Papstbotschaft an die Verantwortlichen von „Kirche in Not“

„Dort helfen, wo die Not der Kirche am größten ist“

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ROM/MÜNCHEN, 17. September 2007 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Botschaft, die Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone SDB im Auftrag von Papst Benedikt XVI. den Führungskräften des weltweiten pastoralen Hilfswerkes Kirche in Not hat zukommen lassen.



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Aus Anlass des 60-Jahr-Jubiläums von KIRCHE IN NOT versammeln Sie sich in diesen Tagen in Castel Gandolfo, um über den weiteren Weg Ihres Hilfswerkes nachzudenken und diesen Gott im Gebet anzuempfehlen. Dabei orientieren Sie sich an dem Vermächtnis, das Ihnen der Gründer, P. Werenfried van Straaten OPraem., hinterlassen hat, und hören aufmerksam auf die Nöte der Kirche in unserer Zeit. Zum Ausdruck Ihrer Verbundenheit mit dem Nachfolger Petri haben Sie bewusst einen Tagungsort in unmittelbarer Nähe des Heiligen Vaters gewählt und ihn um ein richtungsweisendes Wort für Ihren Dienst in der Kirche und an der Kirche gebeten.

Seine Heiligkeit Papst Benedikt XVI., in dessen Namen ich diese Zeilen Sie richten darf, blickt mit Ihnen allen voller Dankbarkeit auf die sechzigjährige Geschichte von KIRCHE IN NOT und versichert Sie und das gesamte Hilfswerk mit all seinen Wohltätern und Projektpartnern auf der ganzen Welt aus diesem Anlass seiner geistlichen Verbundenheit und seines besonderen Gebetsgedenkens.

Seit Beginn seines Pontifikats hat der Heilige Vater immer wieder betont, dass zu den tiefsten und grundlegendsten Nöten unserer Zeit die Gottvergessenheit vieler Menschen und ganzer Gesellschaften gehört. Einerseits hat der Druck des Säkularismus und des Relativismus als dominant und teilweise diktatorisch auftretende kulturelle Strömungen viele Menschen und auch nicht wenig getaufte Christen in einer Situation der praktischen Gottferne gedrängt. Andererseits gibt es weiterhin Länder, in denen Menschen ihren Glauben an Jesus Christus nicht in Freiheit leben können.

Gott selbst ist in Christus Mensch geworden, und hat unter uns Menschen gewohnt (vgl. Joh 1,14). Die Sendung der Kirche ist es, diese Gegenwart Gottes durch die Erfüllung ihres dreifachen Auftrags fortzuführen: die Verkündigung von Gottes Wort, die Feier der Sakramente, der Dienst der Liebe (vgl. Enzyklika Deus caritas est, 25). Diese „Aufgaben, die sich gegenseitig bedingen und sich nicht voneinander trennen lassen“ (ebd.), sind der Maßstab für das Wirken der Kirche in allen Zeiten. Damit ist auch vorgezeichnet, dass die Kirche den Herausforderungen unserer Epoche begegnen muss, indem sie Kleriker, Ordensleute und Laien dazu ermutigt und befähigt, sich mit aller Kraft in den Dienst des Glaubens, der Liturgie und der Nächstenliebe zu stellen.

In diesem Sinne möchte ich das Hilfswerk KIRCHE IN NOT bestärken, weiterhin einen Gutteil seiner Ressourcen für die Förderung von geistlichen Berufen und engagierten Gläubigen einzusetzen, damit diese über eine umfassende geistliche, menschliche, intellektuelle und pastorale Bildung sowie über die nötigen materiellen Mittel verfügen, um als wirksame Werkzeuge der Gnade Gottes in ihren Ortskirchen und in der Mission tätig zu sein.

Zwei Bereiche verlangen in diesem Zusammenhang eine besondere Aufmerksamkeit. Zunächst ist es offensichtlich, dass die Medien heute ungeheuren Einfluss auf die Kultur und das Leben der Menschen haben. Unter der Mitarbeit und Führung von kompetenten und gläubigen Christen können sie Großes bewirken für die Verbreitung der guten Botschaft des Evangeliums Christi und der christlichen Werte. Die Kirche braucht dringend Menschen, durch die Gott auf diesem weiten Feld verstärkt gegenwärtig sein kann, die seinem Wort Stimme und Gestalt verleihen und die sich alle verfügbaren technischen Möglichkeiten in geeigneter Weise zu Nutze machen, damit seine Heil bringende Botschaft bis an die äußersten Enden der Erde gelangen kann.

Zugleich blicken wir mit großer Sorge auf einige Teilkirchen mit jahrhundertealter Tradition, die heute im Nahen und Mittleren Osten in ihrer Existenz bedroht sind, sowie auf zahlreiche Katholiken, die weitgehend ohne seelsorgerische Begleitung leben müssen und ihren Glauben gar nicht oder nur eingeschränkt gemeinsam und öffentlich bekennen dürfen. Unter den gegenwärtigen Umständen hat die Kirche in einigen Ländern nur wenig Spielraum für ihr pastorales Wirken, doch der Heilige Geist kann auch dort durch kreatives und kluges Vorgehen ungeahnte Möglichkeiten für die Erfüllung ihrer Sendung eröffnen und nicht wenige Menschen zum Glauben an Jesus Christus führen. Er wird uns zeigen, „wann es Zeit ist, von Gott zu reden, und wann es recht ist, von ihm zu schweigen und nur einfach die Liebe reden zu lassen. [Der Christ] weiß, dass Gott Liebe ist (vgl. 1 Joh 4, 8) und gerade dann gegenwärtig wird, wenn nichts als Liebe getan wird“ (Enzyklika Deus caritas est, 31).

Der Allmächtige Gott schenke dem Hilfswerk KIRCHE IN NOT Licht und Kraft, damit es auch in Zukunft dort helfen kann, wo die Not der Kirche am größten ist. Dazu erteilt Seine Heiligkeit Papst Benedikt XVI. Ihnen allen sowie den Mitarbeitern und Wohltätern von KIRCHE IN NOT auf die Fürsprache der Allerseligsten Jungfrau von Fatima, unter deren Schutz Sie sich auf besondere Weise gestellt haben, von Herzen den erbetenen Apostolischen Segen.

Mit dem Ausdruck vorzüglicher Hochachtung und besten persönlichen Wünschen

+ Kardinal Tarcisio Bertone SDB
Staatssekretär Seiner Heiligkeit

Aus dem Vatikan, den 10. September 2007

[Von „Kirche in Not“ veröffentlichtes Original]