Patriarch Tawadros II. lehnt den Vorschlag der Aufteilung Ägyptens zur Bildung eines koptischen Staates ab

Idee sei von unzurechnungsfähigen Menschen

Rom, (ZENIT.org) | 870 klicks

Vertreter der koptischen Diaspora schlugen die Aufteilung Ägyptens und die Schaffung einer „koptischen Enklave“ vor. Dies bezeichnet Patriarch Tawadros II., der seit zwei Monaten die größte koptische christliche Gemeinde in einem arabischen Land leitet, als einen Vorschlag „unzurechnungsfähiger Menschen“. In einem Interview mit der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu anlässlich des koptischen Weihnachtsfestes, das auch von den ägyptischen Medien veröffentlicht wurde, erklärt Patriarch Tawadros mit Nachdruck, dass „die koptische Kirche wesentlicher Bestandteil Ägyptens ist und sich nicht abspalten wird“, so berichtet der Fidesdienst.

Der Patriarch fügt hinzu, dass die Bedingungen, unter denen die Kopten im neuen, von islamistischen Strömungen beherrschten politischen Rahmen des Landes, nicht als „Krisensituation“ bezeichnet werden könne. Zwischenfälle mit religiösem Hintergrund habe es in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder gegeben. Tawadros betont, dass auch die Vorbehalte der Kopten gegenüber der neuen Verfassung nicht als sektiererische Haltung ausgelegt werden dürften: Es handle sich nur um Zweifel im Hinblick darauf, dass einige Artikel „nicht den Prinzipien der Staatsbürgerschaft entsprechen“.

Am Heiligen Abend hatten Vertreter einiger ägyptischer Parteien vor der St. Markus-Kathedrale, in der der Patriarch die Mitternachtsmesse feierte, Spruchbänder mit Weihnachtsglückwünschen aufgestellt. Bei dem Gottesdienst waren auch Vertreter der politischen Opposition anwesend, einschließlich des ehemaligen Generalsekretärs der Arabischen Liga, Amr Moussa. Staatspräsident Mursi übermittelte die Weihnachtsglückwünsche an den Patriarchen telefonisch und entsandte den Chef des Präsidentenamtes, Refaa El-Tahtawi, stellvertretend zu den Feiern. Wie einheimische Beobachter gegenüber dem Fidesdienst berichten, wurde auch der Aufruf des Patriarchen, auf Applaus zu verzichten und Geräusche beim Einzug der Politiker zu vermeiden, respektiert. Bereits im November hatte der Patriarch die Gläubigen aufgefordert während der Gottesdienste auf Applaus zu verzichten und Kirchen als Haus Gottes zu respektieren.