Pater Pio, Meister im Kampf gegen das Böse, die Säkularisierung und den Aktivismus

Predigt von Papst Benedikt XVI. in San Giovanni Rotondo

| 3064 klicks

San Giovanni Rotondo, 22. Juni 2009 (ZENIT.org).- „Die Seelen führen und das Leid lindern: So kann man die Mission des heiligen Pio von Pietrelcina zusammenfassen." Mit diesen Worten erinnerte Papst Benedikt XVI. in seiner Predigt am gestrigen Sonntag in San Giovanni Rotondo (Apulien) die Gläubigen an den Kern der Botschaft des heiligen Kapuzinerpaters. 50.000 Gläubige waren zur Feier der heiligen Messe auf dem Vorplatz zur neuen Kirche des heiligen Pio zusammengekommen. Papst Benedikt betonte, dass die Eucharistie für Pater Pio die Mitte des Lebens gewesen sei, der „Ursprung seiner Berufung, die Kraft seines Zeugnisses, die Weihe seines Opfers".

Benedikt XVI. nahm das Sonntagsevangelium vom Sturm auf dem See zum Ausgang seiner Überlegungen über die positive Kraft, die die Welt bewegt und in der Lage ist, die Geschöpfe zu verwandeln und zu erneuern: die „Kraft der Liebe Christi". Sie ist nach Worten des Papstes eine göttliche, transzendente Kraft, die auf den Kosmos einwirke. In sich selbst jedoch „ist die Liebe Christi eine ‚andere‘ Kraft, und diese ihre transzendente Andersheit hat der Herr in seinem Pascha gezeigt, in der ‚Heiligkeit‘ des von ihm gewählten ‚Weges‘, um uns von der Herrschaft des Bösen zu befreien".

Pater Pio von Pietrelcina gehöre zu jenen Heiligen, die die Erfahrung Jesu von der vertrauensvollen Hingabe an den Vater bis hin zum Augenblick von Furcht und Angst selbst intensiv erlebt hätten. Gott habe Pater Pio „zu einem auserwählten Werkzeug der immerwährenden Kraft seines Kreuzes" gemacht, „der Kraft der Liebe zu den Seelen, der Kraft der Vergebung und der Versöhnung, der spirituellen Vaterschaft, der tatkräftigen Solidarität mit den Notleidenden". Die Wundmale Christi auf seinem Körper hätten ihn aufs Engste mit dem Gekreuzigten und Auferstandenen verbunden.

Pater Pio habe seine natürlichen Gaben und auch sein eigenes Temperament bewahrt, fuhr Papst Benedikt XVI. fort. „Er hat jedoch alles Gott angeboten, der sich seiner frei bedienen konnte, um das Werk Christi weiterzuführen: das Evangelium zu verkünden, die Sünden zu vergeben und jene zu heilen, die an Leib und Seele krank sind".

Wie Jesus, so habe auch Pater Pio „das wahre Gefecht, den radikalen Kampf nicht gegen die irdischen Feinde, sondern gegen den Geist des Bösen" zu führen gehabt. „Dadurch, dass er mit Jesus vereint blieb, hatte er immer die Tiefe des menschlichen Dramas im Blick, und aus diesem Grund hat er sich und seine vielen Leiden angeboten und sich zu verausgaben gewusst, um die Kranken zu pflegen und ihr Leid zu lindern, als besonderes Zeichen der Barmherzigkeit Gottes; als Zeichen seines Reiches, das kommen wird beziehungsweise bereits in dieser Welt sichtbar ist; als Zeichen des Sieges der Liebe und des Lebens über die Sünden und den Tod."

Das „Gleis", das zur Heiligkeit führe, bestehe nach Pater Pio im Gebet und in der Nächstenliebe, so Papst Benedikt. „Wie alle großen Männer Gottes ist Peter Pio selbst mit Leib und Seele Gebet geworden." So erkläre sich das außergewöhnliche gleichzeitige Vorhandensein von übernatürlichen Gnaden und menschlicher Konkretheit in ihm. „Und alles gipfelte in der Feier der heiligen Messe. Hier vereinte er sich ganz und gar mit dem verstorbenen und auferstandenen Herrn."

Dem Gebet sei dann der „Strom der Nächstenliebe" entsprungen. „Die Liebe, die er im Herzen trug und den anderen vermittelte, war voller Zärtlichkeit und achtete stets auf die tatsächlichen Umstände der Menschen und Familien. Vor allem den Kranken und Leidenden gegenüber nährte er die Liebe des Herzens Christi." Dies habe Pater Pio zum Aufbau des „Hauses der Linderung des Leidens - Casa Sollievo della Sofferenza" bewegt, wie das von ihm initiierte 1956 eröffnete Krankenhaus heißt.

Benedikt XVI. warnte am Ende seiner Predigt vor den Gefahren des Aktivismus und der Säkularisierung und bekräftigte: „Daher hat mein Besuch auch das Ziel, euch in der Treue zum Auftrag, den ihr von eurem geliebten Pater geerbt habt, zu bestärken."

„Viele von euch Ordensmännern, Ordenfrauen und Laien sind so sehr von den Tausenden von Aufgaben, die der Dienst für die Pilger oder die Kranken im Krankenhaus mit sich bringt, in Beschlag genommen, dass sie Gefahr laufen, das wirklich Notwendige zu vernachlässigen: auf Christus zu hören, um Gottes Willen zu erfüllen. Wenn ihr merkt, dass ihr bald in diese Gefahr geratet, dann blickt auf zu Pater Pio - auf sein Beispiel, auf seine Leiden -, und bittet ihn um seine Fürsprache, damit er beim Herrn für euch das Licht und die Kraft erwirke, derer ihr bedürft, um seine Mission fortzuführen, die von der Liebe zu Gott und von brüderlicher Nächstenliebe durchdrungen war."