Papstbesuch im Zentrum Astalli in Rom

"Danke, dass ihr unsere Würde schützt"

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 493 klicks

Am gestrigen Nachmittag besuchte Papst Franziskus das sogenannte „Centro Astalli“ in Rom, ein von Jesuiten geleitetes Zentrum für Flüchtlinge in Italien. Er sagte dort, die Menschen dürften keine Angst vor Unterschieden haben; die Brüderlichkeit lasse entdecken, dass sie ein Reichtum, ein Geschenk für alle seien. Am Ende des Besuchs in der Mensa des Zentrums ging der Pontifex in die Kirche, dem wichtigsten und bedeutendsten Ort für das Zentrum, da hier sein Gründer, Pater Pedro Arrupe, begraben liegt.

Rom ist nach Lampedusa und anderen Aufnahmelagern die zweite Etappe, wo die Flüchtlinge nach einer schwierigen und anstrengenden, oft auch brutalen Reise hinkommen. Papst Franziskus erinnerte diesbezüglich besonders an die Frauen, an die Mütter, die all das aushielten, um ihren Kindern eine bessere Zukunft und eine neue Lebenshoffnung zu geben. Wie oft stehe auf der Aufenthaltsgenehmigung vieler Personen „internationaler Schutz“, und doch seien sie gezwungen, in menschenunwürdige Situationen zu leben, ohne die Möglichkeit, ein würdiges Leben zu beginnen. In diesem Zusammenhang dankte der Pontifex dem Zentrum und anderen kirchlichen Einrichtungen, öffentlichen und privaten, die sich um diese Personen kümmern. Er lud alle ein, die Hoffnung immer aufrecht zu erhalten.

„Zu helfen, Vertrauen wiederzugewinnen! Zeigen, dass mit Gastfreundschaft und Brüderlichkeit ein Fenster zur Zukunft geöffnet werden kann, mehr als ein Fenster, eine Tür, und dass man noch eine Zukunft hat! Und es ist schön, dass gemeinsam mit den Jesuitenpatern männliche und weibliche Christen, Nichtgläubige und die anderer Religionen etwas für die Flüchtlinge tun, vereint im Namen des Allgemeinwohls, das für uns Christen insbesondere in der Liebe des Vaters in Jesus Christus liegt.“

Der Papst erinnerte daran, dass der heilige Ignatius von Loyola wollte, dass es einen Platz für die Ärmsten in den Räumlichkeiten gebe, wo er in Rom lebte. Als Padre  Arrupe 1981 den Dienst der Jesuiten gründete, wollte er, dass ihr römischer Sitz sich in eben diesen Räumlichkeiten befinde.

In drei Worten fasste Papst Franziskus das Arbeitsprogramm der Jesuiten und ihrer Mitarbeiter zusammen: dienen, begleiten und schützen. Dienen bedeute, sich vor denjenigen, der es braucht, hinzuknien und ihnen die Hand zu halten, so, wie Christus sich hingekniet habe, um den Aposteln die Füße zu waschen. Dienen heiße, mit den Bedürftigsten menschliche Beziehungen aufzubauen, Verbindungen der Solidarität.

„Solidarität, dieses Wort macht der entwickelten Welt Angst. Man bemüht sich, es nicht auszusprechen. Solidarität scheint fast ein Schimpfwort zu sein. Aber es ist unser Wort! Dienen bedeutet, die Fragen der Gerechtigkeit, der Hoffnung, zu erkennen und zu sammeln und gemeinsam Wege zu suchen, konkrete Schritte der Befreiung.“

Papst Franziskus erinnerte daran, dass die Armen privilegierte Lehrer unseres Bewusstseins von Gott seien. Ihre Zerbrechlichkeit und Einfachheit decke unseren Egoismus auf, unsere falsche Sicherheit, unsere Erwartungshaltung gegenüber unserem Selbstbegnügen. Sie führen uns zur Erfahrung der Nähe und Zärtlichkeit Gottes, dazu, in unserem Leben seine Liebe zu erfahren, seine Barmherzigkeit, die sich mit zurückhaltendem und geduldigem Vertrauen unser annimmt, unser aller.“

Papst Franziskus wünschte sich, dass alle Menschen, die in der Diözese Rom leben, sich fragten, ob sie verschlossen in sich selbst leben oder wüssten, anderen zu dienen, wie Christus, der gekommen sei, um zu dienen bis hin zu dem Punkt, sein Leben zu geben.

Der zweite Punkt sei das Begleiten. Der Papst erinnerte in diesem Zusammenhang an den Weg, den das Zentrum seit seiner Gründung zurückgelegt habe, von der ersten Aufnahme bis hin zum Begleiten der Menschen bei der Arbeitssuche und bei der sozialen Integration. Das Zentrum habe so eine Kultur der Begegnung und der Solidarität gefördert. Papst Franziskus erinnerte daran, dass die Aufnahme allein nicht reiche. Echte Barmherzigkeit erwarte auch von der Kirche, von der Stadt Rom, dass niemand mehr eine Mensa benötige, eine Zufallsunterkunft, eine Unterstützung, um das Recht auf Leben und Arbeiten, eine Person zu sein, zu bekommen.

Am Ende erinnerte der Pontifex daran, dass Schützen bedeute, sich auf die Seite des Schwächeren zu stellen. Oft wolle man demjenigen keine Stimme geben, der leide, der die eigenen Rechte mit Füßen getreten gesehen habe, der viel Gewalt habe erleiden müssen und dessen Wunsch nach Gerechtigkeit erstickt worden sei. Für die gesamte Kirche sei es wichtig, dass die Aufnahme der Armen und das Vorantreiben der Gerechtigkeit nicht allein in die Hände von Spezialisten übergeben würden, sondern für die gesamte Pastoral von Bedeutung seien, sei es bei der Ausbildung zukünftiger Priester, sei es das Bemühen aller Gemeinden und Bewegungen. Papst Franziskus erinnerte daran, dass der Herr dazu aufrufe, die Aufnahme der Armen in den Gemeinden mutiger anzugehen.

„Liebe Gläubige, die leeren Konvente dienen der Kirche nicht, um sie in Hotels zu verwandeln und Geld damit zu verdienen. Die leeren Konvente gehören euch nicht, sie sind für das Fleisch Christi, die Flüchtlinge. Der Herr ruft dazu auf, mit mehr Mut und Großzügigkeit die Aufnahme der Armen in den Gemeinden, in den Häusern, in den leeren Konventen, anzugehen. Dies ist sicherlich nicht einfach, es benötigt Kriterien, Verantwortung, aber auch Mut.“

Der Pontifex lud dazu ein, der Versuchung der spirituellen Mondänität zu wiederstehen, um den Letzten näher zu sein. Es brauche solidarische Gemeinden, die die Liebe in konkreter Form leben würden.

„Jeden Tag stellen sich hier und in anderen Zentren vor allem junge Menschen in eine lange Reihe für eine warme Mahlzeit. Diese Menschen erinnern uns an die Leiden und Dramen der Menschheit. Aber diese Reihe sagt uns auch, dass etwas zu tun, jetzt, möglich ist. Es reicht an die Tür zu klopfen und zu sagen: ‚Ich bin da. Womit kann ich helfen?‘.“

Zum Schluss dankte er dem Zentrum mit den Worten: „Danke, dass ihr eure, unsere menschliche Würde schützt.“