Papst zu den Jugendlichen:„Lasst eure Sehnsüchte nicht ins Leere laufen“

Gebetsvigil mit über einer Million Jugendlichen

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MADRID, 21. August 2011 (ZENIT.org). - Gestern Abend um 20.30 Uhr stand Papst Benedikt XVI. auf dem Gelände des Madrider Flughafens „Cuatro Vientos“ der Gebetswache mit den Jugendlichen des Weltjugendtags vor, die seit dem Morgen auf dem Flughafenplatz zusammengeströmt waren. Bei seiner Ankunft in der Nähe der Tribüne wurde der Papst vom Stabschef und von den für den Bereich zuständigen Regierungsvertretern in Empfang genommen.  

Die Gebetswache bestand aus drei Elementen: der Prozession mit dem Weltjugendtagkreuz, dem Wortgottesdienst, der Aussetzung und dem Segen mit dem Allerheiligsten Altarssakraments. Während der Prozession zur Eröffnung trugen Jugendliche der fünf Kontinente das Weltjugendtagskreuz, während ein anderer Zug die Marienikone herbeitrug. Nachdem das Kreuz und die Ikone an ihrem Platz aufgestellt worden waren, zündeten die Jugendlichen Kerzen an. Im Verlauf des Wortgottesdienstes stellten mehrere Jugendliche dem Papst einige Fragen, auf die er in seiner Predigt antworten wollte. Nach der Verkündigung des Evangeliums begann der Papst seine Ansprache, die jedoch nach wenigen Worten durch einen heftigen Regenschauer unterbrochen werden musste. Nach einer längeren Pause beschränkte der Heilige Vater sich auf die Verlesung seiner Grußworte in den verschiedenen Sprachen.

In seiner (schriftlich veröffentlichten) Ansprache begrüßte der Heilige Vater alle Anwesenden und dankte den Jugendlichen für die aufrichtigen Fragen, die sie ihm gestellt hätten. In ihnen käme die Sehnsucht zum Ausdruck, im Leben etwas Großes, Erfüllendes und Beglückendes zu erreichen. „Doch wie kann ein junger Mensch in der heutigen Gesellschaft dem christlichen Glauben treu sein und weiter nach großen Idealen streben?“, fragte der Heilige Vater.

Zur Beantwortung dieser Frage zitierte er einen Satz aus dem Evangelium: „„Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe!" (Joh 15,9).“ Die Liebe Gottes ist nach den Worten des Papstes die „große Wahrheit unseres Lebens, die allem anderen Sinn gibt.“ Die Existenz des Menschen sei nicht das Ergebnis von Zufälligkeit und Irrationalität, sondern habe ihren Ursprung in einem Liebesplan Gottes. Der Mensch bleibe in Gottes Liebe durch ein im Glauben verwurzeltes Leben.

Der Glaube sei mehr als das Annehmen von Glaubenswahrheiten. Er sei die innige Beziehung zu Christus, die den Menschen für die Liebe öffne und ihn dazu befähige, aus dem Bewusstsein der Liebe Gottes sein Leben zu gestalten. Der Glaube vervollkommne die höchsten Ideale des Menschen und sei in schwierigen Situationen eine Quelle der Freude. Daher appellierte Benedikt XVI. an die Jugendlichen, nach dem Höchsten zu streben: „Richtet euch nicht nach etwas Geringerem als nach der Wahrheit und der Liebe aus, richtet euch nur nach Christus aus“, sagte er, und fügte hinzu: „Gerade in der heutigen Zeit, in der die vorherrschende relativistische Kultur die Suche nach der Wahrheit, die das erhabenste Bestreben des menschlichen Geistes ist, aufgibt und verachtet, müssen wir mutig und voll Demut wieder die universale Bedeutung Christi als Retter aller Menschen und Hoffnungsquelle für unser Leben darlegen.“

Christus zeige allen Leidenden seine liebende Nähe, weil er selbst die Leiden der Menschen auf sich genommen habe. Wer sich in seinem Leiden mit dem Leiden Christi vereine, nehme am Erlösungswerk Christi teil. Zudem bezeuge die selbstlose Sorge für die Leidenden das mitleidende Antlitz Gottes.

Papst Benedikt XVI. sprach den Jugendlichen angesichts der heutigen Probleme Mut zu: „Habt keine Angst vor der Welt, noch vor der Zukunft oder vor eurer Schwachheit. Der Herr hat euch geschenkt, in diesem Augenblick der Geschichte zu leben, damit dank eures Glaubens sein Name weiter in der Welt erklingt.“  Er lud die Anwesenden ein, in dieser Gebetsnacht Gott um die Erkenntnis ihrer Berufung und um die Kraft für ihre Verwirklichung zu bitten. Es lohne sich, dem Ruf Christi zu folgen.

Viele junge Menschen hätten – so der Papst - die schöne und anspruchsvolle Berufung zur Ehe. Diese sei ein „Vorhaben wahrhaftiger Liebe, die sich durch das Miteinanderteilen der Freuden und Schwierigkeiten jeden Tag erneuert und vertieft und durch ein Bemühen der gesamten Person gekennzeichnet ist.“ Wer dazu berufen sei, müsse sich bewusst sein, „dass nur ein Bereich der Treue und Unauflöslichkeit sowie der Öffnung für das göttliche Geschenk des Lebens der Großartigkeit und Würde der ehelichen Liebe angemessen ist.“

Zu denjenigen, die Christus zum Priestertum oder zum gottgeweihten Leben beruft, sagte der Papst: „Wie schön ist es zu wissen, dass Jesus dich sucht, seinen Blick auf dich richtet und mit seiner unverwechselbaren Stimme auch zu dir sagt: „Folge mir nach!" (Mk 2,14). Um der Berufung zu einer bestimmten Lebensform treu zu bleiben, sei es notwendig, in der Liebe Christi zu bleiben. Die Freundschaft mit Christus bleibe beständig, wenn sie durch einen häufigen Kontakt und durch das Gespräch mit ihm, durch die gegenseitige Verbundenheit und das Teilen von Hoffnungen und Sorgen gepflegt werde. Der Papst zitierte das berühmte Wort der heiligen Teresa von Avila, wonach das Gebet „„ein freundschaftlicher Umgang (ist), bei dem wir oftmals ganz allein mit dem reden, von dem wir wissen, dass er uns liebt" (Das Buch meines Lebens, 8).

Nach diesen Worten lud der Heilige Vater die Jugendlichen zur Anbetung Christi im Allerheiligsten Altarssakrament ein, um mit dem eucharistischen Herrn über die persönlichen Fragen zu sprechen und ihm zuzuhören. „Bitten wir den Herrn in dieser Nacht, dass wir, von der Schönheit seiner Liebe angezogen, immer treu als seine Jünger leben können.“

In seinen Grüßen an die Jugendlichen in 6 verschiedenen Sprachen ermutigte der Papst sie, auf ihren Glauben stolz zu sein und ihn mit anderen zu vertiefen. Nur der Glaube könne das Leben in jedem Augenblick erleuchten, denn nur Christus könne die Sehnsüchte des Menschen beantworten. Der Papst appellierte an die Jugendlichen: „Lasst eure Wünsche und Sehnsüchte nicht ins Leere laufen, sondern macht sie fest in Jesus Christus. Er selber ist der Grund, der trägt, und der sichere Bezugspunkt für ein erfülltes Leben.“

Er lud die Anwesenden ein, im stillen Gebet der Anbetung Herz und Sinn zu Jesus zu erheben. „Er gieße seinen Geist über uns und die ganze Kirche aus, dass wir ein Leitstern der Freiheit, Versöhnung und Frieden für die ganze Welt sein mögen.“ Benedikt XVI. fuhr fort: „Lasst euch von Gott ergreifen, damit eure Anwesenheit in der Kirche derselben neuen Schwung verleiht!“

Abschließend sagte er: „Liebe Freunde, diese Gebetsvigil wird eine unvergessliche Erinnerung eures Lebens bleiben. Hütet die Flamme, die Gott in dieser Nacht in euren Herzen entzündet hat: Lasst sie nicht verlöschen! Nährt sie täglich, teilt sie mit euren Gleichaltrigen, die im Dunkeln leben und ein Licht für ihren Weg suchen. Danke! Auf Wiedersehen morgen früh!“ (eo)