Papstbesuch in Neapel sieht Treffen mit Teilnehmern des interreligiösen Friedenstreffens vor

Vorbereitungen, Hoffnungen und Herausforderungen

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ROM, 30. August 2007 (ZENIT.org).- Die ganze Kirche Neapels bereitet sich nach Worten des Erzbischofs der Stadt, Kardinal Crescenzio Sepe, auf den Besuch des Heiligen Vaters Benedikt XVI. vor, der für den 21. Oktober vorgesehen ist.



Der Kardinal erklärte gestern, Mittwoch, gegenüber „Radio Vatikan“, dass die Annahme der Einladung durch Benedikt XVI. dessen besondere Liebe für das Bistum Neapel erkennen lasse. „Der Heilige Vater wir all denen, die in einem schönen, aber oft nicht leichten Umfeld arbeiten, eine Injektion der Zuversicht geben.“

Der Besuch Benedikts XVI. fällt mit der Eröffnung der 21. Internationalen Interreligiösen Treffens für den Frieden zusammen. Die Begegnung steht unter dem Thema: „Religionen und Kulturen – Dialog für eine Welt ohne Gewalt“ (21. - 23. Oktober 2007).

Der Papst wir aus dem Vatikan im Helikopter anreisen und der Heiligen Messe vor dem neapolitanischen Königspalast auf der über dem Meer gelegenen zentralen Piazza del Plebiscito vorstehen. Nach dem Angelus wird er in Capodimonte mit den christlichen Delegationen und Vertretern anderer Religion zusammentreffen. Unter anderem werden der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel, der Metropolit Kyrill von Smolensk sowie der Erzbischof von Zypern Chrysostomos II. anwesend sein. Nach dem Mittagessen und einer kleinen Ruhepause wird sich der Heilige Vater in den Dom von Neapel begeben, um die wunderbare Blutreliquie des heiligen Gennaro zu verehren.

Kardinal Sepe gab an, dass sich die Diözese bis in ihre kleinsten Realitäten hinein auf diesen Besuch vorbereite. Das Motto des Papstbesuchs laute deshalb: „Neapel begegnet Petrus“.

Während des Internationalen Interreligiösen Friedenstreffens wird die Stadt rund 300 Persönlichkeiten der Weltreligionen aus 70 Ländern sowie verschiedene Exponenten aus der Politik, unter ihnen den aus Neapel stammenden italienischen Staatspräsidenten Giorgio Napolitano beherbergen. Dazu kommen Vertreter des diplomatischem Korps und Gelehrte aus aller Welt.

Die katholische Kirche wird von den Kardinälen Walter Kasper (Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen), Raffaele Martino (Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden), Paul Poupard (Präsident des Päpstlichen Rates für die Kultur) und Jean-Louis Tauran (Präsident des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog) vertreten.

Für die Kirche und die Stadt Neapel erwarten sich viele Bürger und Gläubige einen neuen Anstoß zur Überwindung der endemischen Probleme, die mit der organisierten Kriminalität zusammenhängen. Die Kirche Neapels gehört mit ihren Priestern, die oft an einer Frontstellung arbeiten und zu den einzigen institutionellen Wirklichkeiten gehören, die dem organisierten Verbrechen die Stirn bieten, zu den Protagonisten einer neuen Zivilisierung der bürgerlichen Kultur, die sich durch den aktiven Widerstand gegen die Kriminalisierung des alltäglichen Lebens auszeichnet.

Deutschland wurde dieser Tage durch die Ereignisse von Duisburg mit der harten Wirklichkeit und den Folgen des organisierten Verbrechens konfrontiert. Diese Geschehnisse lösten Ärger und Angst aus. In Städten wie Neapel, wo die Bandenkriege verschiedener Clans der Camorra seit Januar dieses Jahres zu weit über 60 Morden geführt haben, gehören Bilder wie die aus Duisburg zum Alltag.

Neapel und Kampanien wurden diesen Sommer auch durch das Problem der Müllverwertung europaweit Gesprächsgegenstand. Die Europäische Kommission beschäftigte sich mit der katastrophalen Situation, insofern sich eine reale Gefahr für die Gesundheit der Öffentlichkeit (Seuchengefahr, Dioxinvergiftungen durch unkontrollierte Müllverbrennung) anbahnte.

Es handelt sich hierbei nicht um Einzelfälle, sondern um das Ergebnis der konkreten Machtausübung des unter dem Namen „Camorra“ bekannten organisierten Verbrechens, das an vielen Schaltstellen des öffentlichen Lebens die Staatsmacht ersetzt.

Die Gegenwart des Papstes in Neapel lenkt das Interesse auf eine Stadt, die sich von der erstickenden Umarmung der kriminellen „Kultur“ der Camorra befreien will. Die Kirche spielt bei diesem schwierigen Wandel eine wesentliche Rolle.