Patriarch von Moskau: Motu proprio „Summorum Pontificum“ bedeutet Stärkung der Ökumene

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ROM/MOSKAU, 29. August 2007 (ZENIT.org).- Die Freigabe der Messe nach dem Ritus des heiligen Pius V., der nunmehr die außerordentliche Form des einen Römischen Ritus darstellt (vgl. Summorum Pontificum und entsprechender Begleitbrief), wird vom Patriarchen von Moskau und ganz Russland, Alexeij II., ausdrücklich positiv bewertet. Dies berichtete der Journalist Andrea Tornielli der Mailänder Tageszeitung „Il Giornale“ am heutigen 29. August.



„Das Motu proprio ist für uns eine Tatsache, die wir positiv begrüßen“, so der Patriarch. Alexeij II. gewährte der italienischen Zeitung nach der feierlichen Liturgie zum Fest der „Entschlafung Mariens“, einem der größten Feste der orthodoxen Tradition, das dem katholischen Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel entspricht, ein Interview. Alexeij II. hatte die Liturgie in der „Mariä Entschlafens-Kathedrale“ im Kreml gefeiert.

Der Moskauer Patriarch bekräftigt im Gespräch mit „Il Giornale“, dass die Entscheidung Papst Benedikts XVI. zur allgemeinen Freigabe der Liturgie nach dem Missale von Johannes XXIIII. die Ökumene mit den orthodoxen Kirchen stärken und begünstigen könne.

„Die erneute Anerkennung und die Aufwertung der antiken liturgischen Tradition ist eine Tatsache, die wir positiv begrüßen. Uns ist sehr an der Tradition gelegen. Ohne die treue Behütung der liturgischen Tradition wäre die orthodoxe Kirche in Russland nicht imstande gewesen, in der Zeit der Verfolgungen während der 20er- und 30er-Jahre des letzten Jahrhunderts auszuharren.“

Alexeij II. erinnert daran, dass die russische Kirche während der Zeit des kommunistischen Regimes so viele neue Märtyrer hatte, dass ihre Zahl nur mit der der Zeit der ersten christlichen Märtyrer verglichen werden könne.

Zu den Beziehungen zwischen Moskau und Rom bringt er seine Wertschätzung für den Einsatz Benedikts XVI. zur Förderung des Dialogs und der Zusammenarbeit mit den orthodoxen Kirchen zum Ausdruck.

Auf die Frage nach einer Begegnung zwischen dem Patriarchen von Moskau und dem Papst von Rom betont Alexeij II., dass derartige Bemühungen einer intensiven Vorbereitung bedürften. Es dürfe auf keinen Fall dazu kommen, dass sich ein derartiges Ereignis auf ein oberflächliches Massenmedienspektakel reduziere. „Es muss eine Begegnung sein, die wirklich zur Festigung der Beziehungen zwischen unseren beiden Kirchen dient.“

Alexeij II. erwähnt zwei Hindernisse für eine sichtbare Einheit und eine Begegnung in naher Zukunft mit dem Papst von Rom. Zum einen beklagt der Patriarch, dass „einige katholische Bischöfe und Missionare Russland als ein Missionsland betrachten. Russland aber, das Heilige Russland ist schon von einem Glauben erleuchtet, der seit mehreren Jahrhunderten gegeben ist und, Gott sei es gedankt, von der orthodoxen Kirche bewahrt und weitergegeben wird.“ Aus diesem Grund sei Russland kein Missionsland für die katholische Kirche.

Als zweiten Punkt, der vor einer Begegnung mit dem Papst von Rom geklärt werden muss, führt Alexeij II. das Problem der mit Rom unierten orientalischen Kirchen an. Für den Patriarchen ist es bedauerlich, dass der Uniatismus auch in jenen Gegenden vorangebracht werde, wo es ihn nie gegeben habe. Als Beispiele erwähnt er die Westukraine, Weißrussland, Kasachstan und auch Russland selbst.

„Erst wenn diese Probleme angegangen und gelöst sein werden, wird die Begegnung zwischen dem Papst und dem Patriarchen von Moskau verstanden werden. Dann wird sie wirklich eine Bedeutung haben.“