte.

In seiner Predigt wähend der Eucharistiefeier erinnerte der Papst an die Freiheit vom menschlichen Egoismus, die durch den Glauben an Gott und die Vereinigung mit ihm möglich werde.

Die „bescheidene Wohnstätte“ der Heiligen Familie in Loreto bewahre die Erinnerung an die Menschwerdung Gottes, so der Papst, sie sei „konkretes und greifbares Zeugnis des größten Ereignisses unserer Geschichte.“ Angesichts der aktuellen Krise betonte Papst Benedikt, wie wichtig Gott für den Menschen sei; der ohne Gott dem Egoismus Vorrang gebe, das Haben dem Sein vorziehe:

„In der augenblicklichen Krise, die nicht nur die Wirtschaft, sondern verschiedene Gesellschaftsbereiche betrifft, sagt uns die Menschwerdung des Sohnes Gottes, wie wichtig der Mensch für Gott und Gott für den Menschen ist. Ohne Gott gibt der Mensch schließlich seinem Egoismus den Vorrang gegenüber der Solidarität und der Liebe, zieht er das Materielle den Werten vor, das Haben dem Sein.“

Umgekehrt sei aber auch für Gott der Mensch wichtig: Gott wende sich dem Menschen zu, der ihm keinesfalls ein untergeordneter Gesprächspartner sein solle. Dies werde in der Geschichte der Verkündigung deutlich, und es rege immer wieder zum Staunen an, so Benedikt XVI., wie er das Ja des Menschen als Antwort in voller Freiheit erbitte. Um Mensch zu werden, habe Gott die freie Zustimmung Marias benötigt:

„Freilich, das Ja der Jungfrau ist Frucht der göttlichen Gnade. Doch die Gnade hebt die Freiheit nicht auf, im Gegenteil: sie schafft und unterstützt sie.“

Der Glaube entziehe dem Geschöpf Mensch nichts, sondern ermögliche ihm durch Selbsthingabe seine volle und endgültige Verwirklichung, betonte der Papst. Egoistischer Durst nach Macht, nach Besitz und Herrschaft verschließe den Menschen in sich selbst.

Wie Maria sollten auch wir offen sein für den Herrn, ihm unser Leben darbieten, damit es „Wohnstatt“ für ihn werden könne, ohne Furcht, die Gegenwart des Herrn könne unsere Freiheit einschränken. Denn gerade Gott sei es, der unsere Freiheit befreie, „sie aus der Verschlossenheit in sich selbst herausholt, aus dem Durst nach Macht, nach Besitz, nach Herrschaft, und sie befähigt, sich der Dimension zu öffnen, die sie im eigentlichen Sinn verwirklicht: der Dimension der Selbsthingabe, der Liebe, die sich im Dienen und im Miteinander-Teilen äußert.“[jb]