Papstreise hat alle Ziele erfüllt

Benedikt XVI. enthusiastisch und einmütig als Versöhner gewürdigt

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Von Jan Bentz

ROM, 18. September 2012 (ZENIT.org). – 20.000 jungen Menschen, die die ganze Vielfalt des Christentums im Nahen Osten repräsentieren, Maroniten, Chaldäer aus dem Irak, Melkiten aus Jordanien und besonders auch jungen Christen aus dem Nachbarland Syrien, rief der Papst am zweiten Tag seiner Libanonreise zu: „Ich möchte euch sagen, wie ich euren Mut bewundere. Sagt in eurer Umgebung, dass der Papst an euren Leiden und eurer Trauer Anteil nimmt. In seinen Gebeten und in seiner Sorge vergisst er Syrien nicht. Er vergisst die leidenden Menschen im Nahen Osten nicht.“ Auch mit diesen Worten traf er direkt in die Herzen der Versammelten, jungen Menschen, die tagtäglich mit dem schwarzen Schatten der Gewalt leben müssen.

Knapp 35 Prozent der rund vier Millionen Libanesen sind Christen. Präsident Michel Sulaiman ist der einzige christliche Staatschef im Nahen Osten.

Überall, wo Benedikt XVI. im Libanon auftauchte, wurde er begeistert empfangen, auch von der muslimischen Bevölkerungsmehrheit. Weiß-gelbe Vatikanfahnen und Applaus für den Papst beherrschten sogar die Schiitenviertel. Reibungslose Sicherheit; enthusiastischer Empfang; Tage der erneuerten Hoffnung; dem Libanon habe er eine lang vermisste innere Ruhe geschenkt und ängstliche Gemüter über deren Gegenwart und Zukunft beruhigt: So zitiert Radio Vatikan das überaus positive Medienecho auf die Libanonreise von Papst Benedikt XVI.

„Eine pluralistische Gesellschaft basiert auf gegenseitigem Respekt, auf dem Wunsch einander kennenzulernen und auf einem ständigen Dialog. Dieser Dialog zwischen Menschen ist nur möglich in dem Bewusstsein, dass es gemeinsame Werte aller großen Kulturen gibt, weil sie verwurzelt sind in der Natur der menschlichen Person", so der Papst in einer seiner Ansprachen. Diesen gegenseitigen Respekt bezeugte er glaubwürdig und überzeugend während einer Reise, wo einer der Schwerpunkte der Dialog mit den anderen Religionen war. So hatte sich Benedikt XVI. mit den Oberhäuptern der Sunniten, Schiiten, Alawiten und Drusen getroffen. Am Sonntagnachmittag gab es außerdem eine ökumenische Begegnung mit Würdenträgern anderer Konfessionen. Vertreter der radikalislamischen Hisbolla waren bei der abschließenden Eucharistiefeier anwesend Bei all diesen Begegnungen trat zutage, dass die Botschaft des Papstes fähig ist, die verschiedenen Gruppen des Landes zu einen und zu versöhnen. In seiner Botschaft des Friedens, der Versöhnung, der Brüderlichkeit und des gegenseitigen Respekts finden sich alle Menschen guten Willens wieder.

„Wenn (die Gemeinschaft) die Christen aufgrund ihres gemeinsamen apostolischen Glaubens zwingend herausfordert, so bleibt sie doch nicht weniger offen für unsere jüdischen und muslimischen Brüder wie auch für alle Menschen, die ebenfalls – unter verschiedenen Formen – dem Volk Gottes zugeordnet sind“, heißt es in dem post-synodalen apostolischen Schreiben „Ecclesia in Medio Oriente“, das der Papst während seines Libanon-Besuchs überreicht hat. Voraussetzung für ein glaubwürdiges Zeugnis der Christen sei aber die innere Einheit im Glauben, eine geistliche Erneuerung fordere. Die Christen im Nahen Osten, die seit der Apostelzeit ununterbrochen im Nahen Osten präsent seien, mögen in den ersten Christengemeinden, die „ein Herz und eine Seele“ waren, ein leuchtendes Vorbild finden. Die Eckpfeiler der Einheit der ersten Christen seien der einhellige Glaube an die Lehre der Apostel, die geschwisterliche Gemeinschaft, die Eucharistie und die Sakramente sowie das gemeinschaftliche und persönliche Gebet. Je stärker diese Säulen die christlichen Gemeinden stützten, desto größer werde ihre Ausstrahlung im interreligiösen und interchristlichen Dialog. Der Glaube sei das Zentrum und die Frucht der wahren Ökumene.

Was bleibt übrig von dieser Reise?

Neben einer aus aktuellem Anlass klaren Distanzierung von gegenseitiger Verhetzung durch Medien, bleibt die Ermutigung des Papstes, dass es möglich sei, friedlich miteinander zu leben, wenn „der Friede nicht nur ein Nichtvorhandensein von Krieg“ sei.

„Wie traurig ist es, dieses gesegnete Land in seinen Kindern leiden zu sehen, die sich voller Grimm gegenseitig zerreißen und sterben! Die Christen wissen, dass nur Jesus, der durch Leiden und Tod zur Auferstehung gelangt ist, allen Bewohnern dieser Weltregion Heil und Frieden bringen kann“, heißt es in Ecclesia in Medio Oriente".

Der Friede sei der Zustand des Menschen, der in Harmonie mit Gott, mit sich selbst, mit seinem Nächsten und mit der Natur lebe. Der Friede sei eher ein innerer als ein äußerer Zustand. Er sei ein Segen und der Wunsch nach einer Wirklichkeit. Der Friede sei so erstrebenswert, „dass er im Nahen Osten zu einem Grußwort geworden ist“. Zu diesem authentischen Frieden führe uns Christus. Die Kirche vergesse aber nicht, dass der Friede vor allem eine Frucht des Geistes sei, die unablässig erbetet werden müsse.

„Die arabische Welt und die ganze Menschheit werden gesehen haben, wie sich Christen und Muslime vereinen, um den Frieden zu feiern. Im Nahen Osten ist es Tradition, den Gast, der sich auf der Durchreise befindet, mit Aufmerksamkeit und Respekt zu empfangen; und das habt ihr getan“, so Benedikt XVI. bei der Abschiedszeremonie. „Ich wünsche dem Libanon, dass er weiterhin die Vielfalt religiöser Traditionen zulässt und dass er nicht auf die Stimme jener hört, die sie verhindern wollen. Ich wünsche dem Libanon, dass er die Gemeinschaft unter allen seinen Bewohnern stärkt, was auch immer ihre Herkunft und Religionszugehörigkeit sei, indem er alles entschieden zurückweist, was zum Auseinanderbrechen führen könnte, und sich mit Entschlossenheit für die Brüderlichkeit entscheidet.“