Papst warnt: Nicht alles, was möglich ist, ist auch gut

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VATIKAN, 23. August 2004 (ZENIT.org) – So zu tun als sei „was technisch möglich ist von sich aus auch ethisch richtig“, führe zu einem Pragmatismus mit „dramatischen und zerstörerischen Folgen“, wie etwa dem menschlichen Klonen, warnt Johannes Paul II. Der Papst traf diese Aussage in einer Botschaft an das „Meeting für die Freundschaft der Völker“, das von der katholischen Erneuerungsbewegung Comunione e Liberazione (Gemeinschaft und Befreiung) veranstaltet wurde. Das Treffen wurde am Sonntag in Rimini, Italien, eröffnet. Ein ähnliches einwöchiges Treffen zog im letzten Jahr 700.000 Menschen an.


„Der technische Fortschritt löst im Menschen von heute ein Gefühl von Macht aus. Daher ist der heutige Mensch in Versuchung, sein Tun und dessen Folgen grundsätzlich für gut zu halten,“ erklärte der Heilige Vater in dem Schreiben, das von der Pressestelle des Vatikans veröffentlicht wurde.
„Die in verschiedenen wissenschaftlichen und technischen Bereichen erzielten Fortschritte werden von vorne herein als gut eingestuft“, sagte der Papst. „Auf diese Weise gelangt man am Ende zur Behauptung, was technisch möglich sei, sei auch ethisch gut.“
„Mit dieser Behauptung verschiebt der Mensch mit seinem Wissen und seinen technischen Möglichkeiten nicht nur die Grenze zwischen dem, was möglich ist und dem, was noch nicht möglich ist, sondern in gleichem Maße auch die Grenze zwischen dem, was gut ist und dem, was nicht gut ist“, gab der Heilige Vater zu bedenken.
„Unter diesem Gesichtspunkt würde Fortschritt zu einem absoluten Wert, ja sogar zum Ursprung der Werte. Wahrheit und Gerechtigkeit wären nicht länger übergeordnete Instanzen, an denen der Mensch sich ausrichtet, sondern Produkte seiner Forschung und seiner Manipulation der Wirklichkeit“, warnte der Papst.
„Ein solcher Pragmatismus, der Wahrheit und Gerechtigkeit vom menschlichen Handeln abhängig macht, hat unübersehbare, dramatische und zerstörerische Folgen“, betonte er. Ein Beispielt dafür ist dem Heiligen Vater zufolge „der Versuch des Menschen, den Ursprung des Lebens durch Klonforschung am Menschen an sich zu reißen.“
Das Thema des Treffens von Rimini lautet: „Nicht weil wir uns am Ziel wähnen, machen wir Fortschritte, sondern weil wir uns beständig nach ihm ausrichten.“
Der Papst sagte: „Da wird der Titel des Treffens greifbar: Der Mensch versucht mit Gewalt, die Wahrheit und die Gerechtigkeit an sich zu reißen und auf Werte zu reduzieren, die er beliebig anpassen kann. Er erkennt keine Grenzen an, außer denen der technischen Machbarkeit.“
„Der Weg, den Christus lehrt, ist aber ein anderer: Er lehrt die Achtung vor dem Menschen, an der sich jede Forschung zunächst ausrichten muss. Die Forschung muss den Wert des Menschen begreifen und dem Menschen dienen und ihn nicht nach eigenen Plänen und in einer Arroganz manipulieren, die sich für besser als den Schöpfer selbst hält,“ betonte Johannes Paull II. „Der Mensch, der mit der Anmaßung eines Prometheus sich selbst zum Herrn über Gut und Böse macht, erklärt den Fortschritt zu seinem absoluten Ideal und wird schließlich an ihm zugrunde gehen“, hielt er fest.
In diesem Zusammenhang lädt das Thema des Treffens von Rimini dazu ein, „über den Schöpfer zu staunen, der alles in Schönheit und Ausgewogenheit geschaffen hat und bestehen lässt. Nur diese Demut vor der Größe und dem Geheimnis der Schöpfung kann den Menschen vor den unseligen Folgen seiner eigenen Arroganz retten“, schloss der Papst.
Das Meeting für die Freundschaft der Völker endet am Samstag.