Pater Brown zum Papst gewählt

Paolo Gulisano schreibt einen Roman über den Helden Chestertons

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Von Antonio Gaspari

ROM, Montag, 27. Juni 2011 (ZENIT.org).- Vor fast einem Jahrhundert erfand das literarische Genie G.K. Chesterton seine erfolgreichste Gestalt, Pater Brown, einen Priesterdetektiven, der zusammen mit seinem Partner, dem bekehrten Dieb Flambeau, ganze Generationen von Lesern in seinen Bann zog.

Chesterton hatte sich von seiner Figur zu Beginn des ersten Weltkriegs getrennt, um sich anderen Werken zu widmen.

Pater Brown ist eine Phantasiefigur, aber wenn er tatsächlich gelebt hätte, was hätte er getan?

Paolo Gulisano, der Biograph von Chesterton, Vizepräsident der italienischen Chesterton-Gesellschaft und einer der größten Experten für moderne englische Literatur (er schrieb über Tolkien, Lewis und Wilde), hat den Versuch unternommen, einen phantastischen Roman darüber zu schreiben, dass im Konklave von 1939 nicht Papst Eugenio Pacelli gewählt worden wäre, sondern ein gewisser Kardinal Brown, also Pater Brown, der die höchste Spitze kirchlicher Karriere erklommen hätte .

Der Roman mit dem Titel „Das Schicksal von Pater Brown“ (Edition Sugarco) zeichnet diese Karriere nach, beginnend im Jahre 1917 (als Chesterton seine Pater- Brown- Geschichten beendete) bis zum entscheidenden Konklave.

Wir finden dann Pater Brown an der italienischen Kriegsfront wieder, in Caporetto, zwischen Cadorna und dem Geheimagenten Kipling, wir sehen ihn im revolutionären Irland des Michael Collins, in Rom bei dem Marsch von Mussolini, im Turin eines Frassati mit Don Sturzo.

Ein Pater Brown, der zuerst Monsignore und dann Kardinal wird, Freund und Kollege von Eugenio Pacelli im Dienst von Pius XI. sowie auch eines geheimnisvollen anglo-spanischen Kardinals, Rafael Merry del Val, der ihn für geheime Missionen des Vatikans einsetzt.

In dem Buch finden wir außer den historischen Figuren wie Churchill und Tolkien einen Flambeau wieder, der sich nach Spanien zurückgezogen hat, mit einem Sohn, der - in der Vorstellung von Gulisano-Priester und dann Sekretär von Kardinal Brown wird.

Wir finden die Freunde Chestertons vor, wie Belloc oder Pater McNabb, und auch literarische Figuren wie Basil Grant und Patrick Dalroy.

Ein Roman also, wo die wahre Geschichte des 19. Jahrhunderts und die Phantasie sich vermischen und den Leser in eine mitreißende und lustige, zugleich auch aufregende und bewegende Handlung hineinziehen.

Um mehr zu erfahren, sprach ZENIT mit Paolo Gulisano.

Nach Jahren der Aktivität als Essayist ein Romandebut und darüber hinaus ein besonderes...

Gulisano: Ich wählte die Form des phantastischen Romans, ein literarisches Genre, das in Italien nicht sehr verbreitet ist, in der angelsächsischen Welt aber viel benutzt wird, man denke nur an „Herr der Welt“ von Robert Hugh Benson. Ich wollte die Geschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zwischen den beiden Weltkriegen neu überdenken und zwar mit den Augen einer außergewöhnlichen Figur, des Pater Brown von Chesterton, den ich in neue Abenteuer führe; allerdings nicht mehr in der Rolle des „Priesterdetektivs“, die ihm Chesterton zugedacht hatte, sondern in der Rolle eines Monsignore im mehr oder weniger geheimen Dienst seiner Heiligkeit.

Ein Pater Brown, der dieses Jahr hundert Jahre alt wird...

Gulisano: Genau: Vor hundert Jahren schuf das Genie Gilbert Keith Chesterton die Figur des Pater Brown. Einer der bedeutendsten Autoren englischer und europäischer Kultur des 19. Jahrhundert, ein glänzender Essayist und Journalist, der seit mehreren Jahrzehnten seine Leser mit seinen brillanten Schriften entzückt hatte, rief seine glücklichste und berühmteste Figur ins Leben.

Welches war das Geheimnis des Erfolgs der Geschichten von Pater Brown?

Gulisano: Man könnte sagen, dass der katholische Priester (geschaffen, als Chesterton seinen Bekehrungsweg noch nicht zu Ende geführt hatte, der 1922 abgeschlossen war) eine sehr erfolgreiche Verteidigung der Wahrheit in der Liebe vollbracht hat. Chesterton hat gezeigt, wie man den Glauben in einer Gesellschaft, die ihm im Wesentlichen gleichgültig gegenübersteht, bezeugt; in einer Gesellschaft, die nicht nur nicht mehr katholisch ist, sondern nicht mehr christlich. Die Dutzenden von Erzählungen des Pater Brown sind alle eine außerordentliche Hommage an die Wahrheit. Ich meinerseits,  indem ich diese Figur wieder aufnehme und neben geschichtliche Figuren wie die des Kardinal Merry del Val stelle, der in meinem Roman der große Mentor des englischen Priesters wird, oder neben Eugenio Pacelli und Pius XI., machte aus Pater Brown einen Sucher, einen Forscher nach der Wahrheit.

Der Pater Brown ihres Romans, zuerst Monsignore und dann Kardinal, geht seiner eigenen Bestimmung in den Jahren bis zum Konklave im Jahre 1939 entgegen, wenn er Papst wird. Er präsentiert sich als mutige Gestalt, die den Dramen des ersten Weltkriegs entgegentritt, der die Diktaturen kommen sieht -und ihnen entgegentritt- , der verschiedene mitreißende Abenteuer erlebt; aber was will er als Priester, als Hirte der Seelen den Lesern sagen?

Gulisano: Dass das Christentum im Laufe der Geschichte immer wieder auferstanden ist, weil es auf einen Gott gegründet ist, der den Weg kennt, aus dem Grab aufzuerstehen. Die Kulturen der Welt können vergehen, zwischen Dramen und Tragödien, aber die Worte Christi sind nicht vergangen. Die Aufgabe von Pater Brown von den Straßen Roms bis zum päpstlichen Thron ist es, sie erklingen zu lassen, sie diese Welt hören zu lassen, die sie ablehnen will. Wir müssen die Hoffnung behalten: Pessimismus ist keine Eigenschaft derer, die des Bösen müde sind, sondern solcher, die des Guten müde sind.

[Übersetzung aus dem Italienischen von Josef Stolz]