Papstbesuch in einer römischen Pfarrei: Jesu Angesicht immerfort suchen

„Nur das Wasser des Geistes löscht den Durst des Menschen nach dem Unendlichen“

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ROM, 25. Februar 2008 (ZENIT.org).- Am dritten Fastensonntag (24. Februar) besuchte Papst Benedikt XVI. die Pfarrei Santa Maria Liberatrice im römischen Stadtviertel Testaccio. Anlass war der 100. Jahrestag der Kirchweihe.



Benedikt XVI. war nach Paul VI. (20. März 1966) und Johannes Paul II. (14. Januar 1979) der dritte Papst, der der Pfarrei einen Besuch abstattete.

In seiner Predigt kommentierte der Heilige Vater das Sonntagsevangelium und betonte: „Nur das Wasser der Heiligen Geistes ist in der Lage, den Durst des Menschen nach dem Unendlichen zu löschen.“ Die Evangeliumsstelle über die Begegnung der Samariterin mit Jesus am Jakobsbrunnen vermittle eine „stets lebendige und immer aktuelle Botschaft“, bekräftigte der Bischof von Rom. „Gott dürstet nach unserem Glauben, und er will, dass wir in ihm die Quelle unseres wahren Glücks finden.“

Jeder Gläubige laufe Gefahr, eine nicht authentische Religiosität zu praktizieren und die Antworten auf seine tiefsten Fragen nicht in Gott zu suchen, sondern diesen vielmehr zu instrumentalisieren, so als stünde er im Dienst unserer eigenen Wünsche und Pläne.

Der physische Durst sei unverzichtbar für das Leben auf der Erde. Der Mensch aber habe auch einen geistlichen Durst, und den könne niemand außer Gott löschen: „einen Durst nach dem Unendlichen, der nur vom Wasser gelöscht werden kann, das Jesus anbietet, dem lebendigen Wasser des Geistes“.

Das Gespräch zwischen Jesus und der Frau lasse einen geistlichen Weg erkennen, den zu durchlaufen ein jeder Christ aufgerufen sei. Benedikt XVI betonte diesbezüglich, dass der Glaube aus der Begegnung mit Jesus hervorgehe, der als „endgültiger Offenbarer und Retter“ angenommen werde. Habe Jesus erst einmal das Herz der Samariterin erobert, sei ihr Dasein verwandelt worden, und ohne Zögern überbringe sie dann ihren Leuten die gute Nachricht. Die Liturgie rufe somit dazu auf, die eigene Christusbeziehung zu überdenken und immerfort sein Antlitz zu suchen, ohne müde zu werden.

Der Papst ging auch auf die Geschichte des Viertels und der Pfarrei ein. Der heilige Papst Pius X. habe die Pfarrei den Salesianern anvertraut, die unter der Leitung des seligen Don Michele Rua, Schüler des heiligen Don Bosco, die Kirche errichtet hätten. Auch wenn es sich nunmehr um ein Viertel im Herzen Roms handle, habe es seine spezifische territoriale und kulturelle Identität bewahrt, erläuterte Benedikt XVI.

Der Papst lobte das Werk der Evangelisierung und der christlichen und menschlichen Erziehung, das die Salesianer in der Pfarrei vollbringen. Sie forderten die Gläubigen dazu auf, ihr Herz immer mehr für ein missionarisches Wirken zu öffnen, „das jeden Christen dazu drängt, den Menschen dort zu begegnen, wo sie leben, arbeiten und ihre Freizeit verbringen, um ihnen die barmherzige Liebe Gottes zu verkünden“.

Nach der heiligen Messe begegnete der Bischof von Rom den Mitgliedern der Pfarrgemeinde im Pfarrsaal. Einer der Gläubigen sagte bei dieser Gelegenheit ein Gedicht in römischem Dialekt auf. In seiner frei gehaltenen Ansprache dankte Benedikt XVI. für die ihm entgegengebrachte Freundlichkeit. „Leider spreche ich den römischen Dialekt nicht“, so der Papst. „Aber als Katholiken sind wir alle ein wenig Römer, tragen Rom in unseren Herzen und verstehen so etwas vom römischen Dialekt.“

Er bedankte sich für die sichtbare Anwesenheit der Verantwortlichen der verschiedenen Tätigkeiten der Pfarrei, um erneuert an das Evangelium von der Samariterin am Jakobsbrunnen zu erinnern, die uns „wie ein Repräsentant des modernen Menschen, des modernen Lebens erscheinen kann“. Sie habe stets breiten Gebrauch von ihrer Freiheit gemacht, ohne jedoch dadurch wirklich freier zu werden, sondern leerer. Dennoch zeige diese Frau die große Sehnsucht nach Glück und wahrer Freude auf. Aus diesem Grund sei sie innerlich unruhig gewesen und habe sich immer mehr vom wahren Glück entfernt.

In dieser Frau und in ihrer Begegnung mit Christus könnten wir einen Spiegel unseres Lebens von heute ausmachen, so der Papst. Es sei zu erkennen, das in der Tiefe des Herzens immer die Frage nach Gott stehe. Unser wahres Handeln bestehe in der Erwartung des Lichtes des Herrn, die uns im Glauben wachsen lasse; einem Glauben, „der jenes Wasser ist, nach dem wir dürsten“.

Zwei Sätze hatten Papst Benedikt XVI., wie er selbst betonte, bei seinem Besuch besonders berührt: das Wort des Pfarrers, der sagt: „Wir haben mehr Zukunft als Vergangenheit.“ Der zweite Satz stammte von einem Vertreters des Gemeinderates: „Die wahre Heiligkeit besteht im Frohsein.“ Die Heiligkeit, so Benedikt XVI., zeige sich in der Heiterkeit, die aus der Begegnung mit Christus entstehe.