Pater Jakob Gapp (1897-1943) - Ein unbequemer Mahner

Priester, Märtyrer und Seliger

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 339 klicks

„Pater Gapp ist das Vorbild des unbequemen Mahners, wenn es um die von Christus geoffenbarte Wahrheit geht.“ Mit diesen Worten beschrieb der heilige Johannes Paul II. den Seligen, dessen Todesurteil am 13. August 1943 in Berlin-Plötzensee vollstreckt wurde.

Jakob Gapp wurde am 26. Juli 1897 in Wattens in Tirol geboren. Nach dem Militärdienst während des Ersten Weltkriegs und der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft, in die er 1918 geraten war, trat er 1920 auf dem Greisinghof bei Pregarten in Oberösterreich in den Orden der Marianisten ein. Am 27. September 1921 legte er die ersten Gelübde ab. Zehn Jahre später, am 5. April 1930, wurde er in Fribourg, wo er Theologie studierte, zum Priester geweiht. In den folgenden Jahren arbeitete er vor allem im seelsorgerischen Bereich in Ober- und Niederösterreich. Sein Anliegen war es, insbesondere die Jugendlichen zu sozial verantwortlichen Mitgliedern der Gesellschaft zu erziehen.

Im Nationalsozialismus sah Pater Gapp von Beginn an eine große Gefahr und beschäftigte sich intensiv mit ideologischen Fragen. Er kam zu der Erkenntnis, dass die nationalsozialistische Ideologie in keinster Weise mit dem Christentum vereinbar sei; „aber ich sagte mir, dass es meine Pflicht wäre, als Priester der katholischen Kirche die Wahrheit zu lehren und den Irrtum zu bekämpfen“, so Pater Gapp am 27. Januar 1943. 

Pater Gapp predigte öffentlich gegen den Nationalsozialismus. Im Urteil des Volkgerichtshofs heißt es dazu in der Begründung: „Denn er hielt den Nationalsozialismus für einen Todfeind der Religion und der katholischen Kirche. So konnte er weder als Theologieprofessor noch als Priester in den verschiedenen Ämtern, die er innehatte, bleiben. Denn die Kinder, die ihm anvertraut waren, ihre Eltern, die Gemeindemitglieder, die er seelsorgerisch zu betreuen hatte, und die Öffentlichkeit waren mit seiner Einstellung, die er bei jeder Gelegenheit äußerte, nicht einverstanden.“

Sein Amt als Kaplan, das er in der Pfarrei Breitenwang-Reutte bekleidet hatte, musste er niederlegen und nach Wattens fliehen. Hier hielt er am 11. Dezember 1938 eine Predigt, in der er sich so eindeutig gegen den Nationalsozialismus aussprach, dass er am 21. Januar 1939 aus Österreich ausreisen musste, zunächst nach Bordeaux, dann nach Spanien. Auch hier musste er mehrfach den Wohnort und die Anstellung an verschiedenen Instituten des Ordens und bei Privatleuten wechseln.

Am 9. November 1942 wurde er von der Gestapo, die seine Spur stets weiter verfolgt hatte, mit einer List überführt und nach Frankreich verschleppt. Von dort wurde er nach Berlin gebracht, wo er neun Monate inhaftiert war. Am 2. Juli 1943 wurde Pater Gapp vom Volksgerichtshof zum Tod verurteilt; das Todesurteil durch Enthauptung wurde am 13. August vollstreckt. Sein Leichnam wurde dem anatomischen Institut übergeben, „unter der konfessionell gebundenen Bevölkerung würde Gapp als Märtyrer seines Glaubens gelten“, so der Chef des Reichssicherheitsdienstes, SS-Mann Johann Rattenhuber, in einem Schreiben vom 13. Juli 1943.

Vor der Hinrichtung schrieb Pater Gapp an seine Eltern: „Heute wird das Urteil vollstreckt. Um 7 Uhr abends gehe ich zum lieben Heiland, den ich immer innig geliebt habe. ... Ich werde im Himmel aller gedenken. ... Alles geht vorüber, nur der Himmel nicht! Wir kommen wieder zusammen. Dann gibt es keine Trennung mehr!“ Heinrich Himmler, der den Fall Gapp persönlich verfolgt hatte, äußerte: „Wenn solche Leute wie Gapp bei der Partei wären, stünde es besser um uns.“

Pater Jakob Gapp wurde am 24. November 1996 vom heiligen Johannes Paul II. seliggesprochen, der auf die bis heute wichtige Vorbildfunktion des Seligen hinwies: „Pater Jakob Gapp wird uns ein bleibendes Vorbild für das unerschrockene Zeugnis der Wahrheit sein. Sein Leben hat etwas von Johannes dem Täufer, der unerschrocken zum Tyrannen sagte: ‚Es ist dir nicht erlaubt‘ und dafür in den Tod ging.“