Päpstliches Monatsanliegen: Benedikt XVI. betet für einen umfassenden Schutz des menschlichen Lebens durch den Staat

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ROM, 2. Mai 2006 (ZENIT.org).- Papst Benedikt XVI. betet im Monat Mai besonders dafür, "dass der Reichtum der Gnade, die der Heilige Geist über die Kirche ergießt, zum Wachstum von Frieden und Gerechtigkeit in der Welt beiträgt". Neben dieser allgemeinen Gebetsmeinung machen sich Tausende von Laien, Ordensleuten, Priestern und Bischöfen aus aller Welt auch die päpstliche Missionsgebetsmeinung zu Eigen. Diese lautet: "Dass die Verantwortlichen der staatlichen Institutionen in den Missionsländern durch angemessene Gesetze das Leben des Menschen von der Zeugung bis zum natürlichen Tod fördern und schützen".



"Für die Würde des Menschen einzutreten, setzt voraus, dass wir uns zuerst selbst als kostbar von Gott her verstehen, denn wenn ich mich von Gott her geliebt weiß, kann ich auch meinen Nebenmenschen als geliebt und kostbar sehen und behandeln", erklärt Prof. Dr. Johannes Füllenbach SVD in seinem Kommentar zur Missionsgebetsmeinung. "Vielleicht führt uns gerade die oft absolute Hilflosigkeit, mit der wir der schrecklichen Verachtung der Menschenwürde in all ihren Arten heute gegenüberstehen, zum Gebet als letzte Zuflucht, so resigniert das auch klingen mag", führt er aus.

Chinesische Studenten erklärten dem Steyler Missionar einmal: "Warum regen Sie sich auf, dass wir in China angeblich 40 Millionen Abtreibungen im Jahr verzeichnen und dass Mao rund 70 Millionen Chinesen umgebracht haben soll? Was ist das schon? Wir haben immer noch 500 Millionen Menschen zu viel, ehe wir wirklich ein wohlhabendes Land werden können." Diese Worte veranlassen den Priester zur Feststellung: "Wenn solche Ansichten Gemeindenken werden, dann steht es schlecht um die Zukunft des Menschen." Rüttle man zur Lösung von wie auch immer gearteter Probleme an der Unantastbarkeit der Menschenwürde, "wird am Ende nur eine gewalttätige Gesellschaft stehen, wo jeder für jeden Hölle bedeutet".

Aber da alle Menschen "von Gottes Liebe her geschaffen und von dieser Liebe umgeben sind, kann Gottes Liebe auch in ihnen einen Wandel herbeiführen. Nur der Geist Gottes kann den Menschen an dieses Grundgeheimnis, an seinen Ursprung von Gott her erinnern und ihn aufrütteln, diesen Ursprung nicht zu vergessen. Genau hier kann das Gebet füreinander seine Wirkung entfalten, dass Menschen umkehren", so P. Füllenbach, der an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom unterrichtet. Das Gebet könne "den perversesten Willen eines Menschen selbst dann noch zum Guten und zur Menschenfreundlichkeit kehren, wenn scheinbar brutale Gewalt und tiefste Menschenverachtung ihn bis ins Mark verunstaltet haben".

Kardinal Juan Sandoval Iñiguez, Erzbischof von Guadalajara (Mexiko), verweist in seinem Kommentar zur Missionsgebetsmeinung des Heiligen Vaters eindringlich auf das, "was im Kompendium der Soziallehre der Kirche geschrieben steht: 'Die Behörden sollen aufmerksam darüber wachen, dass die Einschränkung der Freiheit oder jegliche andere Last, die den Menschen auferlegt wird, nie deren Menschenwürde beeinträchtigt und die tatsächlich Ausübung der Menschenrechte ermöglicht' (133)".

Der Kardinal, dessen Überlegungen von der Nachrichtenagentur Fides veröffentlicht worden sind, ruft zum freiwilligen und verantwortlichen Gehorsam gegenüber jenen öffentlichen Einrichtungen auf, "die zur Achtung der Gerechtigkeit beitragen und damit das Gemeinwohl sichern", das sie durch angemessene Gesetze fördern und schützen. Er bezieht sich dabei auf das Schriftwort: "Wer den Herrn fürchtet, handelt so, und wer am Gesetz festhält, erlangt die Weisheit" (Sir 15,1).

Die politische Ordnung sei dazu da, nach gerechten und guten Formen des Zusammenlebens zu suchen, und Gesetze dürften nicht nur als Verbote verstanden werden. Jedes Gesetz, das den Menschen direkt oder indirekt dazu zwinge, gegen das Leben zu handeln, sei ein "irrationales und gefährliches Gesetz", betont Kardinal Sandoval. "Wir beten dafür, dass es immer gerechte Gesetze gibt, die das menschliche Leben schützen, und dafür, dass das Leben von der Zeugung bis zum natürlichen Tod geachtet wird."