Pastoralbesuch in Velletri: Benedikt XVI. ermutigt zur „Logik des Teilens und der Solidarität“

Über den rechten Gebrauch der irdischen Besitztümer

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ROM, 24. September 2007 (ZENIT.org).- Am Sonntag besuchte Papst Benedikt XVI. die nahe bei Castel Gandolfo gelegene Stadt Velletri. Mit der Diözese Velletri-Segni ist der Heilige Vater aufgrund seiner Geschichte persönlich verbunden: Am 5. April 1993 übernahm der damalige Kardinal Ratzinger den Titel dieser suburbikarischen Diözese. Ihm folgte nach seiner Wahl zum Nachfolger Petri am 25. April 2005 Kardinal Francis Arinze, Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, als Titelkardinal nach.



Bei den suburbikarischen Bistümern handelt es sich um einige der ältesten Bistümer der lateinischen Kirche im Umkreis von Rom, deren Vorsteher dem Papst bei der Leitung der Gesamtkirche zur Seite standen. Aus diesen Bischöfen hat sich im Lauf der Kirchengeschichte die Klasse der Kardinalbischöfe herausgebildet. Die suburbikarischen Bistümer waren alle kirchenrechtlich Suffraganbistümer der römischen Kirchenprovinz, deren Metropolit der Papst ist.

Benedikt XVI. wurde mit dem Auto von der Päpstlichen Sommerresidenz nach Velletri gebracht, um auf dem Vorplatz der Kathedrale die Heilige Messe zu feiern. Zusammen mit dem Heiligen Vater zelebrierte auch Erzbischof Josef Clemens, Sekretär des Päpstlichen Rates für die Laien. Der langjährige Sekretär des ehemaligen Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre ist Ehrenkanoniker in Velletri.

Der Papst segnete dann eine Bronzesäule, die ihm etwa 100 bayerische Städte und Kommunen vor einem Jahr geschenkt hatten. Die Säule ist das Werk eines bayerischen Bildhauers und erinnert an die Stationen im Leben des jetzigen Papstes. Ein Zwillingsexemplar steht im Geburtsort des Heiligen Vaters, in Marktl am Inn.

In seiner Predigt sprach der Papst den dringlichen Wunsch aus, dass die Christen der reinen „Logik des Profits“ zugunsten einer „Logik des Teilens“ eine Absage erteilten. Die negativen Folgen des Profitdenkens träten im sozialen Leben wie auch in der Umwelt immer klarer zum Vorschein.

Der Heilige Vater erinnerte die Gläubigen an die Vorbereitungen der Diözese für seinen Besuch, die unter dem Motto liefen: „Wir haben die Liebe, die Gott zu uns hat, erkannt und gläubig angenommen“, und erklärte: „Deus caritas est – Gott ist die Liebe: Mit diesen Worten hebt meine erste Enzyklika an, die vom Wesenskern unseres Glaubens handelt, vom christlichen Gottesbild und dem sich daraus ableitenden Bild des Menschen und seines Wegs“, so Benedikt XVI. Die grundlegende Wahrheit, die das Christentum bringe, ist nach seinen Worten die Liebe Gottes, die der menschlichen Existenz eine vollkommen neue Orientierung und einen vollkommen neuen Wert einzuprägen vernag.

„Die Liebe lässt die Kirche leben“, fuhr der Papst fort. Die Kirche sei überall „Sauerteig der Hoffnung und des Friedens“; ihre große Sorge gelte den Bedürfnissen der Armen und Bedürftigen.

Ausgehend vom Sonntagsevangelium nach Lukas über den klugen Verwalter konzentrierte sich Benedikt XVI. auf die möglichen Gefahren „einer übermäßigen Anhänglichkeit an das Geld, an die materiellen Güter und an alles, was uns daran hindert, in Fülle unsere Berufung zur Liebe zu Gott und den Brüdern zu leben“. Das Evangelium stelle den listigen Verwalter nicht als Vorbild der Unehrlichkeit dar, sondern als Beispiel der vorausschauenden Klugheit.

Jesus habe den Menschen mit diesem Gleichnis das rechte Verhältnis zu den irdischen Gütern erschlossen, so Benedikt XVI. Es gehe um die „radikale Entscheidung“ des Christen: die Wahl „zwischen Ehrlichkeit und Unehrlichkeit, zwischen Treue und Untreue, zwischen Egoismus und Altruismus, zwischen Gut und Böse“. Der im Evangelium zitierte „Dienst am Mammon“ beziehe sich auf die wirtschaftliche Sicherheit und den Erfolg in den Geschäften: „Wir könnten sagen, dass im Reichtum das Götzenbild angezeigt wird, dem alles geopfert wird, nur um einen persönlichen Erfolg zu haben.“

Nach Worten Benedikts XVI. bedarf es einer Grundsatzentscheidung: „die Wahl zwischen der Logik des Profits als letztes Kriterium unseres Handelns oder der Logik des Teilens und der Solidarität.“

Herrscht die „Logik des Profits“ vor, „so vergrößert sich das Missverhältnis zwischen Reichen und Armen sowie die verderbliche Ausbeutung des Planeten. Wenn hingegen die Logik des Teilens und der Solidarität überwiegt, ist es möglich, den Kurs zu korrigieren und ihn auf eine gerechte Entwicklung auszurichten, zum gemeinsamen Wohl aller.“ Diesen Schritt zu tun bedeute eine klare Entscheidung „zwischen Egoismus und Liebe, zwischen Gerechtigkeit und Unehrlichkeit, am Ende zwischen Gott und Satan“.

Die Liebe zu Christus fordere einen radikalen Verzicht, der bis hin zum Martyrium gehe. „Heute wie gestern erfordert das Leben des Christen den Mut, gegen den Storm zu schwimmen und wie Jesus zu lieben, der bis zur Hingabe seiner selbst am Kreuz gelangt ist.“

Die irdischen Reichtümer sollten, so Papst Benedikt, zum Erwerb der wahren und ewigen Reichtümer dienen. Die einzige Weise, um die eigenen Begabungen und Fähigkeiten wie auch die Reichtümer, die man besitzt, für die Ewigkeit fruchtbar werden zu lassen, bestehe darin, „sie mit den Brüdern zu teilen“ und sich „als gute Verwalter dessen zu erweisen, was Gott uns anvertraut hat“.

Benedikt XVI. forderte die Christen auf, den Lebensstil des egoistischen Profitstrebens abzulegen; sie dürften sich vom Profit nicht „aufsaugen“ lassen, um dann auch noch die Armen auszubeuten. Der Christ öffne sein Herz „für Gefühle echter Großzügigkeit“, bekräftigte Benedikt XVI. Und diese zeigten sich zuallererst im Gebet für die anderen.