Patriarch: Möge ihr Fall nicht in Vergessenheit geraten

Der Kirchenführer zeugt den getöteten Demonstranten Kairos den geschuldeten Tribut und appelliert an den Staat, die Sicherheit zu erhöhen und die Gleichheit vor dem Gesetz zu sichern

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Von John Pontifex

KAIRO, 19. Oktober 2011 (ZENIT.org/KIN). - Das Oberhaupt der Katholiken in Ägypten hat das Gedenken an die „ehrenwerten und ehrlichen" Kopten verteidigt, deren Protest in Gewalt und Tod endete und sich den Staat aufgerufen, die Sicherheit zu gewährleisten und mehr dafür zu tun, die Rolle der Gesetze hochzuhalten.

In einer offiziellen Stellungnahme zu den pro-christlichen Demonstrationen in Kairo um den 9. Oktober herum hatte Patriarch Kardinal Antonio Naguib von Alexandrien die Christen ermuntert, sich nicht abschrecken zu lassen, sondern auch weiterhin an politischen Aktionen zur Schaffung eines neuen Ägypten nach Mubarak „teilzunehmen“.

Das Dokument, dessen Kopie an das katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ gesendet worden war, unterstreicht das „volle Vertrauen“ des Patriarchen in das zwischenzeitliche Militärregime, nach einer Woche von Kritiken an der Reaktion der Regierung auf die Demonstrationen, bei die laut der letzten Zahlen 25 Menschen getötet und  329 verletzt worden waren.

Patriarch Naguib, Oberhaupt der 250.000 koptischen Katholiken, hatte geschrieben: „Mit verwundeten Herzen, drücken wir [...] unseren tiefen Schmerz über die blutigen Ereignisse aus, die von ehrenwerten und ehrlichen Kindern der Nation erlitten werden.“

„Sie wollten mit friedlichen Demonstrationen zum demokratischen Prozess des Landes beitragen, zusammen mit Hunderten von anderen Bürgergruppen. Bedauerlicherweise endete es mit dem Tod von 25 Personen, deren Großteil Kopten waren...“

Die Gewalt brach beim Höhepunkt der Demonstrationen aus, als Tausende von Menschen, inklusive einiger Muslime, in Richtung des TV-Zentrums von Kairo marschierten, als Protest gegen die Verfolgung und Unterdrückung von Christen.

Am Tag darauf hat P. Antoine Rafic Greiche, der öffentliche Sprecher der katholischen Kirche in Ägypten, das Regime kritisiert, indem er erklärte, dass das Militär und die Polizei „militanten Pöbel“ „benutzt“ hätten, die die Protestierenden mit Stöcken, Steinen, Schwertern und Gewehren attackierten.

Ohne die Reaktion der Sicherheitsdienste auf die Demonstrationen zu kommentieren, rief Patriarch Naguib in seinem Brief das Regime auf, seiner Verpflichtung zur Verteidigung der Gesetze nachzukommen.

Er hatte geschrieben: „Während wir noch einmal jeglichen Akt der Gewalt verurteilen, rufen wir die Beamten auf..., Geborgenheit und Sicherheit zu schaffen, die Herrschaft der Gesetzes zu fördern und die Obiektivität der Medien zu sichern.“

"Wir haben volles Vertrauen, dass der Oberbefehl der Militärkräfte, die Regierung und das Gerichtswesen fähig sind, das Land zu Stabilität und Sicherheit zu führen, um das Wohl und die Würde aller Bürger zu sichern.“

Der Patriarch Naguib schloss seinen Brief mit einem deutlichen Aufuf an alle Christen, sich nicht von den Ereignissen des 9. Oktober abschrecken zu lassen und weiterhin politisch aktiv zu bleiben.

In einer Bemerkung hinsichtlich der Parlamentswahlen, die nächsten Monat zusammen mit den Presidentenwahlen stattfinden werden, fügte er hinzu: „Wir rufen alle [Christen] auf, in Ägypten und überall an den laufenden politischen Wahlprozessen teilzunehmen.“

„Dies ist eine heilige Pflicht, die [die Kirche] nicht aufgeben darf, da sie auf die Errichtung eines modernen, demokratischen Staates abzielt, der auf dem Gesetz, der vollen Bürgerschaft, Gleichheit, Justiz und der Garantie der Freiheit gründet.“

Der Kommentar des Patriarchen Naguib folgte auf den von Bischofs Angaelos, Generalbischof der koptisch orthodoxen Kirche in Großbritannien, der eine Stellungnahme veröffentlicht hatte, in der er die Antwort der ägyptischen Sicherheitsdienste auf die Demonstrationen verurteilte.

In dieser Stellungnahme der letzten Woche äußerte Bischof Angaelos: „Dasselbe Militär, das im Januar versicherte, dass es ‚keinen einzigen Schuss auf einen ägyptischen Bürger geben werde‘..., schoss jetzt mit scharfer Munition tödliche Schüsse in Brust und Köpfe, während bewaffnete Truppentransporter direkt in die Menge gefahren wurden, wo sie Menschen erfassten und überfuhren. So starben viele Menschen.“

Bischof Angaelos hat auch zu einer öffentlichen Untersuchung der staatlichen Medien aufgerufen, die er beschuldigte,  parteiisch und fälschlich glauben machen zu wollen, die Christen hätten die Gewalt selber ausgelöst.

[ZENIT-Übersetzung des englischen Originals]