Paulus-Gedenkjahr: Geburtsort des Völkerapostels in der Türkei benötigt christliche Kirche

Bischof Padovese sprach bei Premierminister Erdogan vor

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TARSUS, 10. Januar 2008 (ZENIT.org).- Im „Paulinischen Jahr“, das Benedikt XVI. aus Anlass der 2000-Jahr-Feier der Geburt des großen Völkerapostels für die Zeit vom 28. Juni 2008 bis zum 29. Juni 2009 ausgerufen hat (vgl. ZENIT vom 28. Juni 2007), wird Tausende von Pilgern zum Geburtsort des Heiligen nach Tarsus führen, das auf dem Gebiet der heutigen Türkei liegt.



Die Vorkehrungen, die in diesem Land getroffen werden, werden von dem Bewusstsein getragen, dass Paulus einer von ihnen ist. So erklärte Bischof Luigi Padovese, Apostolischer Vikar von Anatolien in der Türkei: „Der heilige Paulus darf in einer Zeit wie heute, wo jede Art von Religion angenommen werden kann, als Apostel angesehen werden, der für christlichen Identität steht. Und das zu einem Zeitpunkt, in dem man die vielen Wege, die zu Gott führen, als gleichwertig betrachtet.“

Die Türkische Bischofskonferenz, die sich aus sieben Bischöfen zusammensetzt (drei Hirten des lateinischen Ritus, zwei Armenier sowie ein syrisch-katholischer und ein chaldäischer), arbeiten an der Fertigstellung des Programms für die Feiern. Ein gemeinsamer Brief an die Gläubigen der verschiedenen Riten befindet sich genauso wie eine Pilgerreise nach Rom im Stadium der Vorbereitung.

Die Bischöfe haben mit dem griechisch-orthodoxen Patriarchen Bartholomaios I. von Konstantinopel, dem syrisch-orthodoxen und armenisch-gregorianischen Metropolitan-Erzbischöfen Kontakt aufgenommen, um gemeinsame ökumenische Initiativen zur Würdigung des Völkerapostels zu planen.

Bischof Padovese hofft zudem, dass die 2000-Jahr-Feier die Aufmerksamkeit der Weltkirche auf die christlichen Minderheiten in der Türkei lenken wird. Eines ihrer ersten Ziele besteht darin, von den türkischen Behörden in Tarsus die Genehmigung zu erhalten, eine dauerhafte christliche Gebetsstätte zu errichten, die die Pilger aus aller Welt aufnehmen kann. Gegenwärtig gibt es nur ein Kirchenmuseum ohne Kreuz. Um in diesem Gebäude die Eucharistie zu feiern, müssen die Behörden ihre Zustimmung geben und entsprechend bezahlt werden.

„Ich bat Premierminister Erdogan darum, dass der Zugang zu diesem Gebäude - der einzigen christlichen Stätte, die noch nicht zu einer Moschee umgewandelt worden ist – nicht nur Katholiken gewährt werde, sondern auch allen anderen Christen, beziehungsweise dass die Christen die Möglichkeit erhalten, ein eigenes Gelände zu erwerben, auf dem sie eine Kirche bauen können“, erklärte der Bischof. „In Tarsus braucht man kein Kirchenmuseum, sondern eine Kirche, in der sich Gläubige und Pilger wohl fühlen und beten können.

Die Behörden blickten dem Jubeljahr mit gemischten Gefühlen entgegen: „Sie wissen um die Bedeutung der Stadt für die Christen und sind stolz darauf, Mitbürger eines erstklassigen Menschen zu sein. Zugleich sind sie aber auch ratlos und fühlen Unbehagen, wenn es darum geht, mit religiösem Tourismus umzugehen, der besondere Ansprüche hat.“

[Von Nieves San Martín; Übersetzung des spanischen Originals von Angela Reddemann und Dominik Hartig]