Pater Lombardi zum Rücktritt von Benedikt XVI.

Interview des Vatikansprechers mit Radio Vatikan

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 321 klicks

Anlässlich des Jahrestages des Rücktritts von Benedikt XVI. gab der Vatikansprecher, Jesuitenpater Federico Lombardi, Radio Vatikan gestern ein Interview. Als Sprecher des emeritierten Papstes war er in besonderer Art und Wiese in die Geschehnisse involviert. Er sagte:

„Es war ja Jahrhunderte her, dass kein Papst mehr auf sein Amt verzichtet hatte, und darum war das für eine überwältigende Mehrheit der Menschen eine Überraschung. Wer Benedikt XVI. nahe war, der konnte allerdings spüren, dass er über dieses Thema nachgedacht hatte, dass er es ins Gebet nahm und sich um geistliche Urteilskraft bemühte. Das alles ist dann eingegangen in seine Erklärung des Amtsverzichts: kurze, aber ausgesprochen dichte Worte, die absolut adäquat und klar die Kriterien erklärten, aufgrund derer er seine Entscheidung getroffen hatte.“

Die Entscheidung sei Lombardi als ein „herausragender Regierungsakt“ erschienen. Benedikt XVI. habe seine Entscheidung, die in der Kirchengeschichte ein Zeichen gesetzt und eine Spur hinterlassen habe, frei getroffen. Lombardi äußerte sich bewundernd über den großen Mut des emeritierten Papstes, da es aufgrund des Mangels von Präzedenzfällen Fragen nach dem Warum zwangsläufig zu erwarten gewesen seien. Er sagte:

„Die Klarheit, mit der sich Benedikt XVI. auf diesen Schritt vorbereitet hatte, und der Glaube, mit dem er ihn ging, zeugen von Mut und innerer Ruhe.“

Lombardi sagte gegenüber Radio Vatikan, er sei zu keinem Zeitpunkt davon ausgegangen, dass das Nebeneinander zweier Päpste im Vatikan zu Problemen führen würde. Der Rücktritt Benedikts XVI. habe unterstrichen, dass das Petrusamt ein Dienst sei und keine Macht. Lombardi spüre „tiefe geistliche Solidarität der Diener Gottes“ Benedikt und Franziskus. Nach Federico Lombardi gehört das Leben Benedikts XVI. vor allem dem Gebet. Er sagte:

„Das erinnert mich an ein Erlebnis, das ich vor allem zu Beginn seines Pontifikates öfters mit ihm hatte. Jedes Mal vor einer Audienz, wenn ich den Papst kurz begrüßte, gab er mir einen Rosenkranz und sagte: Auch die Priester sollten nicht vergessen zu beten! Das geht mir nicht aus dem Kopf, weil er so auf sehr einfache Weise seine Überzeugung ausdrückte, dass das Gebet einen wichtigen Platz in unserem Leben haben sollte.“

Pater Lombardi sagte abschließend gegenüber Radio Vatikan, Benedikt XVI. verbringe seinen letzten Lebensabschnitt in den Gärten des Vatikans nicht als Gefangener, sondern als „ein weiser Mann“. 

„Man sollte sehen, dass er zurückgezogen lebt, ohne öffentliche Auftritte, aber das heißt nicht, dass er isoliert wäre oder in strenger Klausur. Er führt das normale Leben eines älteren Menschen – sagen wir, eines älteren Ordensmannes. Gebet, Besinnung, Lektüre, Antworten auf Briefe, Treffen mit Menschen, die ihm nahestehen, die seinen Rat suchen oder seine geistliche Nähe. Und zu den Menschen, die er trifft, gehört auch sein Nachfolger, Papst Franziskus; sie haben sich schon gegenseitig zuhause besucht, sie telefonieren oder tauschen Botschaften aus. Ich finde es sehr schön, diese seltenen Bilder von zwei Päpsten zu sehen, die zusammen beten – ein sehr schönes und ermutigendes Zeichen für die Kontinuität des Petrusamts im Dienst der Kirche.“