Pater Pio, der meistverehrte Heilige Italiens

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ROM, 4. März 2008 (ZENIT.org).- In der Nacht von Sonntag auf Montag wurde der Sarkophag geöffnet, in dem die sterblichen Überreste des heiligen Pater Pio von Pietralicina verwahrt sind. Mit diesem feierlichen Akt begannen die Arbeiten der Exhumierung des meistverehrten Heiligen Italiens. Die Gestalt des Kapuzinerpaters zieht alljährlich Hunderttausende von Pilgern in den kleinen apulischen Ort San Giovanni Rotondo.



Pater Pio wurde am 25. Mai 1887 in Pietralcina, einer kleinen Stadt in der Nähe von Benevento in Süditalien, als achtes Kind von Guiseppina di Nunzio und ihrem Mann Grazio Forgione, einem Bauern, geboren. Seine Eltern tauften ihn nach dem großen Franz von Assisi auf den Namen Francesco.

Im Alter von 16 Jahren folgte er dem Ruf Gottes und trat am 6. Januar 1903 ins Noviziat der nahe gelegenen Kapuziner ein, wo er den Ordenamen Pio annahm. Am 22. Januar 1904 legte er die Gelübde ab, und nahm das Studium der Philosophie und der Theologie auf. Am 10. August 1910 wurde er in der Kathedrale von Benevento zum Priester geweiht.

Pater Pio hatte von Kindestagen an mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Trotz eines Tuberkuloseleidens hielt er an seinem asketischen Leben fest. Sein prekärer Gesundheitszustand begleitete ihn sein ganzes Leben lang.

Am 20. September 1918 geschah etwas, das ihn rasch in ganz Italien und über den Stiefel hinaus bekannt machen sollte: Auf Pater Pios Körper erschienen die fünf Wundmale (Stigmata) Christi, die ihn zum ersten stigmatisierten Priester in der Geschichte der Kirche machten.

Die Wundmale läuteten eine Zeit großen Leids ein. Zum Schmerz, den ihm die Male bereiteten, gesellten sich nämlich Misstrauen und Verleumdungen: Es wurde behauptet, dass sich der Kapuzinerpater selbst mit chemischen Substanzen die Wunden beibrächte. Zunächst hatte der Orden versucht, die Geschehnisse zu verbergen; die Nachricht verbreitete sich jedoch wie ein Lauffeuer. Schon bald trafen im kleinen Ort San Giovanni Rotondo die ersten Pilger ein.

Die Stigmata führten zu wiederholten, kirchlich angeordneten medizinischen Untersuchungen. Um die Wunden zu verbergen, trug Pater Pio meist fingerlose Handschuhe.

Bald wurde Pater Pio wie ein „Heiliger“ verehrt. Pater Pio wirkte vor allem durch sein „Apostolat der Beichte“. Menschenmassen drängten sich in den Konvent, um vom Kapuzinerpater eine Weisung für das Leben zu erhalten. Dabei war Pater Pio auch aufgrund seines herben Charakters bekannt.

Am 9. Januar 1940 begann er damit, die Leiden von Pilgern zu lindern beziehungsweise sogar vollständig zu heilen. Von den Spendengeldern, die die Gläubigen Pater Pio zukommen ließen, ließ dieser eines der damals modernsten Krankenhäuser Süditaliens bauen. „La Casa del Sollievo“ öffnete seine Tore am 5. Mai 1956.

Papst Johannes Paul II. hegte für Pater Pio eine besondere Verehrung. So soll dieser dem jungen polnischen Priester Karol Wojtyla bei einem Besuch im Jahr 1947 sowohl seine Wahl auf den Stuhl Petri als auch das Attentat von 1981 prophezeit haben. Als Weihbischof von Krakau richtete er an Pater Pio die Bitte, besondere Fürsprache für eine Frau aus seiner Diözese zu halten: Wanda Poltawska, Familienmutter und Ärztin, war an einem Krebsleiden erkrankt. Ebenso suchte er um die Fürsprache für den Sohn eines Anwalts an. In zwei Briefen in lateinischer Sprache wandte sich der künftige Erzbischof von Krakau, der sich zu jener Zeit zu den Arbeiten des II. Vatikanischen Konzils in Rom aufhielt, am 17. und 28. November 1962 an Pater Pio.

Ein dritter Brief des späteren Papstes, der auf den 14. Dezember 1962 datiert ist, wurde unlängst in den Archiven der Kurie von Krakau entdeckt (Nr. BI 3123). Auch dieses Schreiben wurde während des Konzils in Rom verfasst.

Weihbischof Wojtyla dankt Pater Pio darin für dessen Gebet für die Ärztin Poltawska und den Sohn des Anwaltes aus Krakau, der von Geburt an sehr krank war. „Beiden geht es, Gott sei Dank, gut“, schreibt Karol Wojtyla. Gleichzeitig bittet er um das Gebet für eine gelähmte Frau und die großen pastoralen Herausforderungen, denen seine Erzdiözese damals ausgesetzt war.

Pater Pio starb am 23. September 1968. Über zwölf Millionen Gläubige zählten sich bereits damals zu seinen „geistlichen Kindern“.

Im Jahr 1971 unterzeichnete die polnische Bischofskonferenz einstimmig das Gesuch zur Aufnahme des Selig- und Heiligsprechungsprozesses. Eine Vielzahl von Zeugen wurde angehört, 104 Volumina an Dokumentationsmaterial produziert. 1979 gelangte die Dokumentation an die zuständige Kongregation des Heiligen Stuhls.

Am 29. November 1982 wurde das „nihil obstat“ zur Aufnahme der Verfahren gewährt, womit der Prozess am 20. März 1983 auf diözesaner Ebene beginnen konnte. Am 21. Januar 1997 wurde Pater Pio zum verehrungswürdigen Diener Gottes erklärt. Am 2. Mai 1999 erfolgte die Seligsprechung, am 16. Juni 2002 die Heiligsprechung auf dem Petersplatz, zu der mehr als 200.000 Menschen aus Italien und aller Welt anreisten. Der liturgische Gedenktag des heiligen Pio von Pietralcina ist der 23. September.