„Patronen-Kreuz“: Kindersoldaten Hoffnung schenken

Initiative von Missio, den Päpstlichen Missionswerken in Österreich

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WIEN, 12. Februar 2009 (ZENIT.org).- Heute, am 12. Februar, wird der „Internationale Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten" begangen. Mehr als 300.000 Kinder und Jugendlichen werden in Ländern wie Afghanistan, Myanmar, Burundi, dem Tschad, der Zentralafrikanischen Republik, Kolumbien, der Demokratischen Republik Kongo, auf den Philippinen, in Nepal, Somalia, dem Sudan, Sri Lanka und Uganda zu kriegerischen Zwecken zwangsrekrutiert. Zu den Verbrechen, die ihnen angetan werden, gehört auch sexueller Missbrauch. Der heutige Welttag will zu mehr Einsatz im Kampf gegen diese besonders schwerwiegende Form des Kindesmissbrauchs aufrütteln.

 

Die Päpstlichen Missionswerke in Österreich, in Deutschland und in der Schweiz unterstützen seit Jahren Projekte, in denen ehemaligen Kindersoldaten eine neue Zukunft geschenkt wird. Bei dieser Arbeit stehen die soziale Integration, physische, psychologische und spirituelle Therapien sowie eine gute Schul- und Berufsausbildung im Vordergrund. „Missio" begleitet ehemalige Kindersoldaten auf ihrem Weg zurück in ein normales Leben. Um wieder ein nützliches und akzeptiertes Mitglied in ihren Familien und Dorfgemeinschaften zu werden, benötigen diese jungen Menschen eine solide Ausbildung: Zuerst müssen sie die versäumte Schulzeit nachholen und danach eine Lehre absolvieren.

Wer diese Initiativen fördern und mittragen will, kann bei Missio ein so genanntes „Patronen-Kreuz" erwerben. Das Kreuz kostet 2,50 Euro und wurde von ehemaligen Kindersoldaten aus Patronenhülsen angefertigt (Bestellformular oder per E-Mail: bestellung@missio.at).

„Dieses dramatische Symbol für Leben, Tod und Hoffnung erzählt die Geschichte eines der unmenschlichsten Dramen unserer Epoche, Kinder als Soldaten zu missbrauchen. Gleichzeitig trägt das Patronenkreuz die Hoffnung der Auferstehung in sich. Ich danke allen, die durch den Erwerb des Patronen-Kreuzes unsere Arbeit unterstützen. So können wir Kindersoldaten ihre Kindheit zurück geben!", bekräftigt Msgr. Dr. Leo-M. Maasburg, Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke in Österreich, in einer Presseerklärung zum Internationalen Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten.



Die Geschichte des Patronen-Kreuzes
Als George Togba gemeinsam mit seinem Schwager George Kollie vor einigen Jahren in Liberia anfing, im Krieg abgeschossene Patronenhülsen vom Boden aufzusammeln, sie aufzubiegen und Kreuze zu schneiden, war es eine persönliche Traumabewältigung  und ein öffentliches Bekenntnis zugleich. Der ehemalige Bürgerkriegsrebell, der seine Familienangehörigen in einem Massaker verlor, hatte ein für alle Mal genug vom Morden. „Am unteren Ende des Kreuzes", sagt Togba, „ist die Patronenhülse noch als Zeichen der Zerstörung zu erkennen. Darüber ist das Zeichen des Lebens und der Rettung sichtbar."

Bericht eines Kindersoldaten
„Ich war im Wald unterwegs. Ich sollte meine Tante besuchen. Plötzlich ratterte eine Kalaschnikow. Ich sprang hinter einen Busch, doch die Kugeln pfiffen mir um die Ohren und ein Mann rief: ‚Wenn du nicht raus kommst, schieß ich dich in Stücke.' Was blieb mir anderes übrig? Ich musst mit ihm gehen und seine Panzerfaust tragen." So erzählt ein 11-jähriger Kindersoldat seine Geschichte.

Weltweit werden Kinder in mehr als 40 Ländern mit vorgehaltener Waffe zwangsrekrutiert, aus ihren Gemeinschaften gerissen, zum Töten ausgebildet und zu unvorstellbaren Grausamkeiten gezwungen. Die verschleppten Kinder werden als Soldaten und Sexsklavinnen missbraucht und durch Drogen und Alkohol gefügig gemacht. Die seelischen Leiden dieser Kinder lassen sich kaum erahnen.

Die Kirche hilft - Uganda als Beispiel
Die katholische Kirche setzt sich weltweit aktiv gegen die Rekrutierung von Kindern als Soldaten ein. Ziel ist vor allem die Entwaffnung der Kinder, die Entlassung aus dem Militärdienst und die Wiedereingliederung in die Gesellschaft. Uganda ist ein gutes Beispiel: Die katholische Kirche war im Land, bevor es zum Konflikt kam. Während des Terrors durch die Rebellenarmee blieb sie im Krisengebiet und tat, was sie tun konnte. Der Erzbischof von Gulu, John Baptist Odama, verhandelte mit Regierungsarmee und Rebellen über ein Friedensabkommen, da nur die katholische Kirche von beiden Seiten als Vermittlerin akzeptiert wurde. Heute, in Zeiten eines gefährdeten Friedens, ist die Kirche nach wie vor präsent. Sie hilft ehemaligen Kindersoldaten und baut mit an der Zukunft des Landes.