Pauli Bekehrung: An Jesus Christus kommt kein Mensch vorbei!

Von P. Stanislaus Cusin SDB*

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ROM, 23. Januar 2009 (ZENIT.org).- Am Sonntag, dem 25. Januar, ist das Fest der Bekehrung des Apostels Paulus. Wir wollen deshalb ein wenig darüber nachdenken, worin das Geheimnis des Lebens dieses großen Völkerapostels Paulus bestanden hat (vgl. Apg 9,1-22; 22,1-21; 26,1-23).

Paulus liebte Jahwe
Vor seiner Bekehrung war Saulus, wie er hieß, bestimmt nicht gottlos, im Gegenteil: Er war ein Eiferer für den jüdischen Glauben, für das Gesetz seiner Väter. Mit fanatischer und unbarmherziger Härte aber verfolgte er alle, die sich diesem Gesetz widersetzten, so auch die Anhänger des „neuen Weges", die Christen. Wir können sagen: Auch wenn vieles am Eifer des Paulus unvollkommen, ja verkehrt war: Im Grunde seines Herzens liebte und suchte er Gott (Jahwe). Das Gesetz, das Jahwe dem Volk Israel durch Mose gegeben hatte, war für ihn die lebendige Weisung des Herrn. Gottsuchende Menschen sollten wir alle sein. Denn jeder Mensch ist im Innersten seines Herzens auf Gott hin angelegt. Wir sind nach Gottes Bild erschaffen und zur ewigen Seligkeit in der Liebe Gottes berufen. Gott ist unser Ursprung und unser Ziel. Auch solche Menschen, die von Gott nichts wissen wollen, können ihr eigenes Wesen nicht verleugnen, das im Tiefsten nach Gott verlangt. Ob sie es wahrhaben wollen oder nicht: An Gott kommt keiner vorbei. Wer sich dem lebendigen Gott auf Dauer verweigert, gerät in einen grundlegenden Widerspruch zu sich selbst. Wer sich Gott gegenüber öffnet und ihm sein Herz schenkt, der wird reich beschenkt und erfährt auch sein eigenes Menschsein auf neue Weise!

Paulus liebte Jesus, den Sohn Gottes
Als Saulus die Christen verfolgte, da war er zugleich auch ein Verfolger Jesu Christi, ihres Herrn. Wir wissen: Als Saulus unterwegs nach Damaskus war, da umstrahlte ihn ein gewaltiges Licht und warf ihn zu Boden. Er begegnete Christus, der ihn fragte: „Saul, warum verfolgst du mich?" In einem Augenblick erkannte Saulus das Unrecht, das er den an Christus Glaubenden angetan hatte, und er bereute sein früheres Leben. Er ließ sich taufen, und wurde vom fanatischen Christenhasser zu einem der treuesten Apostel Jesu Christi, für den er schließlich sogar sein Leben hingegeben hat

An Jesus Christus kommt kein Mensch vorbei. Jesus ist wirklich der Mittelpunkt der Geschichte. Auch Menschen, die Jesu Botschaft ablehnen, zeigen durch ihren Widerstand oder gar Hass, dass ihnen Jesus nicht gleichgültig ist. Wir sind durch Jesus, den Mensch gewordenen Gottessohn, erlöst und zur Teilnahme an seiner Auferstehung berufen. In unserem Leben sollen wir Christus nachfolgen, der uns die vollkommene Liebe zu Gott und zu unserem Nächsten vorgelebt hat!

Paulus liebte die Gemeinschaft - die Kirche
Christus und die Gemeinschaft derer, die an ihn glauben - das heißt die Kirche -, lassen sich nicht voneinander trennen. Dies wird deutlich an den Worten, die Jesus zu Saulus spricht, dem er erscheint: Warum verfolgst du mich? Der Herr identifiziert sich mit denen, die an ihn glauben. Und nach seiner Bekehrung stand Paulus den übrigen Christen treu zur Seite. Er wusste, dass jeder seine besondere Aufgabe und Berufung hat, dass im geheimnisvollen Leib Christi, der Kirche, keiner und keine überflüssig ist, dass wir alle berufen sind, am ewigen Glück des Gottesvolkes im Himmel teilzuhaben (vgl. die 1. Lesung).

Manche Menschen lehnen die Kirche ab, wollen aber an Jesus Christus festhalten. Dennoch: Wir können nicht als Einzelmenschen zum Heil gelangen, sondern nur in der Gemeinschaft der Glaubenden. Wir haben unseren Glauben von anderen empfangen und leben ihn in der Verbundenheit mit der ganzen Kirche. Dies drückt sich aus durch die Verbundenheit der Gläubigen mit ihren Hirten (Papst, Bischöfe, Priester) und auch untereinander. Das Menschliche und Sündhafte, das wir in der Kirche vorfinden, ist uns mitunter ein Kreuz. Doch wir wollen es demütig tragen mit Jesus Christus, unserem Herrn. Auch der Apostel Paulus erlebte dies und drückte es mit den anachronistischen Worten „Wenn ich schwach bin, dann bin ich stark" (2 Kor 12,10) aus.

Lassen wir uns daher die Liebe zur Kirche und das Bemühen um wahre Einheit im Glauben von niemandem nehmen. Denn nur so behält die Kirche die Strahlkraft. Seien wir Gott treu, der uns berufen hat. Geben wir Zeugnis von der frohen Botschaft, so wie es Paulus getan hat, damit die Menschen an uns erfahren können, dass das Leben nur dann wahrhaft gelingen kann, wenn wir Christus als unseren Herr erkennen, der uns über alles liebt und bei sich haben will.

[* Der Autor ist Seelsorger im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Wien]