Papst warnt eindringlich vor einem radikalen Säkularismus

Eindämmen der Verkündung unveränderlicher Wahrheiten bedrohe den Menschen selber

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VATIKANSTADT, 19. Januar 2012 (ZENIT.org). – In seiner Ansprache an die amerikanischen Bischöfe anlässlich deren Ad-limina-Besuchs hat Papst Benedikt eindringlich vor aktuellen kulturellen Strömungen gewarnt, die dem Christentum als solchem zunehmend feindselig gegenüber stünden. Historisch gesehen  habe in den Vereinigten Staaten immer ein Konsens über das Wesen der Wirklichkeit und des moralisch Guten und somit über die Bedingungen menschlichen Wohlergehens existiert.  Dies habe zu einer Weltsicht geführt, die nicht nur vom Glauben, sondern auch von der Verpflichtung zu bestimmten ethischen Grundsätzen, die sich aus der Natur und der Natur Gottes ergeben, geformt wurde, wie es in den Gründungsdokumenten der Nation verbürgt sei.

Dieser Konsens werde zunehmend aufgeweicht. Es breiteten sich mächtige, neue Kulturströmungen aus, die das Gegenteil der christlich-jüdischen Überlieferung darstellten und dem Christentum zunehmend feindselig gegenüberstünden. Solche Tendenzen stellten eine Bedrohung für die Menschheit selber dar. Verbreitet werde ein extremer Individualismus der danach strebe, den Begriff Freiheit von moralischen Wahrheiten zu lösen.

„Wenn eine Kultur versucht, das Ausmaß des letztlichen Mysteriums zu unterdrücken und die Türen zur transzendenten Wahrheit zu verschließen, wird ihr zwangsläufig eine Verarmung widerfahren, und, wie mein Vorgänger Papst Johannes Paul II. so deutlich voraussah, einer reduktionistischen und totalitären Lesart der menschlichen Person und der Natur der Gesellschaft zum Opfer fallen.

Die Kirche verteidige eine moralische Vernunft, die auf dem Naturrecht gründe. Ihre Morallehre sei keine einengende, sondern eine befreiende Botschaft und sei das Fundament für eine sichere Zukunft.

Demnach sei der Zeugnis der Kirche von Natur aus öffentlich: „ Die legitime Trennung von Kirche und Staat kann weder so verstanden werden, dass die Kirche in Bezug auf bestimmte Themen schweigen muss, noch bedeutet dies, dass der Staat das Mitspracherecht engagierter Gläubiger bei der Festlegung der Werte, die die Zukunft der Nation bestimmen, beschneiden kann“, warnte der Papst vor einem Zurückdrängen der christlichen Botschaft in den privaten Bereich.

Ein radikaler Säkularismus fände in politischen und kulturellen Kreisen immer mehr Anerkennung und bedrohe massiv die Kirche in ihrem öffentlichen moralischen Zeugnis.
Der Papst forderte die Bischöfe auf, den Ernst dieser Bedrohungen klar einzuschätzen und zu bewerten.

„Besonders besorgniserregend  sind gewisse Bestrebungen, die unternommen werden, um die Religionsfreiheit einzuschränken, die von allen amerikanischen Freiheiten als die am höchsten geschätzte gilt.“ Zur Religionsfreiheit gehöre, dass sie nicht zu einem bloßen Religionsausübungsrecht herabgewürdigt werde.  Garantien für die Achtung der Gewissensfreiheit (z.B. in Fragen des Lebensrechts) gehörten unbedingt zur Religionsfreiheit dazu.

Um bei der zukünftigen Gestaltung der amerikanischen Gesellschaft zum Wohl aller mitzuwirken, bedürfe es besonders engagierter und gut ausgebildeter Laien, die zu einem ausgeprägt kritischen Blick gegenüber der herrschenden Kultur befähigt sein sowie den Mut besitzen müssten, einem reduktiven Säkularismus entgegenzutreten.

„Die Ausbildung engagierter laizistischer Führungspersonen und die Präsentation einer überzeugenden Darstellung der christlichen Sicht von Mensch und Gesellschaft sind nach wie vor die primären Aufgaben der Kirche in eurem Land; diese Anliegen müssen als wesentliche Bestandteile der Neuevangelisierung die Vision und die Ziele der katechetischen Programme auf allen Ebenen formen.“

Es bedürfe der Erhaltung einer zivilen Ordnung, die deutlich in der jüdisch-christlichen Überlieferung verwurzelt sei, die geistigen und moralischen Ressourcen der gesamten katholischen Gemeinschaft seien für den Dienst der Evangelisierung der amerikanischen Kultur und für den Aufbau einer Zivilisation der Liebe zu mobilisieren, schloss der Heilige Vater. [jb]