Päpstliche Sozialenzyklika im Zeichen der Weltwirtschaftskrise

„Benedikt XVI. ist der richtige Papst für Krisenzeiten"

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ROM, 5. März 2009 (ZENIT.org).- Nach Carlo Di Cicco, Vizechefredakteur des „Osservatore Romano", der Tageszeitung des Vatikans, will Papst Benedikt XVI. in seiner nächsten Enzyklika auf die großen Fragen antworten, die sich aus der aktuellen Weltfinanz- und Weltwirtschaftskrise ergeben.



In einem Leitartikel mit dem Titel „In Erwartung der Sozialenzyklika" (5. März 2009) erklärt Di Cicco, dass die Wirtschaftskrise auch ein Prüfstein sei, nach dem das Lehramt Benedikt XVI. gemessen werden könne.

Die Veröffentlichung der Enzyklika war bereits vor über einem Jahr von den Jesuiten in den USA angekündigt worden. Auch Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone hatte ihr Erscheinen angekündigt. Nun wird sie unter dem Titel „Caritas in veritate" zur Vorbestellung angeboten. Die tragischen Ereignisse im Zuge der Weltwirtschaftskrise, die sich für Wirtschaftsspezialisten und Wissenschaftler bereits Ende des ersten Semesters 2008 als unabwendbar abzeichneten, haben eine weitere Auseinandersetzung mit den Themen der Enzyklika notwendig gemacht.

Papst Benedikt XVI. selbst erklärte am 26. Februar in seinem Gespräch mit dem römischen Klerus, dass gerade angesichts der Probleme auf makroökonomischer Ebene im Verlauf der Arbeiten zur Enzyklika die Schwierigkeit aufgekommen sei, kompetente Dinge zu sagen. Eine solche Kompetenz, mit der man einer gewissen wirtschaftlichen Wirklichkeit gerecht werden müsse, sei erforderlich, um glaubwürdig zu sein. Die Aufgabe der Kirche sei es, so der Papst, die Habgier als Götzendienst anzuklagen. „Große Moralismen" nützten jedoch nichts, da diese nicht auf einer eingehenden Kenntnis der Wirklichkeit beruhten.

Für Di Cicco sind die Anzeichen der „Dämmerung", die im Abendland auszumachen sei, ein Kontext, der eine vorurteilsfreie Bewertung des Handelns des Papstes ermöglicht, durch das die schematischen Lesarten der Wirklichkeit als übereilt und einfältig erkannt werden könnten. Der Papst habe eine Vorstellung davon, wie der Ausweg aus der Krise aussehen könne. Dabei handle es sich allerdings nicht um klar definierte wirtschaftliche Rezepte; es gehe vielmehr darum, dass die Krise nur durch eine Hoffnung überwunden werden könne, die glaubwürdiger sei als jene, die sich aus der Sicht des Marktes oder aus Wirtschaftstheorien ergäbe.

Um diesen Ausweg zu finden, so der Vizechefredakteur, sei es erforderlich, zu einem neuen Sinn des Lebens vorzustoßen. „Die wirtschaftliche Depression wird dadurch überwunden, dass die Depression der Ideale und das Hinwelken der Hoffnung überwunden wird."

Wo sich das Herz und die programmatischen Kapazitäten der Ressourcen träfen, stehe das Wort des Papstes. Es sei dies der Punkt, an dem es sich für alle Beteiligten lohne, mit den intellektuellen und religiösen Anregungen des Papstes in einen Dialog einzutreten; an diesem Punkt könne die christliche Weisheit vernünftig und plausibel erscheinen.

Papst Benedikt wolle aber nicht als „Orakel" betrachtet werden, hebt der Vizechefredakteur hervor. Benedikt XVI. ziehe eine „Rückkehr zur Vernunft" vor, da es ohne diese Rückkehr schwierig werde, die Ernsthaftigkeit des christlichen Vorschlags zu beurteilen und zu schätzen.

Die gestern veröffentlichte Botschaft des Papstes zum Weltjugendtag 2009 (ZENIT berichtete) ist für Di Cicco ein konkretes Beispiel dafür, welcher Geist die kommende Enzyklika beleben könnte. Und um sie wirklich voll und ganz zu verstehen, sei es notwendig, von neuem die zweite Enzyklika Benedikts XVI. „Spe salvi" zur Hand zu nehmen. In diesem Text werde erkennbar, wie das Denken des Papstes immer zu den letzten Konsequenzen des menschlichen Suchens führe.

Absicht des Papstes sei es, so Di Cicco, eine überzeugende Weise zu finden, um die heutigen Generationen dazu zu ermutigen, ihr Vertrauen auf Gott zu setzen. Der Papst leugne nicht die Autonomie der Politik, der Wissenschaft, der Technik und der Wirtschaft, wenn er sage, dass diese alleine nicht ausreichten, um die ganz große Hoffnung zu bieten, nach der alle Menschen suchten. Benedikt XVI. rufe einfach in Erinnerung, dass all diese Dinge nicht ausreichten, um jedes Problem zu lösen. „Benedikt XVI. ist der richtige Papst für Krisenzeiten, denn er versteht es, Trost zu spenden und einen vernünftigen Weg zu weisen, um gemeinsam aus ihr herauszukommen und nicht jeder für sich."

Bereits vor der großen Wirtschafts- und Finanzkatastrophe der letzten Monate habe der Papst die Menschheit vor zwei große Fragen gestellt: die Frage nach der Liebe und nach der Hoffnung, die Mitte des menschlichen Lebens und der christlichen Sendung.  Damit, dass Benedikt XVI. in einer Botschaft an die Weltjugend über so große Probleme nachgedacht habe, zeige er, welche Methode angebracht sei, um die kommenden Generationen zu erziehen.