Papstbesuch in Bayern setzt ökumenische Akzente

Begegnung mit jüdischer Gemeinde in Regensburg ist freundschaftlicher Natur

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MÜNCHEN, 8. September 2006 (ZENIT.org).- Der Ökumenebeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz erklärte gestern in München, dass Papst Benedikt XVI. bei seinem Besuch in Regensburg auch mit Vertretern der Jüdischen Gemeinde zusammentreffen werde. "Viele Mitglieder kennt der Heilige Vater seit Jahren. Das wird ein herzliches Wiedersehen sein", so antwortete der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller auf die Fragen von Journalisten.



Bei der Ökumenischen Vesper am 12. September soll die jüdische Delegation zusammen mit katholischen, evangelischen und orthodoxen Christen durch das Westportal in den Regensburger Dom einziehen, Psalmen beten und singen sowie eine Lesung aus dem Neuen Testament und eine Ansprache des Papstes hören.

"Jesus selbst hat uns den Auftrag gegeben für die Einheit der Christen einzutreten", unterstrich Bischof Müller, der ehemalige Münchener Dogmatikprofessor. "So geben wir aus der Tiefe einer geistlichen Ökumene und mit redlichem Herzen im gemeinsamen christlichen Abendlob im Regensburger Dom Zeugnis für die schon bestehende Einheit. Mit den Christen anderer Konfessionen beten wir um ihre Vollendung. Ausgerichtet auf die bleibende Mitte, die Christus selbst ist, wird uns die ökumenische Feier einladen, erneut und intensiv über den Willen und Auftrag Jesu nachzudenken: 'Alle sollen eins sein: Wie du, Vater in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast' (Joh 17,21)." Die vollständigen Ausführungen des Bischofs sind im Internet zugänglich.

Bischof Müller bestätigte vor der Presse, dass "der orthodoxe Metropolit Augustinos von Deutschland und der evangelisch-lutherische Landesbischof Friedrich von Bayern sowie zahlreiche Vertreter anderer Konfessionen" an dieser ökumenischen Vesper teilnehmen werden.

"Als Christen dürfen wir uns nicht nur auf die uns trennenden Elemente in der Lehre, die nicht verschwiegen werden dürfen, konzentrieren, sondern wir dürfen die bereits erreichten Gemeinsamkeiten als Basis für unser weiteres Streben nach der Einheit nehmen", fügte der Bischof hinzu. "Die Wahrheit ist dabei die Norm und das Ziel aller Bestrebungen. Von diesem Abendlob der Christen werden Signale der Hoffnung ausgehen."

In seiner Ansprache hatte der Münchener Erzbischof Friedrich Kardinal Wetter zuvor hervorgehoben: "Viele evangelische und orthodoxe Christen freuen sich mit uns und wollen dem Papst begegnen. Und auch Menschen jüdischen Glaubens nehmen Anteil. Aus allen Bevölkerungsgruppen bekunden viele Respekt und Zustimmung."

Nicht nur bei den Katholiken der drei Diözesen München und Freising, Passau und Regensburg, die der Papst besuchen wird, herrsche große Freude, wertete der bayrische Oberhirte die Stimmung. "Bayern freut sich und unzählige Menschen in der ganzen Bundesrepublik" (vgl. Statement von Friedrich Kardinal Wetter).

Auf die Frage nach der Integration von Muslimen erklärte ein Sprecher der Erzdiözese München und Freising, dass es bei diesem Ereignis und seiner Zielsetzung keine Pläne einer Beteiligung von Gläubigen aus dem Islam gegeben habe; es lägen auch keine diesbezüglichen Anfragen von Vertretern der Moslems vor.

Der Passauer Bischof Wilhelm Schraml sieht im Besuch des Papstes in Altötting "den emotionalsten Moment" seiner Reise (vgl. Statement). Er wünscht sich, dass der Besuch Benedikts XVI. "im Herzen Bayerns und in einem der Herzen Europas" den Gläubigen als Ansporn diene, "die eigene Herzensmitte des Glaubens wieder mehr in den Blick zu nehmen, aus dieser Mitte heraus zu leben und Gesellschaft und Geschichte zu gestalten".