Papstbesuch in La Verna wegen Schlechtwetters abgesagt

In seiner Botschaft an die ihn erwartende Gemeinde der Wallfahrtskirche lädt Benedikt XVI. dazu ein, dem Beispiel des hl. Franziskus zu folgen

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von Salvatore Cernuzio

ROM, 14. Mai 2012 (ZENIT.org).- Musik, die leuchtenden Farben der Fahnenschwinger und eine dem Heiligen Vater unermüdlich zujubelnde Menschenmenge. Dieses Bild bot sich gestern Nachmittag in Arezzo, bevor sich der Papst nach dem gemeinsamen Mittagessen mit den Bischöfen der Toskana im Bischofspalast wieder von der Stadt verabschiedete.

Diese durch Wärme und Herzlichkeit geprägte Atmosphäre bewog den Papst zu einer spontanen Geste. Vom Fenster des Bischofspalastes aus dankte er aus ganzem Herzen „für diese wunderbare Präsentation eurer großen Renaissancekultur, die mein Herz tief berührt hat“.

Er fuhr folgendermaßen fort: „Wer es vermag, die Kultur der Vergangenheit auf so gelungene Art und Weise zu vergegenwärtigen, vermag es auch, der Zukunft das Tor zur Kultur zu öffnen, denn er kennt den Menschen, er liebt den Menschen, der die große Würde besitzt, nicht nur Mensch, sondern das Ebenbild Gottes zu sein“.

Abschließend sagte der Papst: „Wenn wir wahrhaft das Ebenbild Gottes sind, dann sind wir in der Lage, weiterzugehen, die Prüfungen der Gegenwart zu bestehen und Wege für die neue Zukunft zu ebnen“.

Mit denselben Worten der Ermutigung im Geiste wollte sich der Heilige Vater auch nach La Verna, der zweiten Etappe der apostolischen Reise laut Plan, begeben. Dort war ein Zusammentreffen mit den Mönchen und den Ordensfrauen der Klarissen am Heiligtum des berühmten Wallfahrtsortes La Verna geplant,  wo der hl. Franziskus im Jahre 1224 die Wundmale Jesu empfangen hatte. Aufgrund eines plötzlichen Temperaturabsturzes und Schlechtwetters musste der Papst jedoch darauf verzichten.

Er richtete folgenden Gruß an die Diözese von Arezzo Cortona San Sepolcro: „Trotz des schlechten Wetters ist unser Herz erfüllt von Licht und Freude“. Gerade aus diesem Grund wollte der Nachfolger Petri der Gemeinde des Wallfahrtsortes eine persönliche Botschaft senden.

Darin ist ebenfalls ein Aufruf enthalten: „Um ein Christ zu sein genügt es weder, sich als Christen zu bezeichnen, noch gute Taten zu vollbringen. Durch ein langsames, fortschreitendes Bemühen, das eigene Sein zu wandeln, muss man mit Jesus eins werden“, heißt es im Dokument.

Weiter unten im Brief des Papstes liest man folgendes: „Tragt durch das Beispiel eines von den Werten des Evangeliums inspirierten Lebens die Liebe Gottes in unsere oft vom Individualismus verschlossene Welt hinein; werdet zu Zeichen der unendlichen Barmherzigkeit Gottes“.

An das Vorbild des „Armen von Assisi“ erinnernd, schloss Benedikt XVI. mit folgenden Worten: „Seid beharrlich im Nachahmen Christi, damit der, der euch begegnet, dem hl. Franziskus begegnet und durch ihn dem Herrn begegnet“.

[Übersetzung des italienischen Originals von Sarah Fleissner]