Päpstlichen Akademie für Theologie: Überlegungen zur Christologie des Zweiten Vatikanischen Konzils

Betrachtung der Theologie in Bezug auf die Glaube-Vernunft Dynamik

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Von Antonio Gaspari

ROM, 3. Februar 2012 (ZENIT.org) – Das zentrale Thema des 6. Internationalen Forums der Päpstlichen Akademie für Theologie war die Christologie des Dokuments „Optatam totius" des II. Vatikanischen Konzils im Rahmen der Glauben-Vernunft-Dialektik.

Das Forum fand vom 26. bis 28. Januar statt und war in vier Sitzungen aufgeteilt, die jeweils unter dem Vorsitz der Kardinäle Zenon Grocholewski, Gianfranco Ravasi, Angelo Amato und Marc Ouellet standen.

Die Gruppe reflektierte auch über die theologische Forschung in ihrer christologischen Dimension und über die Notwendigkeit der Theologen, einen lebendigen Kontakt zum Mysterium Christi zu halten.

Das Forum wurde an der Päpstlichen Lateranuniversität abgehalten. Rektor Pater Enrico dal Covolo präzisierte, dass die wichtigste Frage immer noch die sei, „heutzutage Theologie zu machen", im Rahmen einer erneuerten Dialektik zwischen Glaube und Vernunft. „Vor allem ist eine ‚Erneuerung’ gefragt, und zwar nicht nur der Christologie, sondern auch der Theologie als Ganzes",  betonte er.

Er erklärte, er habe bereits „einige grundlegende Aspekte dieser dringend notwendigen ‚theologischen Erneuerung’, die vom Papst vorgeschlagen wurde, veranschaulichen können: Beispielsweise die Ausdehnung der Vernunft auf die Dimensionen des Glaubens und der Liebe; den Realismus des Glaubens, die Dringlichkeit einer neuen Synthese des Denkens angesichts des folgenschweren Auseinanderbrechens von Religion und Vernunft, zwischen Theologie und anderen Kenntnissen, zwischen rationaler Theologie und der kontemplativen Dimension, zwischen der sogenannten akademischen Exegese und der ‚Lectio divina’."

Nur durch eine derartige Erneuerung könne die Herausforderung zwischen Theologie und anderen Wissenschaften zu einem gezielten und fruchtbaren Ergebnis führen, schlussfolgerte er.

Während der Begegnung kamen zahlreiche Redner zu Wort.

Pater Roberto Spataro von der Päpstlichen Universität der Salesianer unterstrich die Rolle der patristischen Wissenschaften sowie der Kirchengeschichte und erklärte, dass für eine Geschichtstheologie die Erscheinung Christi in den Mittelpunkt gestellt werden müsse.

In diesem Zusammenhang schlug er eine Bündelung der Kräfte zwischen biblischer Exegese und patristischer Theologie vor, ähnlich dem christozentrischen Ansatz der Kirchenväter.

Laut Pater Spataro ist es erforderlich, die Verknüpfung zwischen antiker christlicher Literatur und patristischer Theologie sowie zwischen der historischen und der theologischen Methode wieder herzustellen, um die komplexe Wirklichkeit, die sich aus der menschlichen und der göttlichen Dimension ergibt, zu analysieren.

Paul O'Callaghan, Professor für theologische Anthropologie an der Päpstlichen Universität vom Heiligen Kreuz, merkte an, dass man in der Alten Welt, aus der ein erheblicher Teil der Evangelisierungsbemühungen der Kirche im letzten Jahrtausend stammt, heutzutage immer wieder „den Ruf der Hoffung oder vielmehr den Ruf der fehlenden Hoffnung“ hört.

Er fügte hinzu: „Die Grundlage der christlichen Hoffnung liegt im Ereignis der heilbringenden Offenbarung der Menschwerdung des Wortes im Sohn, sprich der Christologie."

Felix Maria Arocena von der theologischen Fakultät der Universität von Navarra bekräftigte, dass das christliche Mysterium nicht nur auf einer Doktrin, sondern in erster Linie auf einer Person, dem glorreichen Gekreuzigten, basiere.

„Er ist der bedingungslose Grund für alles, was Gott zur Existenz gerufen hat, ruft und rufen wird, die Grundlage des Daseins und der historische Antrieb von allem; der Allem vorausgeht und in dem Alles seinen Anfang hat."

„Der gekreuzigte und auferstandene Herr ist derjenige, den die Theologie zu verstehen sucht. Er stand schon immer im Mittelpunkt. Die Theologie wurde aus dem Ereignis Christi geboren und hat sich daraus entwickelt, weil sie weiß, dass das Geheimnis der Originalität immer in der Rückkehr zum Ursprung zu finden ist: dem österlichen Christus."

Msgr. Nicola Ciola, Professor für Ekklesiologie an der Päpstlichen Lateranuniversität, betonte die Notwendigkeit, „eine theologische Interpretation der christlichen Erfahrung zu erarbeiten und nicht etwa nur eine darstellende Studie des geistlichen Lebens."

Gute Ergebnisse resultieren aus den nachkonziliaren christologischen Studien zur Untersuchung der Beziehung zwischen christlicher Erfahrung und deren Bezug zum „christlichen Ziel", sprich dem Mysterium Christi von der Menschwerdung bis zum österlichen Ereignis.

„In diesem Zusammenhang darf die bedeutungsvolle Literatur rund um das Thema ‚Theologie der Heiligen’ als göttliche Wissenschaft nicht vernachlässigt werden", schloss er.

[Übersetzung des italienischen Originals von Sabrina Toto]