Papstwahl: Benedikt XVI. verfügt per „Motu proprio“ eine wichtige Änderung

Zweidrittelmehrheit zwingend erforderlich

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ROM, 26. Juni 2007 (ZENIT.org).- Mit einem heute veröffentlichten und auf den 11. Juni datierten Motu proprio verfügte Benedikt XVI. eine wichtige Änderung der Normen für die Wahl des Papstes. Der Heilige Vater legte fest, dass für die Wahl zum Bischof von Rom immer eine Zweidrittelmehrheit der Stimmen der wahlberechtigten Kardinäle notwendig ist.



Benedikt XVI. erklärt in dem lateinisch abgefassten Dokument, dass Papst Johannes Paul II. nach der Promulgation der Apostolischen Konstitution Universi Dominici gregis (22.2.1996) zur Wahl des Papstes von Rom „nicht wenige mit Autorität ausgestattete Anfragen“ („haud paucae petitiones, auctoritate insignes“) hinsichtlich der Wiedereinführung dieser traditionellen Norm bekommen habe.

Die Konstitution „Universi Dominici gregis“ enthält jene Bestimmungen, „an die sich im Falle der Vakanz des Apostolischen Stuhles, aus welchem Grund oder Umstand auch immer, die Kardinäle streng halten müssen, die das verpflichtende Recht besitzen, den Nachfolger Petri zu wählen, der sichtbares Haupt der ganzen Kirche und Diener der Diener Gottes ist“ (Präambel).

In Abschnitt 75 der Konstitution legte Johannes Paul II. fest: „Wenn die Abstimmungen auch nach der in der vorangehenden Nummer festgelegten Vorgehensweise nicht zum Erfolg führen, wird der Camerlengo die wahlberechtigten Kardinäle einladen, über den einzuschlagenden Weg ihre Meinung zu bekunden. Darauf wird nach dem weiter verfahren, was die absolute Mehrheit von ihnen beschlossen hat.“

Darüber hinaus verfügte Johannes Paul II.: „Dennoch wird man nicht davon abweichen können, dass zu einer gültigen Wahl entweder die absolute Mehrheit der Stimmen vorhanden sein muss oder dass zwischen den beiden Namen, die in dem unmittelbar vorhergehenden Wahlgang den größten Stimmenanteil erhalten haben, gewählt wird, wobei dann auch in diesem zweiten Fall nur die absolute Mehrheit erforderlich ist.“

Diese bisher geltende Norm wird nun durch das Motu proprio Benedikts XVI. abgeschafft und durch die traditionelle Norm der immer notwendigen qualifizierten Mehrheit für die gültige Wahl des Papstes ersetzt.

Nach drei Tagen ergebnisloser Abstimmungen wird demnach in Zukunft „ein dem Gebet, der Reflexion und dem Dialog gewidmeter Tag“ eingelegt („habeatur unus dies orationi, reflexioni et dialogo dicatus“).

Der neuen Verfügung zufolge kommt es darüber hinaus nach dem 33. und 34. Wahlgang direkt zur Stichwahl zwischen den beiden Kardinälen, die in der letzten Abstimmung die meisten Stimmen auf sich vereinen konnten („vocem passivam habebunt tantummodo duo Cardinales qui in superiore scrutinio maiorem numerum suffragiorum obtinuerunt“). Auch dann ist eine Zweidrittelmehrheit der wahlberechtigten Kardinäle erforderlich.

Im neuen Motu proprio wird zudem festgelegt, dass die beiden Kardinäle, die zur Wahl stehen, nicht aktiv an der Wahl teilnehmen dürfen, sondern nur passives Wahlrecht besitzen.

Benedikt XVI. verfügte, dass die neue Regelung zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Motu proprio im „Osservatore Romano“ in Kraft tritt.