Papst zum ZdK: Es geht nicht um Strukturen, es geht um den Glauben

Deutschland ist Land der Armut im religiösen Bereich

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FREIBURG, 24. September 2011 (ZENIT.org). – „In Deutschland ist die Kirche bestens organisiert. Aber steht hinter den Strukturen auch die entsprechende geistige Kraft – Kraft des Glaubens an einen lebendigen Gott?“, fragte Papst Benedikt die Vertreter des ZdK bei dem Treffen im Freiburger Priesterseminar am 3. Tag seiner Deutschlandreise, und bezeichnete Deutschland als Land der Armut in den menschlichen Beziehungen und im religiösen Bereich, trotz des ökonomischen Wohlstandes.

Die eigentliche Krise der Kirche in der westlichen Welt sei eine Krise des Glaubens.

Ursache dafür sei der alle Lebensbereiche durchdringende Relativismus. Wohl in Bezug auf seine eigene Person unterstrich der Papst, dieser Relativismus richte sich kämpferisch gegen diejenigen, die eine Wahrheit über den Sinn des Lebens verkünden wollten.

Der Relativismus führe zu Unbeständigkeit, Sprunghaftigkeit und zunehmendem Individualismus. Dieser zeige sich in der Unfähigkeit, Verzichte zu leisten und Opfer auf sich zu nehmen. Auch das wirklich selbstlose Engagement in der Gesellschaft nehme ab. Im Hinblick auf Ehescheidungen erwähnte er als Folge dieser relativistischen Entwicklung auch die mangelnde Bereitschaft, sich ein Leben lang uneingeschränkt an einen Partner zu binden, das heißt, für Treue und Wahrhaftigkeit einzustehen.

In der reichen westlichen Welt müsste das Ganze der menschlichen Person, und zwar wieder in seinem Bezug zum Schöpfer, in den Blick gerückt werden.

Jede strukturelle Reform bliebe wirkungslos, wenn es keine wirkliche Erneuerung des Glaubens gebe, so der Heilige Vater. Die Menschen brauchten Orte, wo sie ihr „inneres Heimweh zur Sprache bringen“ könnten, es mangele an Erfahrung der Güte Gottes. Hier müsse die Neuevangelisierung ansetzen.

„Ein solcher Weg können kleine Gemeinschaften sein, wo Freundschaften gelebt und in der regelmäßigen gemeinsamen Anbetung vor Gott vertieft werden.“

Alle bedürften der Nahrung der Liebe, der konkreten Freundschaften untereinander und mit dem Herrn.

„Wichtig bleibt die Rückbindung an den Kraftstrom der Eucharistie, denn getrennt von Christus können wir nichts vollbringen.“

Nur Gott sei die Quelle für den Menschen, wo er sein tiefstes Verlangen stillen könne.[jb]