Papsttum von der Menschlichkeit erhellt, erklärt englischer Prälat

Erzbischof Nichols spricht über die Wahl von Papst Franziskus (Teil I)

Rom, (ZENIT.org) Ann Schneible | 936 klicks

Drei Jahre nach dem historischen Besuch Benedikts XVI. in Großbritannien heißen britische Katholiken und Nicht-Katholiken gemeinsam den neuen Papst Franziskus Willkommen.

Es ist eine Woche seit der Wahl Jorge Mario Bergoglios vergangen, einem Mann, der in einfacher und zugänglicher Sprache besonders über Arme und Behinderte spricht, und vor allem von seinem Wunsch, alle Menschen zum barmherzigen Herzen Gottes zu führen.

Der Vorsitzende der Katholischen Bischofskonferenz von England und Wales, Erzbischof Vincent Nichols von Westminster, war zur Einführungsmesse von Papst Franziskus als Nachfolger des hl. Petrus nach Rom gekommen.

Er teilte mit ZENIT seine Eindrücke über den neuen Heiligen Vater:

ZENIT: Was war Ihre erste Reaktion, als Sie hörten, dass Kardinal Bergoglio zum Papst gewählt worden war?

Erzbischof Nichols: Ich war vor der Westminster-Kathedrale mit einigen Fernsehteams mit ihrem mobilen Fernsehwagen. Es war ziemlich schwierig zu verstehen, was genau gesagt wurde, und ich denke, ich war so verwirrt wie alle anderen auch. Die folgenden 20 Minuten waren sehr hektisch, denn wir haben alle versucht, so viel wie möglich über Kardinal Bergoglio herauszufinden.

Meine Reaktion war so wie die der anderen. Der Taxifahrer, der uns gestern Abend nach Rom gebracht hatte, beschrieb die Wirkung der Wahl auf die Menschen in Rom. Er sagte nur: „Wir sind ‚culpito di cuore‘“ [„Wir sind von Herzen berührt“].

Was deutlich wurde war, dass Papst Franziskus Menschlichkeit durch sein Papstamt hindurchstrahlt. Man könnte sogar sagen, dass seine Menschlichkeit in das Papstamt hineinstrahlt. Und ich denke, dass es das ist, worauf die Menschen reagieren. Immer wieder hört man Kommentare wie: „Er ist einer von uns“, „Er spricht direkt zu uns“ oder „Er ist wie ein Pfarrer der Welt.“

Aber ich meine auch, dass der Inhalt dessen, was er sagt, von großer Bedeutung ist. Bereits in diesen ersten Tagen scheint er immer wieder beharrlich über Barmherzigkeit und Vergebung zu sprechen, die tief im Herzen Gottes für jede Person zu finden sind. Er nutzt die Sprache eines Hirten, die Sprache eines Priesters, der sein Volk begleitet und neben ihm einhergeht. Instinktiv wird dies von vielen Menschen begrüßt, nicht nur von der katholischen Kirche, sondern von den meisten, von uns allen, die sich bemühen und versuchen, das Bestmögliche zu tun. Es sind sehr ermutigende und unterstützende Worte, und mein Eindruck über das Empfinden der Menschen ist, dass sie ermutigt und aufgerichtet werden.

ZENIT: Im Zuge des Besuchs Benedikt XVI. in Großbritannien, der einen enormen Eindruck auf die Menschen dort gemacht hat, und all dem, was wir in den letzten Jahren erfahren haben: Was wird das Pontifikat von Franziskus für die Menschen im Vereinten Königreich bringen?

Erzbischof Nichols: Sie haben Recht mit dem Besuch Benedikts XVI. Viele Menschen in Großbritannien hatten die Chance, ihn zu sehen, wie er wirklich war, denke ich. Er hinterließ einen Eindruck, der gut mit dem Satz ausgedrückt wird: „Er ist wie dein Lieblings-Großvater“. Während der letzten öffentlichen Audienz auf dem Petersdom war es rührend, ein Banner mit der Aufschrift: „Der Großvater für die Kirche“ zu sehen. Dieser Eindruck von Benedikt, von seiner Wärme, seiner Fähigkeit, in tiefen Kontakt mit den Menschen zu treten, mit denen er sprach, hat bei den Menschen in Großbritannien einen tiefen Eindruck hinterlassen.

Deshalb sprechen zum ersten Mal, dass ich mich daran erinnern kann, auch viele von der Kirche weit entfernten Menschen von „unserem Papst“. Vor einigen Tagen war ein BBC Sprecher hier, der wahrscheinlich unbewusst über „unseren neuen Papst“ sprach. Es ist eine Art von Gefühl der Verbindung zu dem Papstamt, mit dem Papst, das gerade für England sehr erstaunlich ist.

Am Mittwochabend, als er gewählt wurde, erklärte mir einer der Menschen, der die Kathedrale besuchte, dass er durch die Straßen Londons gelaufen sei und eine päpstliche Flagge auf seinem Weg zur Kathedrale geschwenkt habe. Er sagte, die Reaktion auf den Straßen seien Glückwünsche und geteilte Freude über die Verkündung des neuen Papstes gewesen.

Ich denke, dass diese beiden Dinge gegenwärtig eng miteinander verbunden sind: die Art, wie die Menschen Englands Papst Benedikt ins Herz geschlossen haben, und andererseits die Art, wie sie Papst Franziskus willkommen geheißen haben.

[Teil 2 folgt am Montag, dem 25. März]