Papstbesuch gegen Terrorismus und Krieg für muslimisch-christliches Zusammenleben

Interview mit Bischof Tomasz Peta, Apostolischem Administrator von Astana

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ASTANA, 21. September 2001 (ZENIT.org-FIDES).- "Der Besuch von Papst Johannes Paul II. in Kasachstan ist nicht nur für dieses Land von großer Bedeutung, sonder gleichsam für die ganze Welt." Dies erklärte der Apostolische Administrator von Astana, Bischof Tomasz Peta, in einem Interview mit P. Bernardo Cervellera, Direktor der vatikanischen Missionsagentur Fides, derzeit Korrespondent in Kasachstan.

In einem Klima großer Spannungen, das angesichts der Terroranschläge und Kriegsdrohungen innerhalb der internationalen Gemeinschaft herrscht, ist der Papstbesuch in Kasachstan, einem Land, in dem über 100 Volksgruppen und unterschiedliche Glaubensbekenntnisse zusammenleben, ein Zeichen der Hoffnung. In einem Gespräch erläutert Bischof Peta die Erwartungen und das Engagement der christlichen und muslimischen Gemeinschaften.

FRAGE: Der Besuch des Papstes findet in einem Augenblick großer internationaler Spannung statt. Die Spannung konzentriert sich insbesondere auf Zentralasien, so dass viele vermuteten, der Papstbesuch müsse abgesagt oder verschoben werden. Wie beurteilen Sie die Lage?

TOMASZ PETA: Die Lage ist hier sehr ruhig. Weder in den Reihen der Regierung noch unter der Bevölkerung gibt es Anzeichen der Spannung. Die Regierung arbeitet sehr gut mit der Kirche zusammen. Nach der Tragödie in den Vereinigten Staaten ist dieser Besuch nicht nur für unser Land, sondern gleichsam für die ganze Welt von großer Bedeutung. Es wäre eine Tragödie, wenn dieser Besuch nicht stattfinden würde. Die derzeitige weltweite Lage macht diesen Besuch um so notwendiger. Dies ist ein Zeichen der Unabhängigkeit der "Politik" des Papstes von der internationalen Politik. Vielleicht hätte der Krieg schon begonnen, wenn dieser Besuch nicht geplant wäre. (Siehe Meldung ZG01092101). Der Besuch des Papstes wird deutlich machen, dass die Welt von der Kraft Gottes und nicht von der Macht des Terrorismus geleitet wird. Dies wird allen Hoffnung geben. Würde dieser Besuch nicht stattfinden, dann hätten die Mächte der Spaltung nicht nur hier, sondern auf der ganze Welt gesiegt.

FRAGE: Dieser Besuch in einem muslimischen Land widerlegt wohl die Theorie, dass der Terrorismus mit Luftangriffen bekämpft werden kann?

TOMASZ PETA: Kasachstan ist ein ganz besonderes Land, weil über die Hälfte der Bevölkerung muslimische und ein Großteil christliche Wurzeln hat. Für gewöhnlich gibt es auf der Welt muslimische oder christliche Länder, in denen Angehörige der jeweils anderen Religion in der Minderheit leben. Hier besteht ein gewisses Gleichgewicht. Wenn ein Zusammenleben hier nicht möglich ist, dann nirgends.

In Kasachstan leben über 100 unterschiedliche Volksgruppen zusammen und in den 10 Jahren seit der Unabhängigkeit hat es nie einen Konflikt mit ethnischem oder religiösem Hintergrund gegeben.

FRAGE: Dieses Land hat große Kapazitäten aber auch große Probleme. Wird der Besuch des Papstes etwas ändern?

TOMASZ PETA: Die Gegenwart des Papstes wird uns spirituelle Kraft geben. Wir erhoffen uns keine Verbesserungen unter politischen Gesichtspunkten: es gibt bereits ein Konkordat und Religionsfreiheit. Doch wir werden Kraft aus dem Geist schöpfen, von dem der Papst Zeugnis geben wird. Dies gilt nicht nur für uns, sondern auch für alle anderen Religionen. Im ganzen Land beträgt der Anteil der katholischen Gläubigen nur etwa 2-3%. Wir erhoffen uns einen Beistand für unsere Mission. Dies erwarten auch Muslime und alle Menschen guten Willens.

FRAGE: Werden auch Pilger aus anderen Teilen Zentralasiens erwartet?

TOMASZ PETA: Ja: wir erwarten über 300 Katholiken aus Usbekistan, rund 200 aus Kirgisistan und etwa 100 aus Tadschikistan. Aus Turkmenistan werden zusammen mit dem Bischof rund 700 Gläubige kommen. Diese Daten beziehen sich auf offizielle Pilgerreisen, aber es werden auch Gläubige privat anreisen. Es gibt uns Mut, dies zu wissen, vor allem wenn man daran denkt, welch große Entfernungen diese Menschen zurücklegen müssen.

FRAGE: Werden auch Besucher aus China kommen?

TOMASZ PETA: Davon weiß ich nichts. Ich weiß nicht, ob die Grenzen offen sind und ob die chinesischen Behörden eine entsprechende Ausreiseerlaubnis erteilen. Es gibt jedoch viele Chinesen, die in Kasachstan leben und arbeiten. Sie sind natürlich eingeladen wie alle anderen. Auf jeden Fall wird es ein Zeichen aus China geben: der Abdeckung des Altars in Form einer Jurte kommt aus dem östlichen Nachbarland.

FRAGE: Hier gibt es eine orthodoxe Gemeinde, die gute Beziehungen zur katholischen Kirche unterhält. Bereits im Zusammenhang mit dem Papstbesuch in der Ukraine wurde vermutet, dass der Papst über Rumänien, Griechenland, die Ukraine und Kasachstan nach Moskau gelangen wollte...

TOMASZ PETA: Die orthodoxe Kirche in Kasachstan untersteht dem Patriarchat Moskau. Unsere Beziehungen sind tatsächlich sehr gut, zumindest im Rahmen des Möglichen. Ein Vertreter der russisch-orthodoxen Kirche hat die Beziehungen zwischen Katholiken und Orthodoxen in Kasachstan als "geschwisterlich" bezeichnet. Dass ein Vertreter des Patriarchats Moskau die Dinge so sieht, hat uns sehr gefreut. Im übrigen hat sich das Patriarchat nie offiziell ablehnend geäußert, was den Papstbesuch in Kasachstan anbelangt, im Gegensatz zu dem, was im Zusammenhang mit dem Besuch in der Ukraine geschehen war. Der orthodoxe Erzbischof Alexeij von Almaty ist krank, aber ein Vertreter wird in seinem Namen an verschiedenen Veranstaltungen teilnehmen: zum Beispiel an der Begegnung des Papstes mit den Jugendlichen und mit den Vertretern der Kultur. In der Ukraine waren bei keiner Gelegenheit orthodoxe Delegierte vertreten. Die Orthodoxen haben sich bei uns sogar für die Einladung bedankt. Auf jeden Fall möchten wir nicht, dass unser Bemühen um die Einheit die Beziehungen zwischen Moskau und der orthodoxen Glaubensgemeinschaft in Kasachstan beeinträchtigt.

FRAGE: Und wie steht es um die Beziehungen zu den Muslimen?

TOMASZ PETA: Auch die Muslime werden problemlos an den verschiedenen Veranstaltungen teilnehmen. Der Großmufti wird sogar beim Papstgottesdienst anwesend sein. Dies gilt auch für die lutherische Kirche und ihren Bischof.

Dieser Besuch wird nicht nur für Kasachstan, sondern für die ganze Welt nützlich sein. Er ist Anlass zur Erneuerung. An der Universität führte einer meiner Priester gestern ein Gespräch mit zwei Studentinnen, die ihm erklärten: "Wir wollen dem Papst begegnen, weil wir verstehen wollen, was Religion bedeutet. Bisher haben wir Religion als Tradition und Brauch erlebt, doch unserer Fragen sind tiefgreifender. Zum Beispiel: ich bin Russin, sie ist Kasachin, weshalb wir unterschiedliche Traditionen haben, doch wir haben dasselbe Herz und wollen gemeinsam beten.". Dieser Besuch wird den Menschen dabei helfen, den Sinn des Lebens zu verstehen. Dies bedeutet nicht, dass alle zum katholischen Glauben übertreten werden, doch der Papst wird den Menschen bewusst machen, was es bedeutet, an Gott zu glauben. Niemand wird denken: "Ich werde Katholik", doch alle werden denken: "Der Papst wird mir helfen, mein eigenes Leben zu verstehen".