Paulus und die Ökumene (I)

Interview mit P. Johannes Paul Abrahamowicz OSB, Prior der Abtei Sankt Paul vor den Maiern

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WIEN, 20. Januar 2009 (ZENIT.org).- Alle christlichen Konfessionen sollten sich im Sinn des heiligen Apostels Paulus im gemeinsamen Bemühen verbinden, den vielen Not leidenden Menschen, die es in unserer Welt gibt, beizustehen und wirksame Hilfe zu bringen.

Am Rande eines von Pro Oriente organisierten Studiennachmittags zum Thema „Der Geist macht lebendig (2 Kor 3,6): Paulinische Geisterfahrung und -theologie in ökumenischer Perspektive", der am 13. Februar in Wien stattfand, fragte ZENIT P. Johannes Paul Abrahamowicz OSB, den Prior der Abtei Sankt Paul vor den Mauern (Rom) und Autor der Hymne zum Paulus-Jahr (vgl. außerdem das ZENIT-Interview Ökumene ist Bekehrung zur Einheit in Christus), ob der Völkerapostel tatsächlich eine Integrationsfigur für die Christen sei, ob er sie wirklich zusammenführen könne.

ZENIT: Wie kann es gelingen, dass die fast unbändige Begeisterung des Völkerapostels, der keine Mühen scheute, um Jesus bekannt zu machen, auch uns Christen heute beseelt und Kraft gibt, damit wir angesichts unserer Schwächen und Unstimmigkeiten das Wesentliche nicht aus den Augen verlieren: das glaubhafte Zeugnis für das Evangelium?

P. Johannes Paul Abrahamowicz: Paulus hat nicht mit Thesen oder Andeutungen provoziert, sondern mit Tatsachen und detaillierten Darstellungen, die man zusammenfassen könnte in dem Satz: „Ich habe den Auferstandenen gesehen. Das kann mir niemand nehmen. Ihr könnt mir den Kopf abnehmen, aber nicht diese Tatsache!"

ZENIT: Was ist in den Augen des Paulus eigentlich ein glaubhafter Zeuge des Evangeliums? Wann ist ein Zeugnis wirklich glaubhaft?

P. Abrahamowicz: Wenn durch mich die Liebe Gottes spürbar ist - als eine Liebe, die kein Ende kennt (vgl. 1 Kor 13).

ZENIT: Kann Paulus tatsächlich eine Integrationsfigur für die Christenheit sein? Kann er uns zueinander führen?

P. Abrahamowicz: Ich nehme an, dass alle seine Versuche - zuerst zu den Juden zu gehen, dann zu den Heiden - dahin begründet ist, dass das gemeinsame Bekenntnis wirksamer ist. Das heißt er möchte zuerst die Juden überzeugen, dann mit ihnen gemeinsam die Heiden.

Wir brauchen eine ökumenische Diakonie, wo alle christlichen Konfessionen zusammenarbeiten und gemeinsam den Bedürftigen helfen.

ZENIT: Welche Früchte hat das Paulus-Jahr nach Ihren Erfahrungen bisher gebracht?

P. Abrahamowicz: Viele Pilger, viele Bücher - auch für Jugendliche, darunter sogar Cartoons, und für junge Erwachsene gut formulierte Einführungen und Begleittexte zu den Paulus-Briefen - und viele echte Neubesinnungen zum Wesentlichen des Christentums.

ZENIT: Was erhoffen Sie sich noch für jetzt und die Zukunft?

P. Abrahamowicz: Für die Zukunft wünsche ich mir in diesem soeben gesagten Sinne eine weitere Vertiefung.

Von Dominik Hartig und Pia Simony